Verliert die LME den Bezug zur Industrie, die den Markt macht?

Auf der VDM Mitgliederversammlung am 21. April in Dresden räumte LME Business Development Manager Marko Kusigerski ein, dass die neu eingeführten Produkte der Londoner Metallbörse nicht klar kommuniziert wurden. Über den Sinn und Zweck der Risiko-Management-Tools wie „LME Shield“ herrscht große Verunsicherung. Wer im Metall- und Schrotthandel soll auch die neue „Usage Licence“ bezahlen?

Gut zwanzig Minuten dauerte der Vortrag, und nach der Diskussionsrunde, die mehr als die doppelte Zeit beanspruchte und von der freien Wirtschaftsjournalistin Dr. Katharina Otzen-Odrich moderiert wurde, war man auch nicht schlauer. Fragen über Fragen ergaben sich, doch die Antworten des jungen Gastreferenten, der von den „alten Hasen“ der Branche ins „Kreuzverhör“ genommen wurde, erwiesen sich als ein Reden um den heißen Brei. Stereotyp folgte nach jedem Punkt der Formelsatz: „Ich gebe Ihnen recht, es gibt Kommunikationsbedarf.“

Marko Kusigerski musste von den Mitgliedern des Verbandes Deutscher Metallhändler e.V. viel und auch harte Kritik einstecken. Und VDM Präsident Thomas Reuther (Trimet Aluminium SE) versuchte am Ende die Wogen zu glätten, die über den Schweizer Banker hereinbrachen, der seit drei Jahren bei der London Metal Exchange (LME) tätig ist und dort als Business Development Manager die Segmente Stahl, Zink und Blei verantwortet: „Man streitet sich, wenn man etwas schätzt. Wir sind froh, dass wir die LME haben. Aber sie muss verständlicher werden.“

Was kommt auf die Branche zu?

Das ist nach Stand der Dinge schwer zu sagen. Die neuen Produkte, genauer gesagt Risiko-Management-Tools der Londoner Metallbörse, stellen sich als kompliziert und intransparent dar. Auf der LME-Website finden sich dazu 30 und mehr Seiten langer juristischer Dokumente zu den Spielregeln und Bedingungen, „die keiner versteht“. Und auch „LME Shield“ erklärt sich nicht. Im April wurde außerdem eine neue Nutzungsgebühr eingeführt, die unmittelbar anfällt, wenn auf einen LME-Preis fixiert wird. Wen die „Usage Licence“ betrifft, sprich wer im Metallmarkt für was Gebühren zahlen muss, blieb ebenfalls nebulös und scheint im Detail nicht geregelt zu sein, zumal Kusigerski nicht näher darauf einging und die Tools inhaltlich nur skizzierte. Warum wurde dann die Einführung nicht vertagt – „die LME kassiert ja schon, und zwar gestaffelt nach Größenordnung“? Die rund 380 Marktakteure im Saal zeigten sich davon irritiert. Einem Diskussionsteilnehmer drängte sich in diesem Zusammenhang der Eindruck auf, dass die LME den Bezug zur Industrie verliert, die den Markt macht, das heißt Metalle physisch handelt. Laut Kusigerski sind allein die neuen Stahlkontrakte der LME (Monatsverträge auf Basis der LME-Preisnotierung) physisch nicht über die Warenhäuser der Londoner Metallbörse lieferbar.

Die Gebührenerhebung der Londoner Metallbörse wurde in der VDM Mitgliederversammlung als „Geldschneiderei“ vor allem zulasten der Nichtmitglieder der LME empfunden. Und wem nutzt das LME-Produkt „Shield“ tatsächlich; ein Schild schützt doch denjenigen, der den Schild trägt? Nach den knappen Ausführungen von Kusigerski soll Shield sicherstellen, dass es Metalle und Schrotte, die auf Basis der LME-Preisnotierungen gehandelt werden, physisch auch wirklich gibt. Den Vorwurf, dass darüber ein Schattenmarkt und rechtsfreier Raum aufgebaut werden könnte, konnte der Referent dabei nicht entkräften. Befürchtet wird, dass Rohstoffe dem Konsum entzogen werden, „um irgendwelchen Finanzdienstleistungen zu dienen“. Die LME stünde nach der Übernahme durch die Hong Kong Exchange vor fünf Jahren unter enormen Druck, den hohen Kaufpreis wieder zu erwirtschaften – durch Umsatzsteigerung. Doch dieser Mehrumsatz ließe sich kaum aus der Industrie generieren. Nur mit Finanz­investoren könnte die Londoner Metallbörse hier Geld machen.

Christian Wellner vom GDA-Gesamtverband der Aluminiumindustrie e.V. konfrontierte Marko Kusigerski zudem mit dessen Aussage, dass die Nutzer mit Shield sicher sein können, auch LME-Notierungen nutzen zu können. „Ich habe noch nie gehört“, betonte Wellner, „dass es da irgendwelche Unsicherheiten gegeben hat in der Vergangenheit. Vielen von uns in der Branche interessieren die Notierungen gar nicht, und wenn wir sie benötigen, dann schauen wir ins Handelsblatt.“ Die Preisbildung resultiere aus dem physischen Handel mit Metallen. Soll die physische Industrie extra dafür zahlen, dass sie die Preisbildung der LME überhaupt erst ermöglicht? Die offensichtliche Einbindung der LME in die Politik der Hong Kong Exchange Group lässt die Unabhängigkeit der traditionsreichen Institution bezweifeln. Wie Dr. Katharina Otzen-Odrich zum Abschluss der Diskussion festhielt, hat die Hoffnung getrogen, europäische und westliche Branchenunternehmen könnten Zugang zum chinesischen Markt bekommen. Und es sehe ganz danach aus, dass die London Metal Exchange selber stark nach Osten rückt. So scheint die LME Week im Frühjahr in Hong Kong von der Präsenz her bedeutsamer geworden zu sein als die LME Week in London, die jedes Jahr im Oktober stattfindet.

Ein kleiner Lichtblick

Beim Presselunch vor der Mitgliederversammlung mit Vertretern der Fachmedien informierte VDM Präsident Thomas Reuther über die Entwicklung der Metallmärkte und stellte hierzu den aktuellen Geschäftsklimaindex des Verbandes und seiner Mitglieder vor. An dem Gespräch nahmen neben Reuther seitens des VDM teil: Vizepräsident Peter Haslacher (Metallhandelsgesellschaft Schoof & Haslacher mbH & Co. KG), Hauptgeschäftsführer Ralf Schmitz, die Vorstandsmitglieder Dieter Likuski (Wilhelm Grillo Handelsgesellschaft mbH) und Peter Kasimir (Curef GmbH Metall- und Kunststoffhandel), Schatzmeister Helmuth Nagl (Salzburger Metall- & Kabelverwertungs-Ges.mbH) sowie Stefanie Haslbeck (Fachbereich Bildung & Kommunikation) und Verena Köttker (Köttker Kommunikation & Consulting). Und als Gast: Felix Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Hans Müller jun. Schrott- und Metallhandel KG in Dresden. Den Angaben nach ist der VDM Geschäftsklimaindex im April 2016 abermals gesunken, wenn auch weniger steil als noch im ersten Quartal 2016. Gegenwärtig beurteilen die Branchenunternehmen ihre Lage und Geschäftsaussichten schlechter als noch zu Beginn des Jahres. Ein genauerer Blick in die Umfrageergebnisse offenbart aber mit den Worten von Thomas Reuther einen „kleinen Lichtblick“: Obgleich die Indizes insgesamt gefallen sind – ausschlaggebend dafür ist, dass 23 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage schlechter bewerten als noch im Januar 2016 –, gibt es Anzeichen für einen Aufschwung. So ist mit 17 Prozent die Zahl der Unternehmen, die ihre Lage und ihre Aussichten besser einschätzen im Vergleich zum Januar 2016, deutlich gestiegen. Diese Firmen nahmen ihre Situation zuvor als stagnierend wahr; 13 Prozent der befragten Unternehmen erwarten zudem eine konjunkturelle Belebung. Nur noch 25 von zuletzt 29 Prozent sind hier pessimistisch. Immerhin 62 Prozent rechnen mit einer Stagnation der konjunkturellen Antriebskräfte.

Quelle: VDM

Quelle: VDM

Gibt es zu wenig Schrotte?

Die Marktversorgung mit Buntmetallschrotten wird weiterhin als schlecht eingestuft. Und die Lage hat sich sogar noch zugespitzt: Fast die Hälfte der befragten Betriebe (49 Prozent) gab an, dass am Markt Materialknappheit herrscht. Anfang Januar waren es 37 Prozent. Rund ein Drittel (34 Prozent) erwartet im zweiten Quartal 2016 Versorgungsengpässe und nur neun Prozent eine Verbesserung des Marktangebotes. 42 Prozent der Befragten bewerten die Marktversorgung als ausgeglichen, und 57 Prozent kalkulieren mit dem gleichen Niveau. Diese Einschätzung gilt gleichermaßen für Kupfer, Aluminium und Zink. Und gibt es tatsächlich zu wenig Schrotte? Thomas Reuther: „Im Zuge einer stärker nachhaltig ausgerichteten Produktion sind Buntmetallschrotte zunehmend gefragt, und das führt subjektiv zu dem Eindruck, dass weniger Schrott da ist, was so nicht stimmt. Objektiv gibt es Schrotte, und es werden auch mehr, weil mehr Schrotte eingesetzt werden. Es werden Recyclingkapazitäten aufgebaut, doch der Run auf Schrotte ist deutlich höher als das Wachstum. Was dem Handel gegenwärtig Schwierigkeiten macht, sind die sehr niedrigen Preise. Der Handel hat eine große Wertschöpfungstiefe. Wenn wir niedrige Preise haben, findet sich die damit verbundene Arbeit nicht wieder und Schrott wird durch preiswerteres Primäraluminium ersetzt.“

Lagerbestand und Preisentwicklung

Von den befragten Metallhändlern haben 13 Prozent einen hohen Lagerbestand, 28 Prozent einen niedrigen. 59 Prozent bewerten ihn als ausgeglichen. Vor dem Hintergrund der schwachen konjunkturellen Dynamik werden 21 Prozent der Händler ihren Lagerbestand im Verlauf des zweiten Quartals 2016 reduzieren. Immerhin 15 Prozent wollen ihre Bestände in diesem Zeitraum aufstocken. Anfang Januar waren dies nur sieben Prozent. 64 Prozent beabsichtigen, das Lagervolumen stabil zu halten.

Rund 31 Prozent der Metallhändler kalkulieren mit sinkenden Metallpreisen im zweiten Quartal 2016. Nur elf Prozent rechnen hingegen mit steigenden Notierungen und 58 Prozent mit stabilen Preisen. Entsprechend der erwarteten Metallpreisentwicklung sinkt der Trend-Metallpreis-Index. Die folgenden Entwicklungen werden – nach Metallen  differenziert – erwartet:

■    Aluminium steigend: 18 %; fallend: 12 %; stagnierend: 70 %
■    Blei steigend: 13 %; fallend: 27 %; stagnierend: 60 %
■    Kupfer steigend: 24 %; fallend: 43 %; stagnierend: 33 %
■    Nickel steigend: 23 %; fallend: 29 %; stagnierend: 48 %
■    Va steigend: 5 %; fallend: 23 %; stagnierend: 72 %
■    Zink steigend: 0 %; fallend: 14 %; stagnierend: 86 %
■    Zinn steigend: 28 %; fallend: 14 %; stagnierend: 58 %

International wettbewerbsfähig

Aus Sicht des VDM wird sich der Geschäftsklimaindex in den kommenden Monaten wieder in den positiven Bereich entwickeln. Voraussetzung dafür ist, dass der Außenhandel, die  Investitionsnachfrage – zum Beispiel nach Maschinen – und die Industrieproduktion nicht weiter  abkühlen. Diese wichtigen Nachfragebereiche für Metalle sind den Angaben nach bisher verantwortlich für die schwache Entwicklung der Branche. Grundsätzlich bewertet der  Verband seine Mitgliedsunternehmen als international wettbewerbsfähig. Zudem bieten diese ein Dienstleistungssortiment an, das in einer entwickelten Wirtschaft mit hohem Öffnungsgrad und einem hohen Anteil industrieller Produktion benötigt wird. Die hohen Überkapazitäten in China, eine schwache europäische Industrieproduktion und infolgedessen sinkende Rohstoffpreise werden die Händler und Recyclingunternehmen aber weiter vor große Herausforderungen stellen.

Die deutsche Konjunktur erweist sich in einem schwierigen internationalen Umfeld als  robust. Für das laufende Jahr erwarten die Experten des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) in ihrer Frühjahresprognose einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,0 Prozent. Damit  reduziert das IfW seine vorhergehende Prognose um 0,2 Prozentpunkte, vor allem weil die Ausfuhren aufgrund der vorerst verhaltenen Expansion in wichtige Abnehmerländer im Winterhalbjahr deutlich zur Schwäche tendieren. Gleichwohl sollte sich das Expansionstempo noch einmal beschleunigen. Maßgeblich sind vor allem binnenwirtschaftliche Faktoren. So expandiert der private Konsum im gesamten Prognosezeitraum – angetrieben von der günstigen Einkommensentwicklung infolge des anhaltenden Aufwärtstrends auf dem  Arbeitsmarkt – mit sehr hohen Raten. Im laufenden Jahr erhält er abermals Impulse durch die niedrigen Ölpreise sowie staatliche Transfers und wird voraussichtlich stark zulegen – wie seit 15 Jahren nicht mehr. Und auch die Investitionen dürften wieder Tritt fassen und zum zweiten Standbein des Aufschwungs werden. Vor allem die Bauinvestitionen werden wohl aufgrund der ungemein günstigen Rahmenbedingungen rascher zulegen als im Vorjahr. Im Verlauf des Jahres wird die Weltwirtschaft voraussichtlich ihre Schwächephase nach und nach überwinden, sodass sich auch die Absatzmöglichkeiten für die deutschen Exporteure wieder verbessern. Für das Jahr 2017 rechnen die Analysten des IfW mit einer weiteren Beschleunigung der konjunkturellen Dynamik und einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,2 Prozent. Dafür spricht, dass die binnenwirtschaftlichen Expansionskräfte weiter stark bleiben dürften, auch weil das monetäre Umfeld äußerst anregend bleibt und sich die Perspektiven für die Ausfuhren mit der Belebung der Weltwirtschaft verbessern.

Bauwirtschaft

Nachdem die Bauinvestitionen im vergangenen Jahr kaum mehr stagnierten, werden im Prognosezeitraum die „äußerst anregenden“ Rahmenbedingungen sowohl für private als auch  für öffentliche Bauvorhaben wieder die Oberhand gewinnen. Alles in allem dürften die Bauinvestitionen im laufenden Jahr um 3,8 Prozent und im kommenden um rund drei Prozent zulegen. Die Unternehmen hielten sich mit Bauinvestitionen 2015 deutlich zurück, der Wirtschaftsbau sank um 1,4 Prozent. Die ausgeprägte Schwächephase des Sommerhalbjahres ging zum einen auf den auch bei den Ausrüstungsinvestitionen zu beobachtenden Attentismus in Folge eingetrübter Erwartungen und erhöhter Unsicherheit zurück, zum anderen auf  temporäre bauspezifische Faktoren. Im vierten Quartal 2015 legte der Wirtschaftsbau dann um vier Prozent zu und dürfte im Prognosezeitraum weiter aufwärts gerichtet bleiben  (+ 3,0 Prozent im laufenden Jahr, +1,9 Prozent 2017).

Der Wohnungsbau tendierte im Sommer 2015 ebenfalls zur Schwäche, im Gesamtjahr erreichte er einen Zuwachs von 1,8 Prozent. Die günstige Einkommensentwicklung und die  sehr niedrigen Zinsen für Hypothekenkredite wirken weiterhin anregend. Außerdem dürfte  der Wohnungsbau als Kapitalanlage eine hohe Attraktivität haben, zumal der Bedarf an  Wohnraum durch die Flüchtlingsmigration höher ist als noch vor wenigen Jahren absehbar. Schließlich hat der Bund die Förderung für den sozialen Wohnungsbau erhöht und den Mietwohnungsbau steuerlich begünstigt. Demnach dürfte sich der Wohnungsbau wieder  beschleunigen und im laufenden und kommenden Jahr jeweils um rund vier Prozent wachsen.

Der öffentliche Bau gab 2015 um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach, was dem Wegfall der Ersatzinvestitionen, die nach dem  Hochwasser an mehreren deutschen Binnenflüssen 2013 getätigt worden waren, geschuldet war. Angesichts mehrerer Investitionsprogramme des  Bundes und des gestiegenen Bedarfs durch die Flüchtlingsmigration wird die Bautätigkeit im laufenden Jahr kräftig expandieren (+4,0 Prozent). 2017 wird sich das Expansionstempo etwas verlangsamen (+0,8 Prozent), da sich die Haushaltslage der Gebietskörperschaften etwas eintrüben wird und einige Bauinvestitionen zurückgestellt werden.

Nichteisen-Metallindustrie

Die deutsche Nichteisen-(NE)-Metallindustrie beurteilte ihre Lage im Februar etwas positiver  als zu Jahresbeginn. Im Jahr 2015 erzielte die Branche eine Produktion von acht Millionen Tonnen (plus ein Prozent gegenüber dem Vorjahr). Die Exportquote blieb stabil bei 44 Prozent. Gut 59 Prozent der  Ausfuhren wurden in die Euroländer geliefert – ein Prozentpunkt mehr als im Jahr 2014. Für das laufende Jahr 2016 rechnet die Branche mit einer stabilen bis leicht steigenden Konjunktur.

Die deutsche Aluminiumindustrie erzeugte im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Tonnen Rohaluminium. Damit lag die Produktion drei Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Produktion von Hüttenaluminium wuchs 2015 um zwei Prozent, die von Recyclingaluminium  um drei Prozent. Die Erzeugung von Aluminiumhalbzeug verzeichnete 2015 einen Rückgang von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr, und auch die Hersteller von Halbzeug aus Aluminium und -legierungen verbuchten ein Minus von zwei Prozent. Das Produktionsvolumen in der  Aluminiumweiterverarbeitung stieg hingegen im Vorjahr um ein Prozent gegenüber 2014.

Die deutsche Buntmetallindustrie wies im Produktionsjahr 2015 ein Plus von zwei Prozent  gegenüber dem Vorjahr aus. Die Produktion von raffiniertem Kupfer und  Kupfergusslegierungen wuchs um ein Prozent. Die Ausbringungsmenge von Zink, Blei, Zinn und deren Legierungen legte um drei Prozent zu. Die Produktion von Buntmetallhalbzeug erhöhte sich 2015 um zwei Prozent gegenüber 2014. Hersteller von Halbzeug aus Blei, Zink, Zinn und Nickel sowie deren Legierungen verzeichneten sogar ein Produktionsplus von fünf Prozent. Die Fertigung von Kupfer und -legierungen stieg um zwei Prozent, die Erzeugung von Halbzeug aus blankem Kupferleitmaterial um ein Prozent. Für 2016 erwartet die Branche moderate Mengenzuwächse und hofft, von steigenden Ausrüstungs- und Bauinvestitionen  profitieren zu können.

Elektroindustrie

Die deutsche Elektroindustrie ist im Januar 2016 mit einem leichten Rückgang der Auftragseingänge um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat in das neue Jahr gestartet. Während die Inlandsaufträge um 2,2 Prozent zugenommen haben, sind die Bestellungen aus  dem Ausland um 2,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau geblieben. Im gesamten letzten Jahr stiegen die Bestellungen gegenüber 2014 um sieben Prozent. Hierzu trug insbesondere die Nachfrage aus dem  Ausland mit 10,3 Prozent bei. Bestellungen aus der Eurozone legten um 9,6 Prozent zu, Aufträge aus Drittländern stiegen um 10,7 Prozent. Die Ordertätigkeit im Inland erhöhte sich um 3,3 Prozent.

Die Produktion (um Preiseffekte bereinigt) der deutschen Elektrounternehmen hat ihren Vorjahreswert im Januar 2016 knapp um 0,3 Prozent übertroffen. Für das abgeschlossene Jahr 2015 wurde das reale  Produktionswachstum der Branche geringfügig auf plus 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben revidiert. Der Umsatz der deutschen Elektroindustrie  stagnierte im Januar 2016 mit einem Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2015. Die Erlöse mit Inlandskunden sind dabei um 1,6 Prozent gestiegen, der Auslandsumsatz hingegen um 1,1 Prozent gefallen. Die Erlöse mit Kunden aus der Eurozone sind um 2,8 Prozent gesunken, die mit Abnehmern aus  Drittländern stiegen um  knapp 0,1 Prozent. Im gesamten vergangenen Jahr stieg der Umsatz gegenüber 2014 um 3,9 Prozent. Während der  Umsatz mit Kunden aus dem Inland geringfügig um 0,1 Prozent nachgab, wuchs er mit ausländischen Abnehmern um acht Prozent. Für das aktuelle Jahr erwartet die Branche ein Umsatzplus von zwei Prozent.

Maschinen- und Anlagenbau

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau schloss das Jahr 2015 mit einem realen Nullwachstum ab. Auch für das laufende Jahr rechnet die Branche mit einer Stagnation. Der Start ins neue Jahr verlief unbefriedigend. Im Januar verfehlte der Auftragseingang das Vorjahresniveau um zwölf Prozent. Dabei gaben sowohl die Orders aus dem In- als auch aus  dem Ausland stark nach. Im Inland wurden acht Prozent weniger Bestellungen verbucht, aus  dem Ausland kamen insgesamt 14 Prozent weniger Aufträge. Auftragseingänge aus den Euro- Partnerländern büßten dabei fast ein Drittel ein, während der Rückgang aus Drittländern nur fünf Prozent betrug. In der Drei-Monats-Betrachtung (November 2015 bis Januar 2016) steht nun ein Plus von einem Prozent. Die Zugewinne der Vormonate wurden nahezu vollständig nivelliert. Die deutschen Maschinenexporte lagen im Dezember 2015 um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Insgesamt erreichten die Ausfuhren 2015 ein Plus von 2,6 Prozent (USA 11,2 Prozent, Eurozone 5,5 Prozent, China minus 5,9 Prozent).

Optimistischer gibt sich der Jahresauftakt beim Werkzeugmaschinenbau. Der Auftragseingang erreichte im Januar plus sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Treiber des Wachstums sind das Inlandsgeschäft (+10 Prozent) und die Bestellungen aus dem Nicht-Euroraum mit plus sieben Prozent. Einzig die Orders aus dem Euroraum gingen mit minus elf Prozent zurück. Das Auslandsgeschäft steht insgesamt bei vier Prozent Zuwachs.

Automobilindustrie

Der  deutsche Pkw-Inlandsmarkt startete vital ins neue Jahr. Der Auftragseingang wuchs im Februar um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, für die ersten beiden Monate des Jahres steht ein Plus von sechs Prozent zu Buche. Auch die Ausfuhren konnten gesteigert werden. Deutsche Hersteller exportierten im Februar fünf Prozent mehr Pkw.

Parallel zum Export stieg im Februar die Produktion: Sechs Prozent mehr Pkw rollten von den  Bändern als im Vergleichsmonat 2015. Das ist das höchste Produktionsniveau, das jemals im Februar erzielt wurde. In den ersten beiden Monaten des aktuellen Jahres wurden drei Prozent mehr Pkw produziert. Die drei großen ausländischen Automobilmärkte legten im Februar ein unterschiedliches Tempo vor. Während Westeuropa deutlich zweistellig wuchs (+14 Prozent gesamt, +27 Prozent Italien, +13 Prozent Frankreich, +13 Prozent Spanien, +8,0 Prozent UK) und der US-Light-Vehicle-Markt um knapp sieben Prozent zulegte, verlangsamte sich das Wachstum in China auf zwei Prozent.

Auf den kleineren Pkw-Märkte setzte sich der  Erholungsprozess ebenfalls fort (z. B. Irland +37 Prozent, Portugal +26 Prozent, Dänemark +22 Prozent). Griechenland (-32 Prozent) und die Niederlande (-15 Prozent) mussten zweistellige Einbußen gegenüber dem Vorjahresmonat  hinnehmen. In den ersten beiden Monaten wuchs der westeuropäische Markt insgesamt um knapp zehn Prozent. In den USA erreichte der Light-Vehicle-Markt im Februar ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat. Der chinesische Markt lag um knapp zwei Prozent über dem  Vorjahreslevel, seit Januar wuchsen die Pkw-Verkäufe um acht Prozent. In Russland und Brasilien musste der Absatz von Pkw seit Januar erneut Einbußen einstecken (-21 und -31 Prozent).

Erfüllt China die WTO-Kriterien?

Das bezweifelt der VDM sehr stark. Für den Verband käme der Marktwirtschaftsstatus für China zu früh. Nach den im Wesentlichen fünf Kriterien der Welthandelsorganisation (WTO) von 2001 dürfen Privatisierungsverfahren nicht staatlich verzerrt sein. Also kein staatlicher Regulierungseinfluss auf Unternehmen, das heißt Preiskontrollen oder Benachteiligungen in Steuerfragen. Internationale Rechnungslegungsstandards, Anliegerschutz, ein wirksames Insolvenzrecht sowie Verfahren zum Schutz des geistigen Eigentums und ein unabhängiger Finanzsektor müssen  ebenso gegeben sein. Und nicht zuletzt ein freier und fairer Wettbewerb. Wie Thomas Reuther im Pressegespräch an verschiedenen Beispielen verdeutlichte, sei dem nicht so: „China versucht, den Markt für Metalle zu beherrschen. Wir haben schon bei Magnesium gesehen, dass es kaum mehr eine westliche Produktion gibt.“

Das EU-Parlament beschäftigt derweil die Frage, wie die Europäische Union gegen unlautere Konkurrenz aus China vorgehen soll, wenn sich der Status in Bezug auf Handelsschutzuntersuchungen – wie im WTO-Beitrittsprotokoll vorgesehen – nach dem 11. Dezember 2016 möglicherweise ändert. Denn bekanntlich subventioniert die Volksrepublik ihre Unternehmen, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Doch lässt sich die chinesische Zentralregierung auf keine Diskussionen über staatliche Beihilfen ein und ermöglicht so niedrige Ausfuhrpreise, die nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt sind. „China denkt hier nicht betriebswirtschaftlich, sondern volkswirtschaftlich“, kommentierte Thomas Reuther. Die chinesische Wirtschaft muss sich langfristig auf niedrige Wachstumsraten einstellen. Und der Überschuss an chinesischen Produktionskapazitäten hat entsprechende Billigimporte in der EU zur Folge, die vor allem den EU-Stahlmarkt – und damit auch die Aluminium- und Kupferindustrie – in arge Bedrängnis bringen. Hunderttausende Arbeiter fürchten hier bereits um ihre Jobs. In der EU-Parlamentssitzung vom 9. Mai 2016 forderten viele Abgeordnete die EU-Kommission dazu auf, unverzüglich einen neuen Vorschlag mit Antidumping-Maßnahmen vorzulegen. „Wenn die Stahlindustrie in Europa verloren ginge, was wir jetzt nicht glauben, hätten wir ein riesiges Recyclingloch“, verwies Dieter Likuski auf potenzielle Folgen der Problematik.
Der falsche Weg

„Wer bar zahlt, hat was zu verbergen“, heißt es provokant in Werbeplakaten der schwedischen Regierung, wie sie überall im Land aufgestellt wurden. Bis zum Jahr 2030 soll die bargeldlose Gesellschaft spätestens realisiert sein. Und das Beispiel Schweden macht längst auch in anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in der Schweiz, Schule. In Deutschland wird bereits allgemein über eine Bargeld-Obergrenze sowie ein spezielles Bargeldverbot im Schrotthandel debattiert. Metalldiebstähle und andersgelagerte kriminelle Aktivitäten sollen darüber bekämpft werden (siehe auch EU-Recycling 03/2016, Seite 12 bis 13).

Für Ralf Schmitz, der zu diesem Thema des Pressegesprächs die Auffassung des VDM vertrat, eine Scheinlösung und ein Beispiel für staatlichen Aktionismus, hinter dem die Interessen von  Banken, aber auch der Kommunen stecken, die darüber die privatwirtschaftlichen Betriebe zu schwächen suchen. „Wir würden uns in eine orwellsche Abhängigkeit des Staates begeben“. Davon ist der VDM Hauptgeschäftsführer ebenso überzeugt wie davon, dass die unternehmerische Freiheit ausgehöhlt wird. Und zitierte in diesem Kontext Benjamin Franklin: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

Ein Bargeldverbot im Schrotthandel sei demnach der falsche Weg, zumal die Online-Kriminalität stetig zunehme und die Polizei diesem Problem nicht Herr werde. Bei einer Überweisung über eine ausländische Bank ließe sich der Empfänger nicht verfolgen. Ralf Schmitz: „Natürlich gibt es ein paar schwarze Schafe, aber zu fast hundert Prozent werden unsere Bargeschäfte legal abgewickelt, ordentlich verbucht und versteuert. Wenn man nur in der Branche das Bargeld abschafft und es sonst als Zahlungsmittel zulässt, kommt das einer Diskriminierung und Kriminalisierung der Branche gleich. Und Kriminelle halten sich nicht an Verbote, sie agieren ja ohnehin im verbotenen Bereich. Der Hehler wird immer versuchen, seine gestohlene Ware abzusetzen.“

Zertifizierungsverfahren für Metallhändler

Der VDM und die insgesamt 14 in der Sicherheitspartnerschaft gegen Metalldiebstahl (SIPAM) zusammengeschlossenen Unternehmen haben ein Zertifizierungsverfahren für Metallhändler entwickelt. Die Zertifizierung enthält den Angaben nach exakte Regeln für den Ankaufvorgang, die regelmäßig überprüft werden. Mitarbeiter bekommen spezielle Schulungen, um Diebesgut zu erkennen, den bestohlenen Unternehmen zuzuordnen und die Polizei zu informieren. Erleichtert wird das Erkennen von Diebesgut durch die Markierung mit sogenannter künstlicher DNA, einer mit bloßem Auge unsichtbaren Substanz, die die Unternehmen auf diebstahlgefährdete Metallteile aufbringen. Mit einem speziellen Verfahren können Metallhandel- und Recyclingunternehmen die künstliche DNA sichtbar machen und damit eindeutig zuordnen. Sämtliche Ankäufe müssen zudem nachvollziehbar dokumentiert werden; anonyme Ankäufe schließen sich bei zertifizierten Unternehmen aus. Ein auf dem Betriebsgelände angebrachtes Schild weist darauf hin, dass Metalldiebe gestohlene Ware dort nicht verkaufen können.

Die Zertifizierung der Unternehmen läuft seit Jahresbeginn, und etabliert wurde auch ein Frühwarnsystem, das grenzüberschreitend zum Einsatz kommen soll. Die Mitglieder tauschen hierüber Informationen aus. Aktionstage mit Unternehmen, Verbänden und Polizeibehörden klären regelmäßig über Metalldiebstähle auf und unterstützen die Bekämpfung. Zugleich haben die Unternehmen die Aktivitäten der Partnerschaft international ausgebaut. Eine Forderung des Verbandes Deutscher Metallhändler in diesem Zusammenhang: dass die Metall- und Schrotthändler sowie Reyclingberiebe Personalausweise oder ähnliche Dokumente scannen oder fotokopieren können. Nach europäischer Rechtslage verstößt das jedoch gegen den Datenschutz. Für Ralf Schmitz ist das nicht nachvollziehbar. So muss man zum Beispiel beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages in einem Handyshop seinen Ausweis vorlegen, der dann kopiert wird.

Foto: Marc Weigert

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