Schrottmarktbericht – Die Aussichten: freundlicher

Wie im Vormonat konnten die Abnehmer auch im Berichtsmonat Oktober die angedachten Preisreduzierungen von 20 Euro pro Tonne im Markt nicht durchsetzen. Der für den Handel überraschend hohe Bedarf der Werke und die zunehmende Abnahmebereitschaft türkischer Stahlwerke bei einem gleichzeitig verminderten Schrotteingang zu den Lagern stärkte schrittweise die Position des Handels. Je länger sich die Verhandlungen hinzogen, desto weniger Bestand hatten die Vorstellungen einzelner Werke.

Letztendlich kristallisierte sich ein deutliches Nord-Süd-Preisgefälle heraus. Während im Südwesten Lieferanten während eines kurzen Zeitfensters am Monatsanfang einen Abschlag bis zu 18 Euro pro Tonne akzeptierten, lagen die Abschläge im Norden und Nordwesten je nach Werk und Sorte bei null bis zehn Euro pro Tonne, im Osten bei fünf bis 10 Euro pro Tonne, im Westen bei bis zu fünf Euro pro Tonne, und im Süden und Südwesten waren sie mit schließlich zehn bis 15 Euro pro Tonne am deutlichsten. Die Marktentwicklung ließ die Lieferanten zum Teil recht zögerlich agieren, sodass sich wohl überwiegend die Verbraucher mit den gewünschten Mengen eindecken konnten, die marktgerechte Preise zahlten. Werke und Abnehmer, die per Schiff über den Rhein beliefert werden, leiden unter dem niedrigen Pegelstand. Dies gilt ebenso für die Donau. Durch die Kleinwasserregelung konnten die Schiffe bis zum Redaktionsschluss lediglich mit der Hälfte der normalen Menge beladen werden. Dadurch verzögert sich der Schrottzulauf zu den Käufern; abgesehen davon steigen die Frachtkosten erheblich.

Nachbarländer

Um durchschnittlich 15 Euro pro Tonne reduzierten die italienischen Stahlwerke nach zähen Verhandlungen ihre Einkaufspreise; wie auch in Deutschland waren die Abschläge bei den Spänen geringer. Die von den Werken ursprünglich gewünschten Preisreduzierzungen um 20 Euro pro Tonne waren im Markt nicht durchsetzbar. Marktteilnehmer berichteten, dass der Schrottbedarf der Werke auf einem relativ niedrigen Niveau gelegen habe. Grund dafür sind die immer noch ungeklärten staatlichen algerischen Lizenzmengenregelungen für die Stahlimporte. Algerien ist ein sehr wichtiger Abnehmer italienischer Stähle, sodass die Auftragslage entsprechend schwach ist. Die italienischen Baustahlhersteller versuchen stattdessen, verstärkt auf andere Märkte auszuweichen. So bieten sie ihre Stähle in Deutschland zu sehr günstigen Konditionen an und verschärfen den ohnehin schon hohen Preisdruck. Allerdings übersteigen die Preiszugeständnisse bei den Fertigstählen die durchsetzbaren Reduzierungen bei den Schrottpreisen. In der Schweiz konnten die Werke mit Abschlägen in Höhe von zehn bis 15 Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonat ihren Bedarf eindecken, obwohl die im Laufe des Berichtsmonats zunehmende Zurückhaltung des Handels spürbar war. Letztendlich konnten auch die Verbraucher in der Schweiz ihre ursprünglichen Preisvorstellungen nicht durchdrücken.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Der Verbraucher in Luxemburg senkte seine Einkaufspreise je nach Sorte um sieben bis zehn Euro pro Tonne bei guter Nachfrage. Technische Probleme belasteten die Produktionsmenge und damit den Schrottverbrauch. Die niederländischen Verbraucher reduzierten ihre Einkaufspreise am Monatsanfang um zehn bis 15 Euro pro Tonne. Die im Laufe des Monats freundlicheren Exportpreise führten zu einer Umkehr und steigenden Preisen bei nachverhandelten Mengen. Allerdings lag das niederländische Preisniveau unter dem in Deutschland. Französische Verbraucher stellten sich Preisreduzierungen von bis zu 20 Euro pro Tonne vor, wobei insbesondere deutsche Lieferanten zu den angebotenen Konditionen kaum Lieferinteresse zeigten. In Belgien lagen die Abschläge bei vier bis zehn Euro pro Tonne. In Großbritannien einigten sich die Marktteilnehmer auf einen Abschlag von durchschnittlich fünf Euro pro Tonne. Die Lieferanten erwarten für November Preiserhöhungen im Bereich von elf bis 17 Euro pro Tonne. Harte Verhandlungen sind vorprogrammiert. Da die polnischen Verbraucher ihre Einkaufspreise im Durchschnitt um sieben Euro pro Tonne senkten, mussten die ostdeutschen Werke attraktivere Konditionen bieten, um mithalten zu können. Die Abschläge lagen bei bis zu fünf Euro pro Tonne. Das Interesse an Lieferungen nach Deutschland war von polnischer und auch von tschechischer Seite her begrenzt.

Gießereien

Gießereien, mit denen die Anbieter die Preise frei aushandelt, kauften den Schrott in einer Preisspanne von unverändert beziehungsweise mit Abschlägen bis zu zehn Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonatsniveau. Am Monatsanfang war die Nachfrage zufriedenstellend, aber im Laufe des Monats hat sich die Auftragslage der Hersteller zum Teil verschlechtert. Der Handel berichtete von einem je nach Region plötzlich sehr unterschiedlichen Bedarf mit zum Teil schleppenden Abrufen. Betroffene Gießereien arbeiten bereits kurz oder haben Kurzarbeit angemeldet. Problematisch ist für viele Händler die nur geringe Differenz zwischen den gezahlten Preisen der stahlwerks- und der gießereifähigen Sorte E2, wie Marktteilnehmer berichteten. Belastend kommt hinzu, dass der Kampf um die Absatzmöglichkeiten intensiver wird. Die Roheisenhersteller versuchen, höhere Preise durchzusetzen, und argumentieren mit ihren gestiegenen Rohstoffkosten für Erz und vor allem Kokskohle. Der gegenüber dem Dollar schwächer gewordene Euro verschärft die Lage für die Gießereien.

Türkischer Kaufmonat

Die türkischen Verbraucher haben im monatlichen bvse-Berichtszeitraum nach Auswertung der internationalen Fachpresse über 40 Ladungen Schrott im Tiefseemarkt gekauft. Diese Menge dürfte bei rund 1,3 Millionen Tonnen liegen. Trotz des permanenten und verstärkten Kaufinteresses türkischer Werke sind die Preise im Tiefseemarkt im vorgenannten Zeitraum jedoch nur um lediglich 15 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Hart umkämpft war der Preis von 225 US-Dollar pro Tonne CFR für die Sorte HMS 1/2 (80:20). Seit der 42. Kalenderwoche scheint bei diesem Niveau die Preisuntergrenze zu liegen. Der Zukauf chinesischer Knüppel ist seit dem Frühjahr wegen der stark gestiegenen Preise in China wirtschaftlich uninteressant geworden. In den ersten neun Monaten dieses Jahres steigerten die türkischen Stahlwerke ihre Rohstahlproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent. Von Januar bis August 2016 sind die Schrott­importe im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 4,6 Prozent gestiegen. Die türkischen Werke scheinen an chinesische Stahlanbieter verlorengegangene Marktanteile vor allem im Nahen Osten und in Afrika zurückerobern zu können. Für den diesjährigen Schrottbedarf der türkischen Werke stimmt diese Entwicklung positiv und sollte zumindest für stabile Preise sorgen. Der Schrotthandel äußerte sich zudem zuversichtlich über die Exportmöglichkeiten in Richtung Indien und Bangladesch. Insbesondere im deutschen Markt werden verschiedene Schrottsorten von indischen Verbrauchern zu akzeptablen Konditionen nachgefragt.

Schlussbemerkungen

Einschätzungen des Handels hinsichtlich der Preisentwicklung für den kommenden Monat erfolgten zögerlich. Ab Redaktionsschluss verbleiben bis November noch zehn Tage. Die für die Marktentwicklung zu berücksichtigenden Einflussfaktoren sind so zahlreich und zudem unsicher, dass heute getroffene Aussagen morgen überholt sein können. Einig sind sich die Marktteilnehmer in ihrer Einschätzung, fallende Preise nicht in Betracht zu ziehen. Viele Marktteilnehmer erwarten Preise auf Septemberniveau, was sich im Laufe des Monats bereits angedeutet hat; euphorisch gestimmte Marktteilnehmer erwarten mehr. Übereinstimmend sorgen sich Lieferanten und Abnehmer um das geringe Aufkommen an schwerem Altschrott. Die Nachfrage nach dieser Sorte sowie nach Spänen war im Berichtsmonat geringer als das Angebot. Nach wie vor spürt der Schrotthandel keinen von der Politik immer wieder beschriebenen wirtschaftlichen Aufschwung. Hängt das damit zusammen, dass der Schrott und damit die Stahlindustrie ihre Lokomotivfunktion für die Wirtschaft verloren haben?

Wichtige Einflussfaktoren wie die Währungsparitäten, die Frachten, die Absatzmöglichkeiten für türkische Fertigprodukte sowie die wirtschaftliche Entwicklung in China oder die in einigen Ländern mehr als nur bedenklichen politischen Entwicklungen sind nicht vorhersehbar. Auf der anderen Seite gibt es klare Signale für einen sich erholenden Schrottmarkt, mit einer zu erwartenden stabilen Nachfrage zumindest bis zum Jahresende. Weltweit steigen die Preise für Fertigstähle und insbesondere für Erz und Kokskohle. Jüngst mussten laut Fachpresse europäische Verbraucher für australische Kokskohle rund 190 US-Dollar pro Tonne CIF Rotterdam bezahlen. In der Folge werden auch integrierte Hüttenwerke ihren Schrotteinsatz zulasten des Roheisen erhöhen.

Redaktionsschluss 21.10.2016, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: pixabay

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