Herausforderungen in Zeiten des Umbruchs

Neuwahlen, die Beschäftigung mit aktuellen und künftigen Anforderungen sowie Nachhaltigkeit waren die zentralen Themen während der Jahrestagung des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V., die der Branchenverband vom 21. bis 23. September in Bremen abhielt.

Die Neuwahl des Präsidiums stand unter dem Aspekt Kontinuität: An der Verbandsspitze steht nach wie vor Bernhard Reiling. Auch Björn Becker als vertretungsberechtigter Vizepräsident und Hans Willy Fahnenbruck als Schatzmeister wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Daneben wurden in dem Gremium lediglich vier Positionen neu besetzt. Da Reinhold Schmidt nicht mehr kandidierte, wählten die Verbandsmitglieder Werner Steingaß zu seinem Nachfolger; er vertritt nun den Fachverband Papierrecycling im bvse-Vorstand. Martin Dinier fungiert als neuer Verbands-Vizepräsident für den Fachverband Akten- und Datenträgervernichtung. Martin Wittmann  (Fachverband Textilrecycling) und Sebastian Will (Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling) wurden ebenfalls als neue Vertreter ihrer Fachbereiche in das Präsidium entsandt.

Komplettiert wird das Präsidium durch den Vizepräsidenten Herbert Snell für den Fachverband Kunststoffrecycling, Matthias Einsele für den Fachverband Ersatzbrennstoffe, Altholz und Biogene Abfälle, Jürgen Weber für den Fachverband Mineralik – Recycling und Verwertung sowie Bernd Brockmann für den Fachverband Sonderabfallwirtschaft. Im bvse-Fachverband Glasrecycling stand ebenfalls eine Wahl an: Neuer Vorsitzender ist Marc Uphoff.

Breite Themenpalette in den Fachverbänden

Nach drei Amtsperioden (sechs Jahren) als Vorsitzender des Fachverbandes Papierrecycling hatte Reinhold Schmidt angekündigt, nicht weiter für das Amt zu kandidieren. „Die Entscheidung fiel nicht leicht”, so Schmidt. Wie der Verband hervorhob, vertrat er die Mitglieder des bvse „mit Herzblut“ auch auf dem internationalen Parkett. Im Jahr 2013 wurde Schmidt zum Präsidenten der Fachsparte Altpapier im Bureau of International Recycling (BIR) gewählt, „wo er sich vor allem der Aufgabe verschrieb, den Stellenwert der Altpapierwirtschaft weltweit auszubauen und künstlichen Barrieren gegenüber dem freien und fairen Handel von Altpapier entgegenzuwirken“.

Laut Andreas Otto und bvse-Justiziarin Miryam Denz-Hedlund sind gerade im Bereich der europäischen Abfallverbringung sogenannter grün gelisteter Abfälle, zu denen auch Altpapier gehört, noch viele Hürden zu nehmen. Nach dem Bericht des bvse ist es möglich, dass bereits das „unkorrekte“ Ausfüllen der im Annex VII im Feld 1 anzugebende „die Verbringung veranlassende Person“ für Unternehmen zum Fallstrick wird und zum Stopp des Abfalltransports oder gar zu hohen Bußgeldern führen kann. In Bezug auf die Frage, ob die Person, die die Verbringung veranlasst, ihren Sitz im Versandstaat haben muss, gibt es bundesweit unterschiedliche Sichtweisen der Behörden, „die teilweise in erster Linie wohl darauf ausgerichtet sind, praktische Zugriffsprobleme zu vermeiden“. Eine Firma könne durchaus einen Transport organisieren, ohne die Verbringung veranlassende Person zu sein, erklärten der Praktiker und die Juristin.

Bernhard Reiling: Der bvse wird sich auch in Zukunft für  höhere Recyclingquoten einsetzen (Foto: bvse)

Bernhard Reiling: Der bvse wird sich auch in Zukunft für
höhere Recyclingquoten einsetzen (Foto: bvse)

Um auf europäischer Ebene Qualitätssekundärrohstoffe zu erzeugen, die mit Primärrohstoffen konkurrieren und diese ersetzen können, müssen auch verlässliche Messmethoden gefunden werden, die festgelegte Qualitätsparameter sicher identifizieren. „Derzeit ist die Arbeitsgruppe CEN/TC-172 WG 2 der Europäischen Normierungsstelle dabei, Standards zur qualitativen Prüfung von Altpapier zu entwickeln, die genaue Messergebnisse für die gesicherte und objektive Einschätzung von Altpapierqualitäten liefern können”, berichtete der ERPA-Delegierte und das bvse-Vorstandsmitglied im Fachverband Papier, Andreas Uriel. Hauptanliegen sei, die Erfüllung der Qualitätsanforderungen der EN 643 des angebotenen oder gelieferten Altpapiers zu überprüfen und Abweichungen zu quantifizieren. Grundlegende Bedeutung komme dabei der Festlegung von Spezifikationen sowohl für die maschinelle als auch manuelle Probenahme zu. „Eine wichtige und zugleich problematische Herausforderung, besonders für manuelle Auswertungsmethoden, ist hierbei die ‚zufällige‘ Auswahl der Muster”, so Uriel. Denn bereits bei der ersten Inaugenscheinnahme könne eine bewusste oder unbewusste Beeinflussung der Auswahl durch die probenehmende Person nicht ausgeschlossen werden. „Hierzu reichen bereits augenscheinliche Indizien wie etwa ein Stückchen Kunststofffolie, die zufällig aus einem Ballen herausragt, aus”, erläuterte Uriel das Problem.

Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeitsgruppe bildet die Bestimmung der Zusammensetzung von Altpapier im Hinblick auf die Vorgaben der EN 643. Geplant sei, bis Ende Oktober einen Entwurf für den Standard „Sampling” bei CEN zur Prüfung in den nationalen Normungsgremien abzugeben, so Uriel, der die Veröffentlichung erster Normierungsergebnisse zum nächsten bvse-Altpapiertag im März 2017 erwartet. Im bvse-Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling stellte sich Klaus Müller nach vierjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl. Als politischer Vordenker hatte er gleichermaßen die Themen des Elektro(nik)-Recyclings als auch der NE- und Fe-Metallrecycler in den Vordergrund gerückt. Ein Schwerpunkt seiner Amtszeit bildete nach dem Verbandsbericht die Begleitung der Novelle zum ElektroG II, das am 25. Oktober 2015 in Kraft trat.

„Durch verschiedene gesetzliche Initiativen sowie aktuelle Qualitätsoffensiven befindet sich das Elektronik-Altgeräterecycling im Umbruch. Für die Branche ist es umso wichtiger, diesen Prozess aktiv mitzugestalten. Als Fachverbandsvorsitzender möchte ich meine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Altgeräten einbringen und gemeinsam mit den Gremien des bvse an Lösungen aktueller Probleme arbeiten,“ so Müllers Nachfolger Bernhard Jehle, der nun gemeinsam mit seinem wiedergewählten Stellvertreter Sebastian Will den Fachverband leiten wird.

Es steht schon jetzt fest, dass sich der Fachverband Glasrecycling künftig mit mehreren Themen auseinandersetzen muss. Nach dem bvse-Bericht bleiben die Glasrecyclingfirmen, die in der Vergangenheit mit hohem unternehmerischen Risiko in moderne Aufbereitungstechnik (beispielsweise zur Ausschleusung von Fremdstoffen) investiert haben, trotz guter Erfolge hinsichtlich der Scherbenqualität weiter unter Druck. Dies bestätigten auch die anwesenden Vertreter der Ardagh Group, Burkhard Dreier und Hans Hilkes, die sich in der zur führenden europäischen Glasindustrie gehörenden Unternehmensgruppe maßgeblich auch mit der Qualitätssicherung beschäftigen. „Wir sind auf einem guten Weg – die Qualität hat sich in den letzten zehn Jahren durch Investitionen und gute Zusammenarbeit erheblich verbessert. Dennoch sind die aus Deutschland erhältlichen Scherben, die in der Glasindustrie auch im Hinblick auf Umweltschutz und Energieeffizienz gerne in der Produktion eingesetzt werden, in der Qualität immer noch sehr unterschiedlich. Die Glasindus­trie benötigt spezifikationsgerechte Scherbenqualität, um beispielsweise störende Einschlüsse, die Glasbrüche in der Flaschenproduktion verursachen können und potenzielle Risiken für den Endverbraucher bergen, auszuschließen. Um Qualität und Einsatzmöglichkeiten zu verbessern, sind daher gemeinsame strukturierte Ansätze, ein gutes Qualitäts- und Kontrollmanagement und ein permanenter Dialog entlang der ganzen Lieferkette notwendig, werden die Glasexperten zitiert.

Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich: Thermische Behandlungskapazitäten  werden knapp und teuer bleiben (Foto: bvse)

Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich: Thermische Behandlungskapazitäten
werden knapp und teuer bleiben (Foto: bvse)

Eine große Herausforderung für die Glasaufbereiter stellt den Angaben zufolge auch das steigende Bruchglasaufkommen durch häufige Glasumschläge mit entsprechend stärkerer Zersplitterung der Scherben an den Zwischenlagern dar. Diese seien vor allem den Umschlags- und Ausschreibungspraktiken der federführenden Dualen Systeme geschuldet, die unter anderem in extremer Weise die Zuordnung der Sammelware aus den verschiedenen Sammelgebieten für die Aufbereitungsanlagen nach strenger Farbdifferenzierung festlegten. Auch finde die von Aufbereiterseite vorgeschlagene Begrenzung des Schüttgewichts auf maximal 450 Kilogramm pro Gefäß in den Ausschreibungsunterlagen der Dualen Systeme nach wie vor keine Beachtung. In der Folge hätten die Glasrecycler mit immer kleiner werdenden Korngrößen zu kämpfen, die die Sortierbarkeit in den Aufbereitungsanlagen erschweren und wiederum neue hohe Investitionen in entsprechende Technologien erfordern. Dies schlage sich dann letztendlich auch in höheren Aufbereitungskosten nieder, klagen die Recycler.

Neben der Aufbereitung von Hohl- und Flachglas stellt sich für die Branchenunternehmen zukünftig auch die Frage nach der Aufbereitung ausgedienter Solarmodule. Obwohl durchschnittlich bis zu 80 Prozent aus Glas bestehend, fällt die Aufbereitung der PV-Module unter das Regime der WEEE2/ElektroG2 und stellt damit potenzielle Interessenten für die Aufbereitung dieses Materialstroms vor neue Herausforderungen, beschreibt der bvse die Situation. Durch zusätzlich entstehenden Zertifizierungsaufwand und Anpassung an europäische Standards sei das Feld der Wettbewerber in dieser Sparte zurzeit noch sehr überschaubar, wusste Ullrich Didszun, Country Manager des führenden europäischen Rücknahmesystems für Solarmodule, PV Cycle Deutschland, zu berichten. Derzeit seien sowohl Erfassung und Entsorgung als auch Produkteinstufung und nicht zuletzt auch die Finanzierung der Rücknahme in den einzelnen europäischen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich organisiert, so Didszun. Mit der aktuellen Technologie seien Materialanteile zwischen 80 bis 85 Prozent zwar gut recycelbar – für die übrigen 15 bis 20 Prozent würden zwar Recyclingtechnologien entwickelt, eine Umsetzung im industriellen Maßstab fehle allerdings noch. Zurzeit bestehe für die deutschen Aufbereiter noch die Problematik, dass einem relativ hohen Organisationsaufwand relativ wenig Material entgegenstünde, so der Experte.

Weitere Themen bei der bvse-Jahrestagung waren der Entsorgungsengpass bei HBCD-haltigen Dämmplatten sowie die hohen Importe an Verbrennungsabfällen, die dazu führen, dass dem Mittelstand der Zugang zu Verbrennungskapazitäten für nicht mehr recycelbare Abfälle erschwert und teilweise verwehrt wird.

Emmanuel Katrakis erläuterte, wie eine marktorientierte Kreislaufwirtschaft realisiert werden könnte (Foto: bvse)

Emmanuel Katrakis erläuterte, wie eine marktorientierte Kreislaufwirtschaft realisiert werden könnte (Foto: bvse)

Ziel: Mehr Nachhaltigkeit

Angesichts der Probleme, mit denen die Branche zu kämpfen hat, ging es im öffentlichen Teil der Jahrestagung um Nachhaltigkeit. Laut Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich werden auch künftig thermische Behandlungskapazitäten knapp und teuer bleiben. Zu dieser Prognose kommt der ehemalige Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen, weil er davon ausgeht, dass neue Stoffströme (unter anderem Klärschlämme und Materialien aus dem Deponierückbau) in den Entsorgungs- und Verbrennungsmarkt gelangen werden als Folge der Energie- und Rohstoffwende. In seinem Vortrag über die Stellung der Sekundärrohstoffe und Entsorgungssicherheit in diesem Zusammenhang  betonte der Experte, die Effizienzfortschritte seien zunichte gemacht worden durch den Rebound-Effekt (Mehrverbrauch an Energie und Rohstoffen). Es gebe deshalb keine Entkoppelung  von Wachstum und Ressourcenverbrauch, denn die bisherigen Anstrengungen hätten nicht ausgereicht.

Die von Faulstich prognostizierten Auswirkungen dieser Situation auf die Energie- und Abfallwirtschaft können drastische Formen annehmen. So müssen seiner Ansicht nach – um eine Trendumkehr zu bewirken – alle energetisch genutzten Felder (Strom, Wärme, Industrie, Verkehr) bis 2050 auf regenerative Energie umgestellt werden. Dies bedeutet nach dem Szenario auch den Ausstieg aus der Kohleverstromung, was den Wegfall von den Nebenprodukten wie Gips (aus der Rauchgasentschwefelung) und Schlacken sowie der Möglichkeit von Mitverbrennung nach sich ziehen würde. Auch der weitgehende Ausstieg aus der energetischen Öl- und Gasnutzung hätte Folgen, vor allem für den Kunststoffsektor.

Das Recycling solle sich auf wirklich endliche Ressourcen wie Metalle, Seltene Erden und Phosphor begrenzen, so Faulstich. Außerdem müssten die Schadstoffkreisläufe für Organika und Stickstoff unterbrochen werden (Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammentsorgung), wodurch sich der Bedarf an thermischer Behandlung erhöhe; Schätzungen zufolge könnte mittelfristig eine zusätzliche Menge von jährlich bis zu 1,3 Millionen Tonnen Trockensubstanz aus diesem Bereich erwartet werden. Nach der Prognose werden im Laufe der Zeit auch neue Abfallströme in den Entsorgungs- und Verbrennungsmarkt drängen; laut Faulstich wird das unter anderem für importierte Abfälle ebenso gelten wie für Abfälle, die mit persistenten organischen Schadstoffen (POP: persistent organic pollutants) belastet sind.

Sollte das von dem Experten geschilderte Szenarium Wirklichkeit werden, sind mittelfristig Veränderungen zu erwarten. Zwar sollen Abfallverbrennungsanlagen in den nächsten 20 bis 30 Jahren Systemdienstleistungen (Grundlast, Frequenzhaltung, Versorgungswiederaufbau) für die Energiewende erbringen, aber neu gebaute Anlagen werden seiner Ansicht nach vorzugsweise Wärme erzeugen, da Verstromung und Kraft-Wärme-Kopplung nach der Voraussage künftig zurückgehen werden. In diesem Zusammenhang riet er den Unternehmen der Recyclingwirtschaft, selbst Entsorgungssicherheit zu schaffen und eigene Kapazitäten zur thermischen Behandlung aufzubauen; dies ließe sich beispielsweise durch Kooperationen von mehreren Unternehmen realisieren. Mit Blick auf den Recyclingbereich schlug er vor, stofflich nicht verwertbare Materialien gar nicht erst zu sammeln und das Metallrecycling zu forcieren. In einer nachhaltigen Industriegesellschaft könnten sich hochwertiges Recycling und hochwertige thermische Abfallbehandlung gut ergänzen, betonte Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich.

Marktorientierte Kreislaufwirtschaft

Aus Position der Recyclingbefürworter gibt es noch ein erhebliches Potenzial für die Recycling- und Kreislaufwirtschaft in Europa, zumal etwa 500 Millionen Tonnen an Wertstoffen, die aus Abfällen gewonnen werden könnten, deponiert oder verbrannt werden. Emmanuel Katrakis, Generalsekretär des Verbandes EuRIC, der Dachorganisation der europäischen Recyclingindustrie, gab Ein- und Ausblicke zum geplanten EU-Kreislaufwirtschaftspaket. Danach sollen künftig die Recyclingquoten für Siedlungsabfälle erhöht werden auf 60 Prozent (bis 2025) und 65 Prozent (bis 2030). Im Verpackungsbereich werden ebenfalls höhere Verwertungsquoten angestrebt. Gleichzeitig soll es ein Deponierungsverbot für separat gesammelte Abfälle geben. Für EuRIC besteht die Lösung in einer marktorientierten Kreislaufwirtschaft, und es existieren auch schon konkrete Vorstellungen. Durch die Gesetzgebung werde der Grundstock gelegt, während sich die Recyclingfähigkeit von Produkten durch „Ecodesign“ und entsprechende Abgaben (wie Entsorgungsgebühren) verbessern ließe. Die Märkte für Recyclingmaterialien könnten unter anderem durch ein grünes Beschaffungswesen sowie steuerliche Vergünstigungen im Hinblick auf den Einsatz von Recyclingmaterialien angekurbelt werden, so Emmanuel Katrakis. In Frankreich solle beispielsweise in der öffentlichen Beschaffung der Anteil an Recyclingpapieren 40 Prozent im Jahr 2020 betragen.

TV-Moderator Dirk Steffens referierte über den „Living Planet Report” und forderte, alle Kreisläufe zu schließen (Foto: bvse)

TV-Moderator Dirk Steffens referierte über den „Living Planet Report” und forderte, alle Kreisläufe zu schließen (Foto: bvse)

Klimaschutz und Artenvielfalt

Der TV-Journalist Dirk Steffens erläuterte auf der Jahrestagung des bvse den Zusammenhang von Klimaschutz und Artenvielfalt. Anders als bei der Klimaerwärmung, die sich nicht mehr verhindern, sondern höchstens noch begrenzen lasse, sieht er eine echte Chance, dass die Menschheit diese Herausforderung meistern kann. Der Erhalt der Artenvielfalt sei auch im ureigensten Interesse der Menschheit, denn in unserer global vernetzten Welt spielten der Schutz von Ökosystemen sowie geschlossene Kreisläufe für die Deckung des Rohstoffs- und Nahrungsmittelbedarfs eine überlebenswichtige Rolle.

Dabei komme es auf die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für den Schutz der Umwelt und einen vernünftigen Umgang mit der begrenzten Biokapazität der Erde und ihrer Ressourcen an. Dies betonte der von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zum offiziellen UN-Dekade-Botschafter für biologische Vielfalt berufene Journalist in seinem Vortrag. Der durchschnittliche Ressourcenverbrauch der Menschheit liege Berechnungen zum ökologischen Fußabdruck zufolge bereits heute so hoch, dass 1,5 Planeten Erde benötigt würden, um den Ressourcenbedarf weltweit dauerhaft zu decken. „Es ist also höchste Zeit, unser Verhalten zu ändern und Kreisläufe wieder zu schließen, um mindestens zum Faktor 1 zurückzukehren“, lautete die Aufforderung des Wissenschaftsjournalisten.

Brigitte Weber

Foto: bvse

(EUR1116S6)

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