Polens Abfallwirtschaft setzt auf Müllverbrennung

Strengere Umweltauflagen und die Neuorganisation der polnischen Abfallwirtschaft erfordern weitere Investitionen. Recycling findet zu wenig statt, die Kommunen beseitigen ihre Abfälle verstärkt in Müllverbrennungsanlagen. Und es sollen weitere gebaut werden: Die Energiegewinnung aus Abfällen spielt in Polen eine wichtige Rolle.

Der einfachen Deponierung von Abfällen kommt in Polen immer noch eine große Bedeutung zu, weshalb der Investitionsbedarf der Abfallbranche weiter hoch ist. Ab 2021 darf Polen gemäß EU-Vorgaben nur noch 35 Prozent des Siedlungsabfalls auf Deponien ablagern. Derzeit liegt die Quote noch bei über 50 Prozent. Seit Anfang 2016 darf kein biologisch abbaubarer Abfall mehr deponiert werden, dessen Energiewert sechs Megajoule pro Kilogramm übersteigt und der sich wie etwa Kompostabfall zur Verbrennung eignet.

Ende 2014 waren laut dem Statistischen Hauptamt GUS in Polen noch 394 legale Deponien mit einer Gesamtfläche von 1.927,0 Hektar in Betrieb. Im Jahresverlauf wurden 66 Deponien mit einer Gesamtfläche von 157,9 Hektar außer Betrieb genommen, darunter 45,0 Hektar rekultiviert. Die Stadtreinigungsbetriebe haben die Aufgabe, den eingesammelten Abfall der Gemeinden zu speziellen Verarbeitungsanlagen bringen. Diese müssen ab ersten Juli 2018 alle den Status einer „Regionalen Anlage zur Behandlung Kommunaler Abfälle“ (RIPOK) haben. Und die Anforderungen an die RIPOK steigen: Die Trennung der kommunalen Abfälle ist seit dem ersten Februar 2015 obligatorisch.

268 Kilogramm Abfall pro Kopf

Das statistisch erfasste Aufkommen an kommunalen Abfällen sinkt, während gleichzeitig die Menge des eingesammelten Abfalls steigt. 2014 entsprach das (offizielle) Aufkommen kommunaler Abfälle mit rund zehn Millionen Tonnen erstmals der eingesammelten Menge. Pro Kopf der Bevölkerung entstanden 268 Kilogramm Abfall, 2013 waren es 293 Kilogramm. Vor allem die thermische Behandlung nahm 2013 und 2014 zu, während die Ablagerung auf (legalen) Deponien zurückging. Branchenkenner gehen allerdings davon aus, dass etwa 40 Prozent mehr als die von den Gemeinden genannten Mengen entstehen, wobei diese zusätzlichen Abfälle nicht ordnungsgemäß abtransportiert und verarbeitet werden.

Die Anlieferung von Abfällen bei einer RIPOK ist kostenpflichtig. Einige Gemeinden rechnen mit den Stadtreinigungsbetrieben pauschal ab, die nach Überschreiten eines Limits weitere Ausgaben scheuen. In 80 Prozent der Gemeinden übernehmen die Abfallunternehmen sowohl das Einsammeln als auch die weitere Verwertung. Experten plädieren dafür, zwei Firmen mit diesen Aufgaben zu betreuen, sodass die Transportfirma nach der Belieferung einer RIPOK ausbezahlt wird.

Umfassende Förderung für den Abfallsektor

Den GUS-Informationen zufolge lagen die Aufwendungen der Abfallwirtschaft einschließlich derer für die Wiedergewinnung von Rohstoffen in den ersten drei Quartalen 2015 bei 937,2 Millionen Zloty (rund 224 Millionen Euro) und damit um 18,4 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der begonnenen Projekte stieg auf 282 gegenüber 235 von Januar bis September 2014. Der erhöhte Aufwand lässt zudem die Preise für die Müllabfuhr steigen.

Der Nationale Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft NFOSiGW sieht für die Förderung der Abfallwirtschaft 2016 und 2017 insgesamt über 1,3 Milliarden Zloty vor (Zuschüsse und vergünstigte Kredite). Erste Wettbewerbe zum Erhalt einer EU-Förderung im Rahmen des „Operationellen Programms Infrastruktur und Umwelt 2014 bis 2020“ starteten Ende 2015. Diese beziehen sich unter anderem auf die Schaffung von Stellen zur getrennten Abfallsammlung. Weitere Finanzierungsquellen wie Kredite der Bank für den Umweltschutz oder der Bank Ochrony Srodowiska stehen zur Verfügung. Ausländische Finanzhilfen werden unter anderem über den Ökofonds (www.ekofundusz.org.pl) verteilt. Großprojekte finanzieren internationale Institutionen wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) oder die Weltbank. Die Städte können auch Schuldverschreibungen ausgeben oder PPP-Projekte, etwa zum Bau von MVA, realisieren.

Müllverbrennung wird weiter ausgebaut

Im Jahr 2016 dürfte die Müllverbrennung sprunghaft zunehmen. Nachdem 2015 vier Müllverbrennungsanlagen (MVA) in Krakow (Krakau), Bydgoszcz (Bromberg), Konin und Bialystok in Betrieb genommen worden sind, sollen im zweiten Halbjahr 2016 die MVA in Poznan (Posen) und Szczecin (Stettin) folgen. In Warschau existiert schon länger eine MVA. Nach Ansicht des polnischen Umweltministeriums bietet das Land Platz für insgesamt zehn oder elf MVA. Pläne für den Bau weiterer Anlagen bestünden unter anderem in Warschau, Gdansk (Danzig), Wroclaw (Breslau) und Lodz (Lodsch). Solche Projekte werden in der Regel von der EU kofinanziert.

Die Energiegewinnung aus der Abfallverbrennung ist ein wesentlicher Aspekt. Für deutsche und europäische Unternehmen ergeben sich Chancen für die Zulieferung von Ausrüstungen für MVA sowie Anlagen zur Abfallbehandlung. Die größte Abfallverarbeitungsanlage, Zaklad Zagospodarowania Odpadow (ZZO) in der Woiwodschaft Wielkopolskie (Großpolen), nimmt 2016 in Jarocin ihren Betrieb auf. Sie kann 60.000 Tonnen Siedlungsabfall jährlich verarbeiten, wobei durch weitere Aussortierungen bis zu 90 Prozent der Rohstoffe wiedergewonnen werden können. Aus biologisch abbaubaren Abfällen wird Strom und Wärmenergie gewonnen. Das Projekt hat einen Wert von 150 Millionen Zloty, die EU bezuschusst das Vorhaben mit 84 Millionen Zloty. Weitere Mittel brachten die 17 betroffenen Gemeinden auf. Der NFOSiGW gewährte dafür ein Darlehen von 13,6 Millionen Zloty.

Handlungsbedarf bei Verpackungen und Elektroaltgeräten

Die Behandlung von Verpackungsabfällen nahm bereits 2014 deutlich zu, und die Vorgaben wurden erfüllt. Von den gut 4,8 Millionen Tonnen, für die eine Recyclingpflicht bestand, wurden 55,6 Prozent recycelt. Den Gemeinden wurde auferlegt, bis 2020 dafür zu sorgen, dass mindestens die Hälfte der Glas-, Metall-, Papier- und Kunststoffabfälle einem Recyclingprozess zugeführt werden. Noch besonders groß ist der Nachholbedarf bei Kunststoffverpackungen.

Handlungsbedarf besteht nach wie vor auch bei der Wiederverwertung von Elektro(nik)altgeräten. Um hier den Recyclinganteil zu erhöhen, müssen Geschäfte für Elektro- und Elektronikbedarf seit dem ersten Januar 2016 gebrauchte Kleingeräte, deren längste Seite maximal 25 Zentimeter misst, zurücknehmen, auch wenn der Kunde kein neues Gerät kauft. Im Jahr 2014 kamen 518.863 Tonnen Elektro(nik)geräte auf den polnischen Markt. Gleichzeitig wurden aber nur 168.932 Tonnen ausrangierte Geräte eingesammelt, um sie einer Verwertung zuzuführen. Diese stammten mit 159.756 Tonnen fast ausschließlich von Privathaushalten. Im Inland konnten 162.363 Tonnen Altgeräte verarbeitet werden; einem Recyclingprozess zugeführt wurden 127.190 Tonnen.

Einige Marktakteure in Polen  

Die beiden Marktführer in Polen sind Remondis und Sita Polska. Die Gesellschaften Eneris Surowce (Rohstoffe) und Eneris Recycling befassen sich vor allem mit der Abfallverarbeitung und Wiedergewinnung von Rohstoffen. Eine starke Stellung hat auch die Alba Gruppe, die im Südwesten Polens, vor allem in Schlesien, aktiv ist. Sie übernimmt Recyclingaufgaben, darunter in Wroclaw (Breslau). Die Tönsmeier Gruppe konzentriert sich auf die Wiederverwertung von Abfällen und ist in zahlreichen polnischen Gemeinden tätig.

Die schwedische Firma Stena Recycling engagiert sich ebenfalls in Polen. Altglas verwertet unter anderem die Firma Krynicki Recykling S.A. MVA-Technik stellen in Polen unter anderem Rafako, Winderickx und ZBUS-TKW Combustion her. Sortieranlagen produzieren beispielsweise Horstmann, Roczniak Recycling System, Sutco Polska und Falubaz. Pressen und andere kleinere Geräte unter anderem Stalco, Avermann, ARTechnic, HSM Polska, Inter-Hydro, KK Balers in Gdansk, Pressor Polska und Orwak. Abfallbehälter und -container liefert Sulo. In den einzelnen Gemeindegebieten darf jeweils nur ein einziger Stadtreinigungsbetrieb tätig sein. Gemäß einer von der Regierung am 15. März 2016 angenommenen Gesetzesnovelle zu öffentlichen Aufträgen wird es öffentlichen Verwaltungsorganen gestattet, Aufträge an von ihnen gegründete Gesellschaften zu vergeben, ohne diese vorher ausschreiben zu müssen. Das betrifft auch die Stadtreinigung.

Verfasserin: Beatrice Repetzki
Quelle: Germany Trade & Invest

Abb.: Pixabay

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