Die Eingangskontrolle wird wichtiger werden

Das Deinking Symposium der Papiertechnischen Stiftung (PTS) und des französischen Centre Technique du Papier (CTP) am 23. Februar in München informierte über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei der Druckfarbenentfernung aus Altpapier.

So hatte der Eröffnungsvortrag von Prof. Frank Miletzky (Papiertechnische Stiftung) die „Mineralölproblematik“ zum Thema: Nach Untersuchungen unter anderem der Stiftung Warentest und des Verbrauchermagazins Öko-Test weisen aus Recyclingpapier und -kartonagen hergestellte Lebensmittelverpackungen oft Mineralölrückstände aus Druckfarben in gesundheitskritischen Konzentrationen auf. Pizzaverpackungen zum Beispiel können auch die Chemikalie Bisphenol A enthalten, wie sie in Plastikflaschen und Dosenbeschichtungen vorkommt. Zudem finden sich in Lebensmittelverpackungen Diisopropylnaphthaline (DIPN), Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), optische Aufheller, Photoinitiatoren, primäre aromatische Amine (paA), Konservierungsstoffe, Weichmacher, Bis(2-ethylhexyl)maleat (DEHM), Bestandteile von Thermopapieren (2-PhmN, 4-BBPh), anorganische Elemente oder Nickelarsenid (NIAs).

Welche Lösungen bieten sich an?

Welche Lösungen zur Reinigung des Altpapiers (grafische Papiere) im Recyclingprozess bieten sich an? Die Flotation, spezielle Wäschen und Druckwechselmethoden (Kavitation, Ultraschall) sowie Extraktion mit organischen Lösungsmitteln, überkritischem CO2 oder Enzymen. Doch sind diese Verfahren allesamt sehr kostenintensiv, technisch aufwändig und schwierig. Mittelfristig, so Miletzky, kann die Lösung der Mineralölproblematik bei Recyclingpapieren und -kartonagen nur darin bestehen, mineralölhaltige Druckfarben durch mineralölfreie zu substituieren. Und das ist noch zu wenig der Fall. Entscheidend darüber hinaus wird auch sein, wie sich Deinkingware künftig zusammensetzt und folglich auf die Herstellung von grafischen Papieren auswirkt. Nach den Erkenntnissen von Dipl.-Ing. Lydia Tempel (Papiertechnische Stiftung) führen die fortschreitende Digitalisierung und der E-Commerce zur Abnahme im Verbrauch von Druckerzeugnissen und damit zur Verfügbarkeit von Deinkingware. Die Anteile der verschiedenen Produktarten werden sich verschieben. Insgesamt ist hier mit komplexeren Produkten zu rechnen, die dann vielfältigere Aufbereitungsverfahren voraussetzen. Die Altpapiereingangskontrolle wird dabei immer wichtiger werden, um die Qualitätsansprüche der Papierindustrien erfüllen zu können. Die Rezyklier- und Deinkbarkeit von grafischen Altpapieren sowie die Abtrennbarkeit von Klebstoff-Applikationen entlang der Prozesskette wird die Technologie laufend vor neue Herausforderungen stellen.

Zur Verbesserung der Papierfestigkeit und Reduzierung von Druckfarbenpartikeln in Altpapierstoffen reflektierten im Anschluss Dipl.-Ing. Lutz Hamann und MSc. Tiemo Arndt (Papiertechnische Stiftung) das „Potenzial hydrodynamisch erzeugter Kavitationsimpulse“. Unter „Kavitation“ (lat. cavitare „aushöhlen“) ist allgemein die Bildung und Auflösung von dampfgefüllten Hohlräumen (Dampfblasen) zu verstehen. Technisch wird die Kavitation zur Reinigung von Gegenständen eingesetzt: In sogenannten Ultraschallbädern werden Oberflächenverschmutzungen entfernt. Mittels speziell abgestimmter Reinigungsflüssigkeiten und durch eine höhere Temperierung des Ultraschallbades lässt sich der mechanische Reinigungseffekt des Ultraschalls verstärken. Die Ultraschallschwingungen erfolgen dabei über piezokeramische Wandlersysteme. Diese werden an die Schwingwanne geklebt und enthalten eine piezokeramische Scheibe, die sich beim Anlegen einer Spannung ausdehnt beziehungsweise zusammenzieht. Erzeugt wird der Kavitations-Ultraschall durch einen Hochfrequenz-Generator, der die Netzfrequenz von 50 Hertz auf mindestens 20 Kilohertz wandelt.

Das Deinking-Symposium behandelte des Weiteren die Dispergierung im Ultrahochkonsistenz-Bereich, die Ausbeuteerhöhung der Druckfarbenentfernung durch Kon­trolle der Feinstoffe, neue Maskierungsmittel zur Schaumbekämpfung bei RCF Einheiten und magnesiumbasierte Prozesspromotoren für Deinkinganwendungen. Erörtert wurde auch, welchen Einfluss die Druckfarbenzusammensetzung bei Papier auf die Deinkbarkeit von High Speed Inkjet Drucken hat.

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Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de

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