Djerba könnte sein Müllproblem lösen

Schon seit Jahren funktioniert die Abfallentsorgung auf der tunesischen Insel, die rund 160.000 Einwohner zählt und vom Tourismus lebt – über 400.000 Besucher in 2012 –, nicht mehr. Djerbas einzige kontrollierte Deponie musste wieder geschlossen werden.

Dies geschah bereits im Oktober 2012, nachdem sich Klagen in der Bevölkerung über Geruchsbelästigungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die 2007 eingerichtete Anlage nahe der Ortschaft Guellala in Ajim gehäuft hatten. Proteste verhinderten dann vor zwei Jahren die Wiedereröffnung. Dabei entstanden Schäden an der Deponie in Höhe von geschätzten drei Millionen Tunesischen Dinar, umgerechnet etwa 1,36 Millionen Euro. Die Inselkommunen Ajim und Midoun nahmen daraufhin eine stillgelegte Altdeponie wieder in Betrieb, und die Gemeinde Houmt Souk eröffnete Ende 2014 eine provisorische Abfalldeponie, deren Kapazität ebenfalls begrenzt ist.

Alles in allem keine wirklichen Lösungen, die dem Müllproblem auf Djerba, das sich seit der Schließung der einzigen kontrollierten Deponie der Insel zur Entsorgungskrise gesteigert hat, gerecht werden: Djerbas Abfallentsorgungssystem – wenn es überhaupt als solches zu bezeichnen ist – entspricht weder lokalen Anforderungen noch nutzt es Potenziale zur wirtschaftlichen Aufbereitung und Verwertung von Abfällen, sei es stofflich oder energetisch.

Auf Widerstand stößt hier der Einsatz einer Ballenpresse, die im Mai 2015 für 2,6 Millionen Tunesische Dinar (1,2 Millionen Euro) installiert wurde und täglich bis zu 150 Tonnen Abfälle verarbeitet. Denn sämtliche Abfälle werden unsortiert und unvorbehandelt lediglich zum Zweck der Platzeinsparung verpresst. Schadstoffe können folglich austreten und ins Grundwasser gelangen.

Lokale Akteure beteiligen

Bei der Planung, Standortsuche und letztlich Realisierung der bisherigen Abfalldeponie auf Djerba waren zu wenig lokale Akteure beteiligt, vermutet in diesem Kontext Dr. Makram Ben Hamida von der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer in Tunis. Um die Akzeptanz für eine neue Anlage in der Bevölkerung zu erhöhen, müssten sie nach Überzeugung des Experten aber stärker einbezogen werden. Eventuelle Benachteiligungen von bestimmten Gesellschaftsgruppen ließen sich dadurch reduzieren und gegebenenfalls Geschäftsmodelle und gewinnbringende Aktivitäten identifizieren.  Innovative Ansätze zu Abfalltrennung und Recycling, dezentrale Biogas- oder Kompostieranlagen könnten das Abfallaufkommen tatsächlich verringern und somit die Kosten der Kommunen senken und zudem Einkommen für private Unternehmen generieren. Nutznießer wäre ebenso die Tourismusbranche und deren Beschäftigte. Auch dem sensiblen Inselökosystem käme das zugute. Für die aktuelle Situation auf Djerba, urteilt Ben Hamida, wäre eine zukunftsnahe und langfristig ausgerichtete Lösung wünschenswert, die eine breite politische und gesellschaftliche Zustimmung findet, dabei technisch wie wirtschaftlich vertretbar ist und die sozio-ökonomischen Bedürfnisse der Einwohner abbildet. Eine intensive und strukturierte Kommunikation, die alle Interessen vor Ort einbindet, sei der Schlüssel zum Erfolg.

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Foto: Dt-Tun. AHK

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