VDI-Umfrage: Wie soll die Abfallwirtschaft 2030 aussehen?

Was bewegt die deutschen Kommunen heute und in Zukunft? So lautete eine Umfrage im Rahmen der VDI-Initiative „Stadt:Denken“. Mehr als elftausend  Gemeinden sollten Auskünfte über ihre Schwerpunkt­themen heute und im Jahr 2030 geben; 850 (Ober-)Bürgermeister – 10,2 Prozent – beantworteten den Online-Frage­bogen. Die Ergebnisse zeigen unter anderem bei Ressourceneffizienz und Abfallwirtschaft, wo die Kommunen der Schuh drückt.

Was Ressourceneffizienz betrifft, sind über die Hälfte der Befragten (58,3 Prozent) der Meinung, dass nur kostenlose oder finanziell geförderte Beratungsangebote zur Verbesserung der Ressourceneffizienz in Anspruch genommen werden. Außerdem fehlen nach Ansicht von 39,1 Prozent spezielle Beratungsangebote in Kommunen, zumal sich nur 26,9 Prozent der Befragten über den Zusammenhang von Ressourcen-, Energieeffizienz und Klimaschutz hinreichend informiert fühlen. Überhaupt gilt für 54,4 Prozent Ressourceneffizienz als neues Thema, dem lokal noch wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde; für 18,0 Prozent der Städte und Gemeinden ist es ohnehin „eher kein Thema“. Allerdings waren in einem anderen Zusammenhang über zwei Drittel der befragten)Bürgermeister (69,8 Prozent) davon überzeugt, dass Ressourceneffizienz beim Neubau und bei der Sanierung von Gebäuden eine sehr wichtige Rolle spielt.

Zu derartigen Fragen beschäftigen ohnehin lediglich 12,5 Prozent der befragten Kommunen hauptamtliche Mitarbeiter, wobei die Zustimmungen zwischen 4,0 Prozent bei kleinen Gemeinden und 42,1 Prozent bei Mittelstädten ab 50.000 Einwohnern differieren. Um den Ist-Zustand zu verbessern, sehen die Kommunen Potenzial in der Unterstützung durch Fachberatungen und Agenturen, stellen einen umfassenden Beratungsbedarf in den Kommunen fest und halten umfassende Förderprogramme für Ressourceneffizienz in den Kommunen für nötig.

Im Bereich Abfallwirtschaft sind sich 77,3 Prozent der befragten Gemeinde- oder Stadtoberhäupter sicher, dass die Sammelmengen für Wertstoffe steigen werden. Dabei prognostizieren 47,6 Prozent eine Steigerung der Bioabfallmengen und 25,9 Prozent eine Zunahme der Restmüllmargen. Eine veränderte Zusammensetzung des Hausmülls – bedingt durch demografischen Wandel oder durch Zuwanderung – erwarten mit 48,8 Prozent knapp die Hälfte der Kommunen. 59,8 Prozent halten eine transparente finanzielle Beteiligung der Bürger an den Abfall-Entgelten (etwa durch ein Bonus/Malus-System) für grundsätzlich sinnvoll. 52,7 Prozent der befragten Kommunen halten jedoch auch deutliche technische Entwicklungen für nötig, die das Sammelsystem für Abfälle vereinfachen.

Bei fast allen Aussagen konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Kommunen-Gruppen mit unterschiedlicher Einwohnerzahl festgestellt werden – bis auf die Schätzungen zu Restabfall-Mengen: Deren Steigerung vermuten 30,4 Prozent der kleinen Gemeinden, 25,5 Prozent der Kommunen zwischen 3.000 und 10.000 Einwohnern und immerhin noch ein Fünftel der Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 10.000 und 50.000. Bürgermeister von Mittelstädten ab 50.000 stimmen dem nur zu zehn Prozent zu. Auf die Frage „Was wollen Sie bis zum Jahr 2030 im Bereich ‚Abfallwirtschaft‘ in Ihrer Kommune vor allem erreicht haben?“ fielen die Anworten deutlich aus. Neben der Absicht, Wertstoffe noch stärker aus der Müllcharge zu holen und die Nutzer besser zu sensibilisieren, wurden Forderungen nach einem vereinfachten Sammelsystem, transparenteren Regelungen und der Abschaffung des gelben Sacks geäußert. Das kurzgefasste Fazit der Studie: Ressourceneffizienz gilt als Synonym für Klimaschutz und Energieeffizienz und wird als relevant wahrgenommen, hat sich aber als Thema im Bewusstsein der Kommunen noch nicht durchgesetzt. Im Bereich Abfallwirtschaft sollten zukünftig stärkere Bürgerintegration und weitere technische Lösungen auf die Agenda.

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Bild: VDI

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