ELFM: Deponierückbau kann sich rechnen

Enhanced Landfill Mining bezeichnet einen Deponierückbau, der das Potenzial an Sekundärrohstoffen und Deponiefläche gleichermaßen berücksichtigt und bewertet. Innerhalb des Projekts TönsLM, das sich auf Ressourcenrückgewinnung aus Lagerflächen konzentrierte, wurden nun erstmals auch Preise und Nutzen von Deponiematerialien und -fläche beziffert und kalkuliert.

Beim Teilrückbau der Deponie Pohlsche Heide im Kreis Minden-Lübbecke wurden 8.000 Tonnen Material entnommen und eine genaueren Analyse unterworfen. Die untersuchten Proben bestanden zu knapp der Hälfte aus Fraktionen kleiner 20 Millimeter, zu 14 Prozent aus Kunststoff, zu annähernd gleichen Teilen aus Steinen, Holz und Boden und zu jeweils vier Prozent aus Papier und Metall. Die Aufbereitung dieser Materialien hängt von der einzusetzenden Technologie oder der jeweils verwendbaren Technikkombination ab. Und von dem Aufbereitungsaufwand, der für die Wertstoffrückgewinnung als wirtschaftlich lohnend erscheint.

Nur zur Volumengewinnung: unwirtschaftlich

Zu deren Bewertung bieten sich mehrere Szenarien an. Die einfachste Version (1a) benötigt den geringsten Aufwand, erlaubt neben der Energie- lediglich die Gewinnung von Fe- und NE-Fraktionen. Bei hohem Organikgehalt wird eine zusätzliche biologische Behandlung erforderlich (1b). Mittlerer Aufwand (2a) separiert Fraktionen von Ersatzbrennstoffen, als Recyclingbaustoff geeigneten Mineralien, Glas, Abwasser und belasteten Reststoffen. Szenario 2b sieht eine  zusätzliche Vorkonditionierung vor, um größtmögliche Metallausbeute zu gewährleisten. Im Szenario 3a können durch ballistische Separation, Wirbelstromscheidung und Nahinfrarot-Sichtung sortenreine Kunststofffraktionen erzeugt werden, die sich zu Granulat aufbereiten lassen. Szenario 3b sieht die Gewinnung eines polyvinylchlorid-abgereicherten, heizwertreichen Sekundärbrennstoffs für Zementwerke vor.

Für die Aufbereitung der jeweils anfallenden Deponiematerialien ist ein jeweils spezifischer  Anlagenaufwand erforderlich. So steht bei den beiden einfachen Szenarien die erforderliche Technologie regional mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Verfügung. Aufwändigere Technologien für die Szenarien 2 und 3 erfordern hingegen meist Anlagen auf hohem technischen Niveau und möglicherweise Neuinvestitionen, die mit technischem und finanziellem Risiko verbunden sind. Die Kosten für die genannten Entsorgungsszenarien setzen sich zusammen aus Investitionen, investitionsabhängigen, stoffstrombedingten, prozessbedingten sowie Liquidations-Zahlungen. Diese Kosten können, sollte die Deponie nur zur Volumengewinnung rückgebaut werden, im Vergleich zu einer Deponiestillegung samt Nachsorge unwirtschaftlich erscheinen.

Dies ist bei der Deponie Pohlsche Heide der Fall, bei der aufgrund der ländlichen Lage lediglich ein Quadratmeterpreis von zehn Euro zu erzielen wäre. Die Gewinne aus Wertstoff- und Flächenverkauf wiegen daher die Kosten für Investitionen, Weitergabe von Zwischenprodukten und Reststoffentsorgung nicht auf. Die Ergebnisbewertungen kommen für die Pohlsche Heide je nach Szenario auf negative Kapitalwerte von minus 140 bis 160 Millionen Euro bei Zielsetzung Flächenrückgewinnung gegenüber rund 70 Millionen Euro für Stilllegung samt Nachsorge. Ist der Rückbau auf Volumengewinnung ausgelegt, liegt der negative Kapitalwert der Szenarien zwischen minus 90 bis 125 Millionen gegenüber 70 Millionen Euro für Stilllegung samt Nachsorge.

Mögliche Potenziale

Ein Blick auf die verschiedenen ökonomischen Faktoren zeigt jedoch mögliche Potenziale für andere Rückbauprojekte auf. So würde beispielsweise im Fall der Pohlschen Heide – je nach Szenario – ein Preis pro Quadratmeter rückgewonnener Fläche ab 350 Euro Gewinn abwerfen. Ebenso ein Verkaufswert ab 32 Euro pro Kubikmeter Deponiematerial. Wie eine Modellrechnung zeigt, würde eine Basispreis-Änderung von minus 40 statt 59,90 Euro pro Tonne für die MVA-Abgabe, von minus 30 statt 47,50 Euro pro Tonne für die EBS-Abgabe und von 350 Euro statt zehn Euro pro Quadratmeter alle sechs Szenarien in die Gewinnzone bringen. Der Kapitalwert der einzelnen Szenarien würde sich in diesem Fall – aufgrund der Anlagenkosten differierend – auf über 16 Millionen bei Szenarien 1a und 1b, auf über 18 Millionen bei Szenario 2a und auf rund vier Millionen für Szenario 3b belaufen.

Langer Atem notwendig

In der Summe bedeuten diese Zahlen, dass Enhanced Landfill Mining ökonomisch vorteilhaft gegenüber einer Deponiestillegung ausfallen kann. Insbesondere dann, wenn eine Deponie ansonsten kontinuierlichen Umweltschutzauflagen unterliegt, unvorhergesehene Sanierungsmaßnahmen erforderlich macht oder die Nachsorge länger als 30 Jahre dauert. Doch unterliegt auch die Rentabilität von Enhanced Landfill Mining mehreren Faktoren. Der Wert des Grundstücks ist entscheidend, die Wertigkeit des Deponievolumens ebenso wie die Verfügbarkeit und Kapazität schon bestehender, möglichst naher Behandlungsanlagen. Auch hat die Rückbaugeschwindigkeit Einfluss darauf. Dennoch brauchen Deponiebetreiber, die Enhanced Landfill Mining-Projekte in Angriff nehmen, einen langen Atem und – neben Erfahrung – eine gezielte Unterstützung seitens der Politik. Während für Deutschland die Umsetzung eines Großprojektes als lohnend und notwendig angesehen wird, empfiehlt sich der globale Einsatz des Verfahrens insbesondere in Megacities.

Der Artikel basiert auf einen Vortrag über „TönsLM – Rückgewinnung von Wertstoffen aus Siedlungsabfall- und Schlackendeponien“, in: Recycling und Rohstoffe, Bd. 9, hrsg. Karl J. Thomé-Kozmiensky und Daniel Goldmann, Neuruppin 2016, ISBN 978-3-944310-27-5.

Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de

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