Markt deutlich freundlicher

Im Berichtsmonat März führte eine gute Schrottnachfrage im Inland, bedingt durch die gute Beschäftigungslage bei einigen Verbrauchern sowie die hohe Kaufbereitschaft türkischer Verbraucher, zu Preiserhöhungen im Inland von durchschnittlich zehn bis 15 Euro pro Tonne. Abnehmer mit geringen Lagerbeständen oder höherem Bedarf mussten ihre Einkaufspreise sogar darüber hinaus anpassen.

Der Mangel an Altschrott führte dazu, dass der Marktpreis für die Sorten E3 und E4 über dem der handelsüblichen Sorte E2 lag. Es scheint so, als ob sich nicht alle Werke mit den gewünschten Qualitäten haben eindecken können beziehungsweise nicht wie gewünscht beliefert werden konnten. Diese Entwicklung kam für die Marktteilnehmer überraschend, zumal niemand mit dem Ausmaß der Erholung der Rohstoffpreise durch die plötzlich gestiegene Stahlnachfrage in China oder im türkischen Inlandsmarkt gerechnet hatte. Obwohl der Handel von der im März üblichen Zunahme des Sammelaufkommens berichtete, war Altschrott spürbar knapp. Alle angebotenen Mengen konnten abgesetzt und die vorhandenen Neuschrottüberhänge abgebaut werden.

Nachbarländer

Nachdem der algerische Staat die Importlizenzen für Betonstahl Anfang März vergeben hat, verbessert sich die Auslastung der italienischen Stahlwerke spürbar. Die von den Werken gewünschte Schrottpreissenkung im März ließ sich wegen der relativ guten Nachfrage daher nicht realisieren. Sie mussten nach zähen Verhandlungen die Preise auf das Januarniveau anheben. Dennoch hinken die italienischen Schrottpreise zum Beispiel denen in Deutschland hinterher. Schrott konnte in die Schweiz je nach Zeitpunkt des Abschlusses und je nach Sorte zu null bis 15 Euro pro Tonne mehr als im Vormonat verkauft werden. Die Schrottverfügbarkeit war hier wie überall in Europa spürbar knapp. Polnische Werke erhöhten die Schrotteinkaufspreise um bis zu 12,50 Euro pro Tonne. Sie zahlen damit weiterhin mehr als deutsche Werke, sodass nur die Mengen aus grenznahen Gebieten nach Deutschland flossen. Ebenso war der Schrottzustrom aus Tschechien gedämpft. Der Verbraucher in Luxemburg begann seine Einkaufsverhandlungen mit einem Preisangebot von fünf Euro pro Tonne mehr als im Vormonat, wofür die notwendigen Mengen jedoch nicht zu beschaffen waren. Zur Bedarfsdeckung mussten die Preise schrittweise angehoben werden. Die Nachfrage belgischer Verbraucher war überschaubar, während sowohl in Belgien als auch in den Niederlanden wegen des starken Sogs der Tiefseeverkäufe höhere Preise gezahlt werden mussten. Französische Verbraucher korrigierten die Preise in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich, was die Stimmung im Markt nicht beruhigte.

Quelle: bvse

Quelle: bvse

Gießereien

Zum Teil haben die Gießereien ihre Einkaufspreise auf das Januarniveau angehoben; andere haben lediglich Preisanpassungen im Bereich von null bis fünf Euro pro Tonne vorgenommen. Die Auslastung der einzelnen Produzenten schwankt nach wie vor deutlich. Gesucht waren vor allem Qualitätsschrotte und manganarme Sorten. Da die türkischen Schrottverbraucher verstärkt Neuschrott und Qualitätsaltschrotte kaufen, läuft dieses Material preisbedingt in Richtung Tiefseehäfen und damit an den Gießereien vorbei. Diese Entwicklung dürfte sich im April fortsetzen und für zumindest stabile Preise sorgen. Für den Rohstoff Roheisen verlangen insbesondere russische Anbieter deutlich höhere Preise, zumal die Erz- und die Schrottpreise gestiegen sind und die Anbieter diese Entwicklung nutzen.

Drittlandsmarkt

Der Schrottexport in Drittländer hat eine unerwartet positive Wende genommen. Sowohl türkische als auch beispielsweise indische Verbraucher zeigten ein verstärktes Interesse an europäischem Schrott. Sie lösten damit deutliche Preissteigerungen aus (siehe hierzu die Grafik links). Im März bewegten sich die CFR Exportpreise schrittweise um rund 30 bis 40 US-Dollar pro Tonne nach oben. Da in China wegen einer unerwartet deutlich gestiegenen Nachfrage nach Baustählen die FOB-Preise um etwa 40 US-Dollar pro Tonne stiegen, produzierten türkische Werke Rohstahl wieder verstärkt auf der Basis von Schrott. Für Januar und Februar meldete worldsteel zudem eine steigende türkische Rohstahlproduktion. Da die Nachfrage nach Baustählen vor allen Dingen innerhalb der Türkei sehr hoch ist, haben türkische Werke laut der internationalen Fachpresse bis zum Redaktionsschluss rund 28 Ladungen Schrott im Tiefseemarkt bestellt, wovon sie 14 Ladungen in Kontinentaleuropa kauften.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Schlussbemerkungen

Von sinkenden Preisen geht in Marktkreisen im kommenden Monat niemand aus. Dennoch sind die Einschätzungen unterschiedlich, ob sie unverändert oder steigend sein werden. Einige Marktteilnehmer sehen in den seit der 11. Kalenderwoche stabilen türkischen Schrottimportpreisen das Zeichen dafür, dass der Höhepunkt bei den Einkaufspreisen überschritten ist. Unter dieser Annahme käme es in Europa im kommenden Monat zu leichten Preisanpassungen an das Tiefseemarktniveau.

Die Stahlmarktkrise ist jedoch keineswegs überwunden. Je nach Produktionsprogramm sind die Stahlwerke in der Lage, die gestiegenen Rohstoffpreise über den Verkaufspreis zu kompensieren und darüber hinaus die Margen zu verbessern. Allerdings ist die Entwicklung bei den einzelnen Werken uneinheitlich, und der Stahlverkaufspreis beeinflusst sowohl im In- als auch im Ausland die Schrottpreisentwicklung. Im Schrottbeschaffungsmarkt stehen einige Schrotthändler vor dem Problem, dass von ihnen vorverkaufte Mengen im steigenden Markt nicht mit dem kalkulierten Preis übereinstimmen und die ohnehin geringen Margen belasten. Obwohl im kommenden Monat keine Feiertage die Produktion oder den Schrotteingang behindern, werden sicherlich wieder viele äußere Faktoren markt- und preisbestimmend sein.

Redaktionsschluss 22.03.2016, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR0416S32)