Keine chemischen Abfälle mehr in der Schweizer Sondermülldeponie Bonfol

Am 29. August wurde die letzte Tonne ausgehoben. Bis zum endgültigen Abschluss der Sanierung sind aber noch einige Arbeiten zu erledigen.

Zuständig für die Sanierung der Sondermülldeponie Bonfol ist die bci Betriebs-AG im Auftrag der Unternehmen der Basler Chemischen Industrie (BCI). In den vergangenen fünf Jahren wurden 202.200 Tonnen chemische Mischabfälle ausgehoben und zur Verbrennung ins Ausland transportiert. Diese Zahl schließt nicht nur die chemischen Abfälle ein, die zwischen 1961 und 1976 in Bonfol deponiert wurden, sondern auch Bodenmaterial wie Ton, das nicht von den Abfällen getrennt  werden konnte und deshalb mit in die Verbrennung durch Spezialöfen ging. Gleichzeitig wurden 6.000 Tonnen verunreinigtes Tonmaterial vom Deponiedeckel und aus dem Deponiesaum zur thermischen Bodenbehandlung in die Niederlande transportiert. Rund 78.000 Tonnen leicht verunreinigtes Erdreich wurden in schweizerischen Zementwerken entsorgt.

Foto: bci Betriebs-AG

Foto: bci Betriebs-AG

Kontrolle der Sanierungsziele

Mit dem Aushub der chemischen Abfälle, der am 29. August seinen Abschluss fand, haben die chemischen Risiken  –  insbesondere die einer Explosion oder eines Brands – stark abgenommen, meldet die bci Betriebs-AG. Ein Restbestand von 4.000 Tonnen chemischen Abfalls, der bereits analysiert und für den Transport vorbereitet wurde, sowie 4.000 Tonnen kontaminiertes Bodenmaterial wurden in den Tagen darauf einer sachgerechten Entsorgung zugeführt. Der tönerne Deponiesaum im Norden der Grube – durch den Kontakt mit den Abfällen und durch das Sickerwasser verunreinigt – wurde bereits zu großen Teilen gereinigt.  Die noch zu kontrollierende Oberfläche wird nun beprobt und wo nötig abgetragen, bis die  von den Behörden vorgegebenen Grenzwerte erreicht sind. Sobald die Behörden die Erfüllung der Kriterien der schweizerischen Altlastenverordnung (AltlV) bestätigt haben, wird die Betriebs-AG mit der teilweisen Wiederverfüllung der Nordseite der Grube beginnen.

Daneben gilt es, Sandeinschlüsse im Ton – sogenannte Sandlinsen – zu untersuchen. Diese  weisen eine Verunreinigung auf. Das Vorkommen einer Sandlinse im Norden der Grube ist seit den 1990er-Jahren bekannt. Bis heute konnte keine Kontamination des   Grundwassers und des Oberflächenwassers, ausgehend von den Sandlinsen, festgestellt  werden. Mit den Behörden wurde vereinbart, die Sandlinsen erst nach Abschluss der Aushubarbeiten zu untersuchen. Seit Anfang 2016 wird laufend festgestellt, ob von den Sandlinsen noch ein Umweltrisiko ausgeht. Sollten die Untersuchungen zum geplanten Zeitpunkt der Wiederverfüllung noch nicht abgeschlossen sein, werden die betroffenen Bereiche zugänglich bleiben müssen.

Foto: bci Betriebs-AG

Foto: bci Betriebs-AG

Dekontaminieren, demontieren, neu gestalten

Die Dekontaminationsarbeiten der Oberflächen und der Geräte, die im Kontakt mit den Abfällen standen, sollendemnächst in der Aushubhalle beginnen. Messungen der  Luftqualität werden durchgeführt, um festzustellen, zu welchem Zeitpunkt sich die speziellen Sicherheitsmaßnahmen aufheben lassen, ohne dass ein Risiko für Mensch und Umwelt besteht. Wenn die Aushubhalle nicht mehr unter Unterdruck steht, könnten unangenehme Gerüche auftreten. Dies sei allerdings weniger wahrscheinlich als beim Hallenverschub im Jahr 2013, so die bci Betriebs-AG.

Die Hauptarbeiten zu Dekontamination und Abbau der Infrastruktur sollen bis Ende  2017 abgeschlossen sein. In Übereinstimmung mit dem kantonalen Sondernutzungsplan will die bci Betriebs-AG nach der Wiederverfüllung bis 2019 über 15 Hektar Gelände wiederaufforsten. Mit dem Verein Escale Bonfol ist ein Projekt zur Aufwertung des Gebiets geplant. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Sondermülldeponie Bonfol werden sich inklusive der Sanierungsnachsorge auf 380 Millionen Schweizer Franken belaufen. Nach der Altlastenverordnung und den Anforderungen des jurassischen Amtes für Umwelt wird die Überwachung des Grundwassers und der Oberflächengewässer mindestens für die nächsten zehn Jahre fortgeführt.

Die Sondermülldeponie Bonfol enthielt über 98 Prozent Abfälle aus der chemischen Produktion, die offen und als  Mischmaterial abgelagert wurden. Für die Phase des Aushubs seit April 2015 mussten spezielle Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. So ereignete sich am 7. Juli 2010 eine lokale  Explosion bei der Reinigung des kontaminierten Tonbodens, was die Sanierungsarbeiten für zehn Monate zum Stillstand brachte. In dieser Zeit wurden die Ursachen der Explosion geklärt, Reparaturen vorgenommen und das Sicherheitskonzept angepasst. Nach der Wiederaufnahme der Arbeiten im Mai 2011 erreichte die geförderte Menge wieder die vorgesehenen 800 Tonnen pro Woche. 2013 mussten die Arbeiten erneut unterbrochen werden, um die Aushubhalle vom bereits sanierten Südteil der Deponie auf die Nordseite zu verschieben.

Foto: bci Betriebs-AG

(EUR1016S24)

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