Schrottmarktbericht: Viele Fragezeichen!

Im Berichtsmonat August agierten die Verbraucher uneinheitlich. Obwohl einige wegen der Ferien nicht im Markt waren, berichtete der Handel vor allem von einer guten Nachfrage nach Altschrott. Nicht alle Verbraucher konnten sich mit den gewünschten Mengen eindecken. So reichte die Preisgestaltung bei ostdeutschen Verbrauchern von unverändert über drei bis neun Euro pro Tonne zum Teil nicht für eine zufriedenstellende Versorgung aus.

Aus den grenznahen Gebieten in Polen und Tschechien waren nur Kontaktmengen zu bekommen, weil die inländischen Verbraucher wegen niedriger Lagervorräte und einer relativ guten Betonstahlnachfrage versuchten, die Schrottmengen im Inland zu behalten.  Sie erhöhten laut Informationen aus Marktkreisen ihre Einkaufspreise für die inländischen Lieferanten schrittweise um bis zu 25 Euro pro Tonne. Die norddeutschen Werke haben ihre Einkaufspreise Anfang August um fünf Euro pro Tonne gegenüber Juli angehoben. Dieses Angebot traf auf eine deutlich verminderte Verkaufsfreudigkeit bei den Anbietern. Der westdeutsche Markt zeichnete sich durch einen marginalen Schrottbedarf aus, während beispielsweise die Absatzmöglichkeiten in Südwestdeutschland als erfreulich hoch beschrieben wurden. Im Durchschnitt lagen die Preiserhöhungen bundesweit bei vier bis zehn Euro pro Tonne.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Der Handel berichtete, die ferienbedingt rückläufigen Mengeneingänge an Alt- und Neuschrotten seien direkt an die Verbraucher durchgehandelt worden. Werke, die versucht haben, Lagerbestände aufzubauen, sind dabei auf die im August traditionell gedämpfte Lieferbereitschaft des Handels gestoßen. Verkaufte, aber dann erst im kommenden Monat lieferbare Mengen verbessern das Vertrauensverhältnis in den Geschäftsbeziehungen nicht.

Nachbarländer

In Italien nutzten die Werke den August für die üblichen Sommerstillstände. Entsprechend überschaubar war der Zukaufbedarf der Werke. Die Verbraucher, die versucht haben ihre Bestände für die Septemberproduktion aufzufüllen, taten dies entweder zu gegenüber dem Vormonat unveränderten oder leicht erhöhten Preisen. Der Bedarf im September hängt stark davon ab, welche Baustahlmengen die algerische Regierung bereit ist, ins Land zu lassen. In der kommenden Woche soll über die Neuvergabe der Importlizenzen entschieden werden. Der Verbraucher in Luxemburg hatte wegen der Werksferien einen um 50 Prozent reduzierten Bedarf, er erhöhte dennoch die Einkaufspreise um fünf  bis acht Euro pro Tonne.  In den Niederlanden zahlten die Exporteure je nach Sorte 15 bis 20 Euro pro Tonne frei Lager höhere Preise als im Vormonat, da im August noch einige verkaufte Tiefseeladungen zusammengestellt werden mussten. In der Schweiz haben die Verbraucher die Preise gegenüber den inländischen Lieferanten unverändert gelassen. Für August gab es wegen der Werksferien kaum Bedarf an Importmengen.

Gießereien

Bundesweit berichtete der Handel von einem sehr geringen Bedarf der Gießereien. Die üblichen dreiwöchigen Stillstandszeiten verlängerten einige Produzenten mangels Aufträgen um weitere ein bis zwei Wochen. Bei den an keinen Index gebundenen Gießereien lagen die Einkaufspreise für Schrott – bei einer Spannbreite von unverändert bis zu zehn Euro pro Tonne – höher als im Juli. Während der Preis für russisches manganarmes Roheisen im August unverändert geblieben ist, hat der Preis für brasilianisches Roheisen nachgegeben. Im September wird die Preisrichtung sicherlich klarer erkennbar werden, wobei die Verbraucher auf sinkende Preise hoffen.

Verhaltene Zukäufe

Die türkische Zukaufmenge aus Europa hat für die Lieferungen im August ungefähr auf dem Vormonatsniveau gelegen, dennoch ist es den türkischen Werken gelungen, die Preise relativ konstant zu halten. Bei den Zukäufen für September sind die Einkäufer bisher noch sehr zurückhaltend. Hauptgrund ist die unterschiedliche Preiserwartung bei Verbrauchern und Lieferanten. Während die Lieferanten wegen der hohen Nachfrage steigende Preise verlangen, haben die Hersteller nicht zuletzt durch die politischen Unruhen im eigenen Land und im Nahen Osten Absatzprobleme. Welche Seite das Nervenspiel für sich entscheiden kann, bleibt abzuwarten. Unabhängig von den nicht absehbaren Folgen, die der Putschversuch in der Türkei für die türkische Stahlindustrie haben könnte, haben die türkischen Stahlproduzenten in diesem Jahr einen erfreulich hohen Schrottbedarf.

Quelle: bvse

Quelle: bvse

Wie die Grafik deutlich macht, konnten die türkischen Werke ihre Produktion im ersten Halbjahr 2016 – im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres – um 3,2 Prozent auf 16,5 Millionen Tonnen erhöhen. Gleichzeitig steigerten sie die Schrottimporte um 8,3 Prozent auf 9,2 Millionen Tonnen. Die europäischen Lieferanten hatten in diesem Zeitraum einen Anteil an den gesamten Schrottimporten von 57,5 Prozent – gegenüber 52,6 Prozent im ersten Halbjahr des Vorjahres. Die EU bleibt damit der wichtigste Lieferant für die türkischen Werke. Festhalten lässt sich allerdings, dass die Verbraucher in diesem Jahr zwischen den einzelnen Lieferländern stärker diversifiziert haben. Das bedeutet, der Schrottbedarf türkischer Werke beeinflusst in noch mehr Ländern den Schrottmarkt.
Schlussbemerkungen

Für den kommenden Monat sehen weite Teile des Handels unveränderte bis leicht steigende Preise. Sicherlich haben die Verbraucher im September, wenn sie alle wieder auf einem normalen Niveau produzieren, einen höheren Schrottbedarf. Die Werke bezeichnen die Auftragslage größtenteils als zufriedenstellend, wenn auch die Erzielungspreise für den Fertigstahl weiter hinter den Erwartungen zurückbleiben und ausreichende Margen kaum erwirtschaftet werden können.

Viele Fragen bleiben vorerst unbeantwortet, so zum Beispiel die Frage, ob der bisher hohe Bedarf türkischer Werke in einem saisonbedingt ruhigen Markt der Grund für den Aufwärtstrend ist? Oder hat sich möglicherweise die Auftragslage der Werke verbessert? Haben die Reaktionen marktpolitische Gründe, weil es für die Hersteller leichter ist, Preiserhöhungen für ihre Produkte durchzusetzen, wenn die Schrottpreise in die gleiche Richtung laufen? Haben die Werke, die für September vom Handel traditionell erwarteten Preissteigerungen bereits vorweggenommen? Es wird interessant sein zu beobachten, wie das Verhalten der vielen Akteure im September die weitere Marktentwicklung beeinflusst.

Redaktionsschluss 22.08.2016, BG-J/bvse

Foto: O. Kürth

(EUR0916S234)

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