Hydroxymethylfurfural aus Chicorée-Wurzelrüben für Kunststoffe

Rund 800.000 Tonnen Chicorée-Wurzelrüben fallen jährlich europaweit beim Salatanbau als Abfall an und werden entsorgt. Viel zu schade, meint die Universität Hohenheim. Denn aus den Wurzelrüben lässt sich Hydroxymethylfurfural (HMF) gewinnen.

Hydroxymethylfurfural dient als Ausgangsstoff für Nylon, Perlon, Polyester oder Flaschen aus dem PET-ähnlichen Biopolymer PEF (Polyethylenfuranoat). Der Großhandelswert liegt derzeit bei 2.000 Euro pro Kilogramm. Bisher wird die Chemikalie aus Erdöl gewonnen. Versuche von Prof. Dr. Andrea Kruse im Labor des Instituts für Agrartechnik an der Universität Hohenheim zeigen jedoch alternative Gewinnungsmöglichkeiten aus Chicorée-Wurzelrüben auf. Am Ende der Behandlung einer Chicorée-Wurzelrüben-Wasser-Mischung entsteht ein gelb bis braun gefärbtes, kristallines Pulver: ungereinigtes HMF. In einem früheren Forschungsprojekt gelang es der Chemikerin bereits, Hydroxymethylfurfural aus Fruchtzucker (Fructose) zu gewinnen.

Ein Teil des Aufkommens an Chicorée-Wurzelrüben wird heute zur Biogaserzeugung verwendet. Doch diese Verwendung ist nach Ansicht von Andrea Kruse ökonomisch gesehen unterlegen: „Aus rund 220.000 Wurzelrüben pro Hektar können theoretisch 8,14 Tonnen Inulin gewonnen werden. Dieses kann nach aktuellem Forschungsstand zu 2,87 Tonnen HMF umgewandelt werden. Über den Verkauf dieser Menge können circa 5,74 Millionen Euro erzielt werden. Strom aus Biogas dieser Menge Wurzelrüben würde nach EEG jedoch nur 21.000 Euro generieren.“

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Foto: Universität Hohenheim

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