Wie eine Kehrtwende in Italiens Abfallwirtschaft funktionieren kann

Die norditalienische Stadt Parma stellte zwischen 2012 und 2015 ihr Entsorgungssystem um.

Noch im Jahr 2011 sammelten die 190.000 Einwohner ihre Abfälle vielfach über ein Bringsystem mit Straßenbehältern. Nur knapp ein Drittel der Abfälle wurden bei den Haushalten abgeholt; der Anteil der Abfalltrennung lag bei 49 Prozent. Die gesammelten organischen Küchenabfälle – pro Einwohner und Jahr rund 50 Kilogramm – enthielten einen Störstoffanteil von 8,3 Prozent. Das neue Modell konzentriert sich auf die getrennte Sammlung recycelbarer Abfälle und legt einen Schwerpunkt auf Küchenabfälle von Unternehmen und Haushalten. Seit September 2014 werden alle Verpackungs-, Küchen- und Restabfälle mit einem Holsystem bei den Haushalten abgeholt. Parma wurde Mitglied des Zero Waste Europe Network.

Für die Restabfälle führte die norditalienische Stadt Plastiksäcke in der zentralen, sogenannten „monumentalen“ Zone und stapelbare 40-Liter-Tonnen in den restlichen Sektoren ein. Tüten und Tonnen sind dabei mit passiven RFID-Transpondern versehen, die den Besitzer unverwechselbar identifizieren und keine voluminösen Gemeinschaftsbehälter notwendig machen. Ein Pay-as-you-throw-System gewährleistet hier eine verursacherbezogene Abfallgebühr. Da durch das neue Sammelsystem die Abschöpfung recycelbarer Abfälle anstieg, reduzierten sich die Siedlungsabfälle um sechs Prozent; die Getrennt-Sammelquote erhöhte sich von 49 Prozent auf 72 Prozent. Zur Vorsortierung und Trennung der Küchenabfälle wurde den Haushalten ein belüftetes 8-Liter-Vorsortiergefäß samt angemessener Anzahl von Biobeuteln aus kompostierbaren, biologisch abbaubaren Werkstoffen zur Verfügung gestellt. Für Einzelnutzer sind Sammelbehälter mit 23 bis 30 Litern Volumen vorgesehen, die zur Abholung vor die Tür gestellt werden. Mehrfamilienhäuser erhalten einen oder mehrere Container mit 120 Litern Fassungsvermögen. Die Leerung der Behälter wurde im Stadtkern auf dreimal pro Woche und in den übrigen Stadtteilen auf zweimal pro Woche gesteigert; bei Großerzeugern im Stadtkern erfolgt die Leerung bis zu sechsmal pro Woche. Eine visuelle Kontrolle der Behälter durch die Müllwerker soll Plastikverpackungen und Fehlwürfe aufdecken und mit „Nicht-Leerung“ geahndet werden.

Die Menge der erfassten Küchenabfälle stieg durch das neue System auf 83 Kilogramm pro Person und Jahr; hinzu kommen 99 Kilogramm an Grünschnitt aus Gärten und Parks. Damit erreicht die Sammlung von Küchen- und Grünabfällen rund 35 Prozent des gesamten Kommunalabfalls. Da durch die Umstellung der Störstoffanteil der Küchenabfälle auf 3,3 Prozent abgesenkt wurde, lassen sich diese Abfälle in einer Biogas- und Kompostanlage weiter verwerten.

Die Systemumstellung machte für Parma eine Verstärkung der Müllabfuhr-Mannschaften um 57 Prozent erforderlich, um Abfallsammlung und -transport zu bewältigen. Dennoch stiegen die Ausgaben nicht, da nun geringere Entsorgungskosten für Hausabfälle anfielen und höhere Einnahmen der Konsortien für Verpackungen entstanden. Die Kosten des Abfallmanagements wurden 2013 und 2014 den Angaben zufolge um 450.000 Euro und damit 1,3 Prozent reduziert. Die gesamten Abfallwirtschaftskosten der Stadt Parma liegen bei 185 Euro pro Einwohner und Jahr.

Das Abfallaufkommen pro Kopf und Jahr konnte von 556 Kilogramm  auf 523 Kilogramm gesenkt und die Rest­abfallmengen binnen zwei Jahren um 60 Prozent reduziert werden. Könnte bis Ende 2016 die Getrenntsammlung 72 Prozent der Frischmasse des Aufkommens betragen, wären damit bereits die Ziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakets für 2030 übertroffen. Eine Entwicklung, die auch die Bewohner von Parma gutheißen: Ihre allgemeine Zufriedenheit mit der Entsorgung beträgt einer Umfrage zufolge 85,9 Prozent; der neue Sammeldienst wird gut angenommen.

Der Artikel beruht auf einem Vortrag über „Erfahrungen mit der Einführung der Bioabfallerfassung und -verwertung in Parma“, in: Bio- und Sekundärstoffverwertung XI, hrsg. K. Wiemer, M. Kern und Th. Raussen, Witzenhausen 2016, ISBN 3-928673-72-6.

Foto: EU-R

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