Demontage von LCD-Bildschirmen mittels Robotertechnik

Erdwich Zerkleinerungssysteme GmbH hat eine Anlage entwickelt, die bis zu 45 Geräte pro Stunde auffräst und zerlegt.

Im Jahr 2016 fallen in Deutschland voraussichtlich drei Millionen quecksilberhaltige LCD-Bildschirme als gefährliche Abfälle (Sammelgruppe 3/Elektrogesetz) zur Verwertung an. Geeignete automatisierte Verfahren gibt es bislang nicht: Die aus bis zu sieben Schichten bestehenden Geräte werden per Hand auseinander genommen. „Dabei müssen bis zu 30 Schrauben entfernt werden“, weiß Vertriebs- und Marketingleiter Harald Erdwich aus Erfahrung.

„Je nach Aufbau des Bildschirmes und Art der Hintergrundbeleuchtung dauert die Zerlegung durch geschultes Personal zwischen acht und 20 Minuten.“ Erdwich Zerkleinerungssysteme GmbH hat eine Anlagentechnik entwickelt, die mittels Kamerasystem und Roboter bis zu 55 Zoll große LCD-Bildschirme automatisch und unter sicheren Bedingungen auffräst und zerlegt. Quecksilber (auch in der Hintergrundbeleuchtung), Metallverbindungen (Indium-Zinn-Oxid) sowie Kunststoffe können einfach und umweltschonend entnommen werden, verspricht der Maschinenhersteller.

Je nach Art des Bildschirmes bestehen LCD-Geräte aus bis zu sieben Schichten (Abb.: Erdwich Zerkleinerungssysteme)

Je nach Art des Bildschirmes bestehen LCD-Geräte aus bis zu sieben Schichten (Abb.: Erdwich Zerkleinerungssysteme)

In vier Prozessschritten

Zunächst werden die einzelnen Bildschirme auf ein Förderband aufgegeben und in einen geschlossenen Verarbeitungsraum transportiert, wo sie in die Prozessposition geschoben werden. Ein Roboter mit vier verschiedenen Arretierungsarmen zentriert jedes Gerät und hebt es anschließend in die Endposition für den Bearbeitungsprozess. Hier vermisst ein Gelenk­armroboter die Konturen des Bildschirmglases mittels Kamerasystem. Sobald die Koordinaten berechnet wurden, fräst der Roboter das komplette Gehäuse auf. Dabei anfallende Späne werden über ein Filtersystem abgesaugt. Nach jedem Fräsvorgang werden die Werkzeuge per Kameratechnik auf mögliche Brüche geprüft. Außerdem prüfen die Kameras den Verschleißgrad der Fräser. Bei Bedarf weist das System darauf hin, die Geräte auszutauschen. Im dritten Schritt werden in einer  Unterdruckkammer die Schichten, mehrlagige Polarisationsfolie und Streuscheibe entnommen. Zum Schluss erfolgt die Entfernung der Hintergrundbeleuchtung. „Für die quecksilberhaltigen Gasentladungslampen steht hier direkt in der Kammer ein geschlossener Entsorgungsbehälter bereit“, erläutert Erdwich den Ablauf. „Gleichzeitig wird die entstehende Abluft kontrolliert abgesaugt und über eine Quecksilber-Filtertechnik aufgefangen, wo das schädliche Metall in ungiftiges Sulfid umgewandelt wird.“ Zuletzt wird der Bildschirm ausgefördert, und kann in einer nachgeschalteten Anlage weiter aufbereitet werden. Das Indium-Zinn-Oxid etwa, das in der Leiterplattenproduktion verwendet wird, befindet sich auf zwei dünnen Glasscheiben in Leiterbahnen. Erdwich bietet außerdem ein Monitorsägesystem für LCD-Monitore bis 25 Zoll an.

www.erdwich.com

(EUR0716S40)