Agrarkunststoffe: Wegweisende Sammel- und Verwertungssysteme

„Mit der weltweit steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlich eingesetzten Kunststoffprodukten wächst auch die gesellschaftliche Verpflichtung, diese nach dem Gebrauch zurückzunehmen, sicher zu verwerten und dabei das hohe Recyclingpotenzial zu nutzen.“

Dieses Fazit zog Jan Bauer von der RIGK GmbH und Leiter des Arbeitskreises „Recycling von Kunststoffen aus der Landwirtschaft“ in der EPRO zum Abschluss des 1. Internationalen Forums „Agricultural Plastics – Potential for Recycling“ im November 2015 in Wiesbaden. Entsprechende Sammelverfahren und Recyclingtechnologien seien vorhanden, ausgereift, in einer Reihe von Ländern langjährig praxiserprobt und hätten sich bereits als ökologisch und wirtschaftlich effizient erwiesen. Eine Übernahme in weitere nationale Kreislaufwirtschaften stünde unmittelbar bevor. Zur Steigerung der Effizienz seien jedoch insbesondere Fragen zur Vorsäuberung durch den Landwirt zu klären.

Das Thema branchenübergreifend angehen

Veranstalter des Symposiums mit begleitender Ausstellung war die RIGK GmbH in Kooperation mit der EPRO, der European Association of Plastics Recycling and Recovery Organisations. 120 Branchenvertreter aus 22 Ländern tauschten sich über die Möglichkeiten des Recyclings von Agrarkunststoffen aus. 24 Fachreferenten aus Forschung, Industrie, Verbänden und privaten Organisationen informierten über die jeweiligen nationalen Initiativen, aktuelle Trends und den Stand der Technik. Der erste der drei Themenblöcke vermittelte dabei eine grundlegende Übersicht über die Art der anfallenden Kunststoffe sowie die jeweiligen politischen Rahmenbedingungen in den Ländern und stellte die beteiligten Interessensgruppen vor. Thema des zweiten Blocks waren Erfahrungen bei der Rücknahme und Verwertung im Rahmen von Initiativen und marktbewährten operativen Systemen aus Deutschland, Frankreich, Irland, Kanada, Norwegen, Österreich, Rumänien, Russland, der Slowakei, Spanien und den USA. Über innovative Recyclingtechniken berichteten schließlich Hersteller aus Deutschland, Frankreich, Israel, den Niederlanden und Spanien im dritten Themenblock. Die Vortragenden stimmten in der Aussage überein, dass die Nachfrage nach Rückgabe- und Recyclinglösungen international hoch sei und kontinuierlich weiter steige. Aber erst das systematische Sammeln von Agrarfolien, Netzen und Garnen, Bewässerungssystemen sowie Verpackungen für Pflanzenschutz- und Düngemittel oder Hygieneprodukte ermögliche dabei ein sinnvolles Recycling sowie die dafür erforderliche Entwicklung entsprechender Technologien. Speziell wurde in diesem Zusammenhang herausgestellt, dass Länder, in denen solche Rücknahmesysteme installiert sind, durchweg hohe Recyclingquoten erreichen – unabhängig davon, ob diese Systeme auf gesetzlicher oder freiwilliger Basis funktionieren.

Beispielgebend im Sinne der erweiterten Herstellerverantwortung sei die weltweite Vorreiterrolle der Pflanzenschutzmittelindustrie, wie Dr. Detlef Döhnert von BASF in seinem Vortrag konstatierte. Dabei sei die individuelle Einbindung in das Prinzip der geteilten Verantwortung innerhalb des gesamten Systems – vom Erzeuger über den Inverkehrbringer und den Nutzer bis zum Sammler und Verwerter – die Basis für den langfristigen Erfolg. Laut Bernard Le Moine, Agriculture Plastique Environnement (APE), ist es unverzichtbar, dass sich in das jeweilige System eingebundene Verwerter auf eine kontinuierliche und konsequente Zusammenarbeit mit den Abfallerzeugern, also den landwirtschaftlichen Betrieben, verlassen können. Ein entscheidender Faktor sei hier ein „gemeinsam mit den Nutzern zu erreichender geringer Verschmutzungsgrad“ der an den Sammelstellen angelieferten Kunststoffabfälle. Grobe Verunreinigungen ließen sich in der Praxis allerdings nicht vermeiden. Wie Werner Herbold, Herbold Meckesheim GmbH, erläuterte, liefert die Sammlung landwirtschaftlich genutzter Folien ein Gemisch aus erwarteten Verunreinigungen wie Steine und Sand, unerwarteten Bestandteilen wie Tierkadavern oder Reifen und einem gewichtsbezogenen, tatsächlich geringen Anteil an Kunststoff.

Die Tagung zeigte den Bedarf, das Thema branchenübergreifend anzugehen. Peter Sundt, Generalsekretär der EPRO, resümierte: „Landwirtschaftlich genutzte Kunststoffprodukte sind zum Teil Verpackungen, für die die EU-Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle und das Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung gelten. Entsprechende Rücknahmesysteme organisieren und entwickeln die 18 Mitglieder der EPRO. Dabei haben viele Mitglieder erkannt, dass es hinsichtlich der Sammlung und Wiederverwertung vielfältige Gemeinsamkeiten zwischen herkömmlichen Haushalts- und Industrieverpackungen, Agrarverpackungen und den darüber hinausgehenden Anwendungen von Kunststoffen in der Landwirtschaft gibt, und Agrarkunststoffe darum als ein Kernthema auf ihre Agenda gesetzt. Sie fördern den Austausch des bei der EPRO und ihren Mitgliedern vorhandenen Know-hows, um Synergien freizusetzen und Win-Win-Situationen für alle Akteure zu ermöglichen.“ Die mit Kunststoffverpackungen gesammelten Erfahrungen ließen sich auf andere Kunststoffanwendungen übertragen. Die Bündelung der vorhandenen Kräfte zur Entwicklung weiterer funktionierender Systeme sei eine wichtige Forderung für die nächste Zukunft.

www.rigk.de
www.epro-plasticsrecycling.org

Foto: RIGK GmbH

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