Katerstimmung

Zum Monatsbeginn signalisierten die deutschen Verbraucher einen eher geringen Zukaufbedarf und begründeten damit gleichzeitig ihre Preisabschläge. Nach schwierigen Verhandlungen reduzierten sie letztendlich je nach Werk und Sorte die Einkaufspreise gegenüber dem Vormonat um durchschnittlich zehn bis 15 Euro pro Tonne. Während Neuschrott ausreichend zur Verfügung stand, war die Versorgung mit Altschrott nicht überall im gewünschten Umfang möglich. Der Markt wurde zum Monatsende hin in den betroffenen Regionen etwas fester. Zudem war die Auslastung der Werke unterschiedlich und deren Bedarf entsprechend angepasst, wobei der Schrotthandel von einer eingeschränkten Nachfrage im Westen und Norden der Republik berichtete, während er sich mit dem Schrottbedarf im Osten und Südwesten zufrieden zeigte.

Ein Schrottverbraucher versuchte ein neues kreatives Schrotteinkaufskonzept aggressiv im Markt zu etablieren, mit Abschlägen über dem aktuellen Marktniveau und geänderten Abschlussterminen. Nicht jeder Lieferant konnte sich damit anfreunden und entschied sich für eine Belieferung mit Kontaktmengen. In der Folge freuten sich andere Werke, die die Mengen aufnehmen konnten. Um seinen Bedarf sichern zu können, musste besagter Verbraucher letztendlich zu Marktpreisen einkaufen. Ob dies im gewünschten Umfang möglich war, wird sich im kommenden Monat zeigen. Die Klagen des Handels über den mangelnden Altschrotteingang sind unüberhörbar; außerdem gab es, wie oben bereits erwähnt, Berichte, dass einige Verbraucher gerne mehr gekauft hätten, als ihnen angeboten werden konnte. Im Februar beeinflusste darüber hinaus eine erfreulich hohe Nachfrage türkischer Verbraucher das Mengengefüge, was in den kommenden Monat spürbar sein dürfte.

Nachbarländer

Die Preisabschläge der italienischen Verbraucher lagen im Berichtsmonat mit fünf bis 20 Euro pro Tonne weit auseinander und richteten sich nach der Auslastung der nachfragenden Werke, die insgesamt bei durchschnittlich 60 Prozent liegen soll. Lediglich ein Werk hat größere Schrottmengen zugekauft und dafür die geringste Preissenkung vorgenommen. Noch warten die italienischen Hersteller auf die Erteilung von Lieferlizenzen für Betonstahl durch ihren wichtigsten Abnehmer Algerien, die eigentlich bereits für die 6. Kalenderwoche angekündigt waren. In Erwartung eines dadurch wieder steigenden Absatzes haben die italienischen Hersteller die Betonstahlpreise bereits um fünf bis zehn Euro pro Tonne erhöht; und in der 7. Kalenderwoche den inländischen Schrottlieferanten nur noch fünf Euro pro Tonne weniger gezahlt als im Vormonat. Während Algerien seinen Markt kurzerhand seit Jahresbeginn abgeschottet hat, versuchen die Hersteller aus Spanien und Italien ihre Produktion derweil zu günstigen Konditionen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden abzusetzen, was dort den Druck auf die Preise erhöht. Die Werke in der Schweiz bezahlten für Importschrotte aus Deutschland zehn bis 15 Euro pro Tonne weniger als im Vormonat. Trotzdem war der Zulauf zufriedenstellend. Kurzfristig sind die Werke gut ausgelastet; die langfristige Auslastung ist jedoch wie bei vielen Produzenten in Europa ungewiss. Der Verbraucher in Luxemburg senkte letztendlich bei gutem Bedarf seine Zukaufpreise um durchschnittlich zehn Euro pro Tonne. In Frankreich und Belgien reduzierten die Verbraucher – bei gegenüber dem Vormonat vermindertem Bedarf, je nach Werk – die Preise um 15 bis 20 Euro pro Tonne, während in den Niederlanden die Inlandspreise um fünf bis zehn Euro pro Tonne fielen. Aus dem Nachbarland kamen Nachrichten über weitere Insolvenzen sowie über Händler, die ihre Betriebe schließen, weil eine Fortführung nicht mehr lohnend ist oder in Folge von fehlenden Nachfolgern Konsequenzen gezogen werden. Ähnliches wird aus Deutschland berichtet. Die Preisabschläge Richtung Polen und Tschechien entsprachen dem deutschen Niveau, wobei die Altschrottbeschaffung aus Tschechien schwierig war.

Gießereien

Verbraucher von Gießereischrott, deren Einkaufspreise an keinen Index gebunden sind, senkten im Februar die Einkaufspreise gegenüber Januar um fünf bis zehn Euro pro Tonne je nach Sorte und Region. Während Gießereien, die für die Automobil- oder Windkraftindustrie produzieren, gut ausgelastet sind und einen hohen Bedarf haben, leiden diejenigen, die für den Maschinenbau produzieren, immer noch unter einer schwachen Auslastung. Zum Teil hatte der Handel sogar das Problem, auf Abrufe für bestimmte Sorten rechtzeitig reagieren zu können. Die Roheisenhersteller bemühen sich nach wie vor, ihre Preise zu erhöhen. Ob ihnen das gelingen wird, zeigt sich wahrscheinlich im kommenden Monat. Der sinkende Eurokurs gegenüber dem US-Dollar verteuert die Beschaffung der deutschen Verbraucher.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Drittlandexport wirkt preisstabilisierend

Die türkischen Verbraucher kauften im Februar nach Auswertung der internationalen Fachpresse rund 900.000 Tonnen Schrott im Tiefseemarkt. Dabei erwarben sie acht Ladungen von Exporteuren vom europäischen Festland gegenüber zwölf Ladungen im Vormonat. Wegen des ansteigenden Bedarfs gelang es den türkischen Abnehmern nicht, weitere Preissenkungen durchzusetzen. Stattdessen mussten sie im Laufe des Monats leichte Erhöhungen von drei bis fünf US-Doller pro Tonne bei schwächer werdendem Euro akzeptieren. Günstige Frachtraten von neun bis 14 Euro pro Tonne unterstützten den Materialfluss in die Türkei. Da außerdem Indien und Pakistan kontinuierlich Containermengen nachfragen, haben die dort zu erzielenden Preise ebenfalls einen stabilisierenden Einfluss sowohl auf das türkische als auch das europäische Preisniveau.

Schlussbemerkungen

Mit der von der europäischen Stahlindustrie organisierten Demonstration in Brüssel am 15. Februar 2016 wurde deutlich, dass die Lage auf dem Stahlmarkt sehr ernst ist. Die europäische Stahlindustrie fürchtet um ihren Bestand. Die Schrottwirtschaft verbindet mit der gezeigten Einigkeit die Hoffnung, dass auch ihre identischen Sorgen die entsprechende Aufmerksamkeit vor allen Dingen bei der einen oder anderen Entfallstelle findet. Sinkende Preise, schwindende Margen, wegbrechende Mengen bei einer hohen Kostenbelastung – nicht zuletzt durch hohe Umweltanforderungen – und ein enormer Druck bei der Schrottbeschaffung sorgen für eine Katerstimmung in der Branche. bvse-Fachvorstandsmitglied Sebastian Will hat bereits im vorigen Monat seine Einschätzung dazu in der Fachpresse abgegeben: „Die Illusion vieler Schrottbetriebe, sich in einer fairen Partnerschaft mit Entfallstellen, Verbrauchern und Behörden zu befinden, und die fast krankhafte Aversion der Schrottbranche, eine Entfallstelle und damit Tonnage an einen Konkurrenten abzugeben, haben ein ruinöses Marktumfeld geschafften. Dadurch sind die Betriebe sehenden Auges an den großen und unverhältnismäßig viel zu teuer bezahlten Mengenströmen der Entfallstellen ausgeblutet.“ Als Reaktion darauf muss die Schrottwirtschaft konsequent alle möglichen Kostensenkungspotenziale nutzen, wozu die Trennung von Arbeitskräften genauso zählt wie die Schließung von Plätzen. Dennoch ist die Beschaffungsproblematik beim Neuschrott die eine Seite der Medaille, auf der anderen spürt der Lagerhandel jeder Größe immer deutlicher die fehlenden eingehenden Altschrottmengen, die normalerweise vom Kleinhandel beschafft werden. Letzterer kann unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht im Markt bestehen und muss die Sammlungen einstellen. Das knappe Altschrottangebot ist zum großen Teil eine Folge dieser Entwicklung, die durch die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes noch verstärkt wurden.

Für den kommenden Monat geht der befragte Handel von eher stabilen Preisen aus. Das Preissenkungspotenzial insbesondere beim Altschrott sieht er trotz eines möglicherweise nochmals verringerten Bedarfs ausgeschöpft. Beim Neuschrott könnte der Markt jedoch weicher sein.

Redaktionsschluss 22.02.2016, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR0316S30)