Arbeitsschutz heißt: Aufpassen und die richtige Kleidung tragen!

Es ist schnell passiert: Einen kurzen Moment am Materialband nicht aufgepasst, und eine scharfe Kante hat sich in den Finger geschnitten. Eine Bordsteinkante über­sehen, und der Müllwerker hat sich den Fuss verstaucht. Im Labor ein Reagenzglas mit Säure verschüttet, und die Haut muss ärztlich behandelt werden. Wer nur mal eben schnell im Büro auf einen Stuhl steigt, um eine Glühbirne zu wechseln, kann ebenso schnell damit umkippen und sich etwas brechen. Wie leicht fällt in der MVA ein Schraubenzieher herunter und könnte Stockwerke tiefer jemanden verletzen. 

Jemand, der tagtäglich in unmittelbarer Nähe einer lärmenden Maschine arbeitet, merkt nach Jahren, dass das seinem Gehör geschadet hat. Und jeder Sicherheitsingenieur verbietet Fotos, auf denen ein Schweißer ohne Schutzhelm und Gesichtsschutz abgebildet ist.

1989 verabschiedete der Rat der Europäischen Gemeinschaft die sogenannte Rahmenrichtlinie für Arbeitsschutz, der in Deutschland 1996 das „Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG)“ folgte. Sein Ziel: Die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Arbeit zu verbessern. Darin wird der Arbeitgeber verpflichtet, „die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.“

Um das umzusetzen, bedarf es in der Praxis einer breiten Palette an Maßnahmen. Die bei Vorkehrungen für Brandschutz, der Verhinderung von Säureaustritten und eine funktionstüchtige Belüftung beginnt, sich über Bediensicherheit von Maschinen, geeignete Schutzkleidung und Aufklärung über Gefahrenpotenziale fortsetzt, vor dem Schutz vor kurzfristiger und chronischer Beeinträchtigung der Gesundheit nicht halt macht und bei besonderer Berücksichtigung von Müttern und Jugendlichen noch nicht endet. In Deutschland wird der Arbeitsschutz in einem dualen System überwacht: einerseits durch Aufsichtsbehörden, Struktur- und Genehmigungsdirektionen, diverse staatliche und Landes-Ämter für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik und die Gewerbeaufsichtsämter,  zum anderen durch die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung, insbesondere die gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Als Bundesbehörde ist auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) tätig.

Die alltäglichen Entscheidungen zum Arbeitsschutz unterliegen aber noch anderen Kriterien, darunter Lieferbarkeit, Eignung, Qualität und Kosten. Herstellung, Lieferung und Einbau einer Umluftanlage für eine neue Halle darf keine Monate dauern, um den Betrieb nicht zu blockieren. Ein Asbest-Schutzanzug ist für den Umgang mit Gefahrgut nicht nur unangebracht, sondern im schlimmsten Fall auch unpraktisch. Dass man – insbesondere im Bereich Arbeitsschutz – an der Qualität nicht sparen sollte, liegt auf der Hand. Dass der Unternehmer dabei auf den Preis schaut, kann ihm niemand verdenken; doch sollte darunter die Qualität der Schutzmaßnahme nicht leiden, sonst könnten juristische Folgen drohen. Wandel in der Gesetzgebung machen die Aufgabe, einen funktionalen betrieblichen Arbeitsschutz zu installieren, nicht leichter. So wurde vor rund einem Jahr – um weltweit die einheitliche Kennzeichnung von Gefahrstoffen zu harmonisieren – auch in Deutschland das Global harmonisierte System (GHS) eingeführt. Um die einheitlichen Kriterien für die Risikobewertung umzusetzen, wurden alle Gefahrstoffe neu bewertet und oftmals im Vergleich zum alten System als gefährlicher eingestuft. Für Unternehmen bedeutete dies, dass Dokumente, Vorschriften, Risikobewertungen sowie Gefahrstoff-Symbole bis zum 31. Mai 2015 angepasst werden mussten.

Kostenfreie Checklisten zu den verschiedensten Bereich des Arbeitsschutzes wie Ladungssicherung, Lagern, Lärm und Leitern bietet die Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Mainz unter  www.bghm.de/arbeitsschuetzer/praxishilfen/checklisten. Das Unternehmer-Handbuch „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Entsorgungswirtschaft“ der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik bietet einen Überblick über Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe, Gefahrstoffe, neue Sortierverfahren sowie über die häufigsten Ursachen für Arbeitsunfälle. Es kann unter http://bghw.vur.jedermann.de/?alias=bghw_hb_b12hb53_1_ eingesehen werden.

Foto: pixabay

(EUR0816S20)