Herbstbelebung verpufft

Für den Berichtsmonat September bezeichnete der befragte Handel seine Verkaufspreise als weitgehend unverändert. Je nach Werk, Sorte und Preisbasis im Vormonat reichte die Preisspanne für die von den Werken gezahlten Einkaufspreise von einem leichten Aufschlag über unverändert bis hin zu Abzügen von zwei bis fünf Euro pro Tonne frei Werk. Die noch von einigen Verbrauchern am Monatsanfang beabsichtigte, deutlichere Preisreduzierung hatte sich schnell in Luft aufgelöst.

Teilweise gelang es den Käufern jedoch noch vorhandene Spitzen abzubauen. Der Bedarf der für den Schrotthandel vom Verbrauch her interessanten Elektrostahlwerke war bei den nachfragenden Werken normal. Preisentscheidend war für den Handel der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Wer bereits frühzeitig, das heißt bis Anfang September seine Mengen platzieren konnte, profitierte von eher unveränderten Preisen. Im Laufe des Monats wurde der Markt weicher. Die seit der Monatsmitte gegenüber dem Monatsanfang zunehmende Lieferbereitschaft des Handels machte die Hoffnungen einiger Händler auf doch noch steigende Preise zunichte.

Regional gab es leicht unterschiedliche Preisentwicklungen. In Ostdeutschland reichte die Spanne der Einkaufspreise von einer Reduzierung um drei Euro pro Tonne über unveränderte Preise bis zu einer leichten Erhöhung im Bereich von 1,50 Euro pro Tonne. Im Norden und Nordwesten mussten Reduzierungen von drei bis fünf Euro pro Tonne akzeptiert werden, und für Lieferungen an Abnehmer im Süden und Südwesten Deutschlands waren leicht höhere Preise, überwiegend jedoch unveränderte bis leicht negative Preise zu erzielen. Im Westen blieb der Zukaufbedarf vom Handel verschwindend gering. Einerseits wird der Handel verstärkt durch den direkten Zugriff auf Entfallstellen umgangen, und andererseits ist der Bedarf tatsächlich geringer, weil zum Beispiel HKM bis Dezember einen seiner Hochöfen zustellt und die Zukaufmenge an Schrott daher um über die Hälfte reduziert.

Nachbarländer

Vom Marktgeschehen in Italien hatten Marktteilnehmer den Eindruck, dass sowohl die Nachfrage als auch die Produktion nach der Sommerpause keineswegs ein normales Niveau erreicht hat. Die Werke waren gut mit Schrott bevorratet und haben weitere Mengen zu weitgehend unveränderten Preisen eingekauft. Technische Probleme bei einigen Werken haben die Kaufbereitschaft letztendlich reduziert. Aus Marktkreisen verlautete, kein Werk habe es eilig, die Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten zu beenden, da erst im Oktober bekannt sein wird, welche lizenzierten Mengen an Algerien geliefert werden können. Zahlreiche italienische Hersteller sind von diesen Bestellungen abhängig. In Frankreich sind die Preise bei normalem Bedarf unverändert geblieben. In Belgien gab es leichte Reduzierungen bei geringen Absatzmöglichkeiten. In den Niederlanden reduzierten die Verbraucher angesichts der Abschwächung der Tiefseepreise die Notierungen um fünf bis zehn Euro pro Tonne. Der luxemburgische Verbraucher hat bei einem zufriedenstellenden Bedarf zu unveränderten Preisen eingekauft. Polnische Schrottverbraucher senkten die Einkaufspreise um fünf bis acht Euro pro Tonne, sodass der Schrottzufluss in Richtung Deutschland wieder ein normales Niveau erreichte. Zum Ende der Sommerferien meldete die Schweiz einen normalen Bedarf. Die Werke erhöhten die Preise im August und September um insgesamt zehn Euro pro Tonne.

Gießereien

Leichte Preiskorrekturen haben die an keinen Index gebundenen Gießereien vorgenommen. Die Beschäftigungslage ist abhängig vom Produktionsprogramm und daher extrem unterschiedlich. Bisher lagen die Bestellmengen von Gießereien, die Vorprodukte für die Automobilindustrie liefern, immer noch auf einem zufriedenstellenden Niveau. Mittlerweile spricht der Handel jedoch von zum Teil reduzierten Bestellmengen. Die Roheisenpreise sind im Berichtsmonat fester geworden. Insbesondere russische Hersteller versuchen auf Grund der gestiegenen Erz- und vor allen Dingen Kokspreise höhere Preise durchzusetzen.

Türkischer Preispoker

Die türkischen Verbraucher haben die Verkaufsrunde für ihre Zukäufe im Oktober eingeleitet. Ihr erklärtes Ziel die Schrottpreise zu reduzieren, haben sie erreicht. Noch Anfang September lag der Preis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) bei rund 225 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei. Seit dem Augustmarktbericht haben türkische Werke laut Informationen der internationalen Fachpresse auf dem Kontinent lediglich vier Ladungen von etwa 150.000 Tonnen Schrott gekauft. Der letzte Abschluss erfolgte am 8. September mit einem deutschen Exporteur. Türkische Kaufinteressenten drängen seit Anfang September auf ein Preisniveau von 210 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei für die Sorte HMS 1/2 (80:20). Mit jedem Zukauf – ob im Baltikum, dem Vereinigten Königreich, den USA oder Kanada – ist es ihnen schrittweise gelungen, das Preisniveau in Höhe von rund 225 US-Dollar pro Tonne für die vorgenannte Exportsorte zu senken. Nach den letzten Meldungen scheinen sie ihr Ziel mit Zukäufen aus Nordamerika erreicht zu haben. Möglicherweise markiert dieser Preis noch nicht die Untergrenze. Die Einkaufspolitik der türkischen Verbraucher und deren Einfluss auf die Inlandsmärkte ihrer Zulieferer bleiben daher äußerst spannend. Der steigende Schrottimportbedarf der indischen Verbraucher hat in den vergangenen vier Wochen zu einer Preiserhöhung für Shredderschrott in Containern von fünf US-Dollar pro Tonne CFR Nhava Sheva geführt. Laut Informationen aus Handelskreisen haben sich auch die Exportmöglichkeiten in Richtung Marokko verbessert.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Schlussbemerkungen

Wohin sich die Preise im kommenden Monat bewegen werden, hängt zum großen Teil davon ab, wie „erfolgreich“ die türkischen Verbraucher ihre Preisvorstellungen im Markt durchsetzen können. Nicht zu vernachlässigen ist zudem die Entwicklung in Deutschland und den Nachbarländern. Da die Wirtschaftsvereinigung Stahl die Rohstahlproduktion bis zum Jahresende als relativ stabil einschätzt und davon ausgeht, dass der Ausstoß vom vergangenen Jahr in Höhe von 42,7 Millionen Tonnen in diesem Jahr mit 42,5 Millionen Tonnen nur leicht unterschritten wird, dürfte der zu erwartende Schrottverbrauch auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Der Schrotthandel weist immer wieder auf das verringerte Altschrottaufkommen hin. So machen zur Zeit die deutlich gestiegenen Verbrennungspreise für Abfälle zur Beseitigung Abbrüche unattraktiv. Da die zu erzielenden Metallschrott-Erlöse die gestiegenen Entsorgungskosten kaum noch decken, werden solche Projekte verstärkt auf unbestimmte Zeit verschoben. Auf der Neuschrottseite zeigen die aktuellen Wirtschaftsdaten, dass es beispielsweise im deutschen Maschinenbau immer noch nicht rund läuft. Der vom Handel im Berichtsmonat festgestellte verringerte Späneentfall ist dafür ein deutliches Zeichen. Wie sich der Schrottbedarf tatsächlich entwickelt, hängt stark von der Auftragslage der Elektrostahlwerke ab. Sie produzierten im ersten Halbjahr gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres gut zwei Prozent beziehungsweise 177.000 Tonnen weniger. Die Auftragslage scheint jedoch je nach Produktionsprogramm zumindest für den kommenden Monat positiv zu sein.

Redaktionsschluss 21.09.2016, BG-J/bvse (Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: pixabay

(EUR1016S26)

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