„Freiraum für illegale Praktiken“

Jedes Jahr wird in Deutschland ein Großteil der knapp drei Millionen anfallenden Kühlgeräte unsachgemäß entsorgt, meldet die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Und mehr als die Hälfte der Geräte soll das klimaschädliche Gas Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) enthalten. Veraltete und unwirksame Entsorgungsvorschriften ließen den  Recyclingbetrieben „Freiraum für illegale Praktiken“. Gefordert wird, die europäische Entsorgungsnorm EN 50574 verbindlich festzulegen. „Dadurch kann die Belastung unseres Klimas mit einer Million Tonnen CO2 Äquivalenten gestoppt werden“, erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Wenn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bis 2020 die deutschen Klimaschutzziele erreichen will, dann muss sie sich endlich auch mit dem seit Jahren bekannten Notstand bei der Entsorgung von Kühlgeräten beschäftigen.

Die deutschen Regeln zum Kühlgeräterecycling gehören zu den schlechtesten in ganz Europa.“ In Deutschland werden den Erkenntnissen der DUH nach 63 Prozent der in Kühlschränken enthaltenen FCKW bei der Entsorgung zerstört. Anlagen in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und in Österreich würden dagegen 90 Prozent oder mehr der Treibhausgase aus alten Kühlgeräten entnehmen. Die Entsorger von Kühlgeräten sollten endlich und in Form von Stoffstrombilanzen zum Nachweis gezwungen werden, „was an FCKW-haltigen Geräten in die Anlagen reingeht und wie viel FCKW aus den Kühlschränken und -truhen tatsächlich rausgeholt wird“. Nur dann könnten die Behörden beurteilen, „ob ein Entsorger betrügt oder nicht“. In der Entsorgungsnorm EN 50574 sind Stoffstrombilanzen verbindlich festgelegt. Laut DUH haben die im Kühlmittel und der Isolierung enthaltenen FCKW eines Kühlschranks ein Treibhauspotenzial von 2,8 Tonnen CO2. Das würde dem CO2-Ausstoß eines Mittelklasse-Fahrzeugs in einem Jahr bei 15.000 Kilometer Fahrleistung entsprechen.

Foto: Dr. Jürgen Kroll

(EUR0716S3)