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Was die ZARE bewegt

Fragen an die Gründungspartner der Initiative der Zertifizierten Altreifenentsorger.

Seit April 2016 gehört mit der HRV GmbH ein weiteres Unternehmen der reaktivierten Initiative der Zertifizierten Altreifenentsorger (ZARE) im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) an, die nun in Deutschland und den Niederlanden 13 Mitglieder zählt. Firmen, die sich zertifizieren lassen wollen, müssen entsprechende technische Voraussetzungen erfüllen und die Entsorgungswege im Sinne des Umweltschutzes nachvollziehbar und transparent offenlegen. Es gilt das Anforderungsprofil des BRV.

Herr Danninger, erst kürzlich ließen Sie verlauten, die Altreifenentsorgung in Deutschland sei „aus dem Ruder gelaufen“. Wo liegt das Hauptproblem und welche Lösung kann es aus Ihrer Sicht geben?

Reinhard Danninger, Geschäftsführer Danninger OHG Spezialtransporte: „Das Hauptproblem liegt darin, dass der Altreifen nicht mehr nachweispflichtig ist. Durch die Grenzöffnung gen Osten sind sämtlichen Privatpersonen und Kleinhändlern Tür und Tor geöffnet worden. Mit Kombi und Klein-Lkw werden Tankstellen, Kfz-Werkstätten und Reifenhändler abgegrast und alle gebrauchsfähigen Reifen gegen geringe Gebühren oder auch zu null abgeholt. Diese Reifen werden dann im Ausland zu Geld gemacht. Ein Großteil dieser Geschäfte läuft ohne Rechnung ab. Den zertifizierten Altreifenentsorgern verbleiben nur noch Schrottreifen, die den Sortierbetrieben außer Kosten keinen Nutzen bringen. Somit ist der Handel mit Gebrauchtreifen durch deutsche Firmen deutlich zurückgegangen. An einer ordnungsgemäßen Altreifenentsorgung müssten alle Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsbehörden größtes Interesse haben. Die Lösung aller Probleme wäre die Wiedereinführung der Nachweispflicht für den „Abfall“ Altreifen, wodurch wieder alles in geordneten Bahnen verlaufen könnte.“

Quelle: ZARE [1]

Quelle: ZARE

Frau Schöberl, aus Ihrem Unternehmen kam die Initiative zur Wiederbelebung von ZARE. Was macht Sie zuversichtlich, dass die Arbeitsgemeinschaft diesmal etwas bewirken kann, nachdem der erste Versuch vor ein paar Jahren im Sande verlief?

Hanna Schöberl, Prokuristin Kurz Karkassenhandel GmbH: „Es ist heute viel wichtiger geworden, etwas zu bewegen. Da Reifen zurzeit nicht mehr überwachungspflichtig sind, ist es sehr schwer, die schwarzen Schafe herauszufiltern. Das passiert erst dann, wenn die Reifen in der Natur abgeladen werden. Glücklicherweise kann die Herkunft der Altreifen oft zurückverfolgt werden und der Schaden bleibt dann zumindest nicht an der Allgemeinheit hängen. Wir wollen mit ZARE aber unsere Kunden und die Autofahrer aufklären und somit vorsorgen. Bei der Neubelebung der Initiative tritt ein starkes Team an, das die gleiche Sprache spricht; und alle kämpfen dafür, dass die Altreifenentsorgung wieder nachhaltig  abläuft, denn aktuell verunsichern zu viele „fliegende Händler“ den Markt, die keineswegs nach den gesetzlichen Richtlinien entsorgen.“

Frau Günay, mit welchen konkreten Maßnahmen will ZARE dieses Ziel umsetzen?

Zeliha Günay, Geschäftsführerin Reifen Günay GmbH: „Wir werden präsent sein auf Fachmessen, intensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit leisten und uns auf politischer Ebene für Gesetzänderungen einsetzen. So sollten zum Beispiel Übernahmescheine eingeführt werden.“

Herr Draws, was versprechen Sie sich von Ihrer Mitarbeit bei ZARE – für die Altreifenentsorgung in Deutschland allgemein sowie für Ihr Unternehmen?

Manfred Draws, Geschäftsführer Reifen Draws GmbH: „Es gibt gravierende qualitative Unterschiede in der Entsorgung. Für den Kunden ist eine Bewertung und Unterscheidung schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Wir versprechen uns von unserer Mitarbeit, dass die Grundidee der branchenspezifischen Kriterien des BRV weiter verfolgt wird, nämlich durch Kompetenz, Qualität und Fachwissen einen hohen Standard in der Altreifenentsorgung zu erreichen und diesen für die Allgemeinheit transparent und nachvollziehbar darzustellen. Für die Branche erhoffen wir uns von ZARE Impulse und Innovationen für die zukünftige Arbeitsweise der Altreifenentsorger. Die gemeinsame, professionelle Arbeit einer Gemeinschaft dient der ganzen Branche. Als EMAS zertifiziertes Unternehmen hoffen wir, dass die Aufmerksamkeit in der Altreifenentsorgung auch wieder in Richtung Umweltschutz gelenkt wird.“

Beim BRV sind 33 zertifizierte Altreifenentsorger registriert, aber nur 13 davon gehören bis dato ZARE an. Mit welchen Argumenten, Herr Dede, würden Sie zertifizierte Branchenkollegen zu überzeugen versuchen, sich ebenfalls anzuschließen?

Osman Dede, Factory Manager CVS Reifen GmbH: „Die Argumente sind: Wahrnehmung und Förderung gemeinsamer Interessen in einem Netzwerk, gemeinsame Problemlösung-Findung darüber und Erfahrungsaustausch. ZARE steht für die Erhaltung der Umwelt, Schonung von Rohstoffen und umweltgerechtes Recycling. Die Mitglieder zeichnen sich durch einen hohen Qualitäts- und Qualifikationsstandard aus; sie sind verlässliche Partner in der Entsorgungsbranche. Wir wünschen uns einen starken Verband, der die Mitglieder in übergeordneten wirtschaftlichen Vereinigungen gegenüber Gesetzgebung und Verwaltung vertritt.“

Quelle: ZARE/BRV, www.brv-bonn.de [2]

Foto: O. Kürth

(EUR0616S24)