Erweiterte Anwendungsmöglichkeiten für Recyclingbaustoffe

Österreich veröffentlichte die Novelle zur Recycling-Baustoffverordnung. Recyclingbaustoffe können nun ohne Einschränkung auch in sensiblen Bereichen eingesetzt werden.

„Recyclingbaustoffe sind nunmehr in weiten Bereichen den Primärbaustoffen gleichgestellt und bieten damit eine kostengünstige Alternative“, freut sich Martin Car, Geschäftsführer des Österreichischen Baustoff-Recycling Verbandes (BRV) über das Erreichte. Die Novelle ermöglicht nunmehr die Verwertung von Recyclingbaustoffen und erweitert hier die Anwendungsgebiete: vom Einsatz im Grundwasser bis hin zum Deponiebau. Ohne Zustimmung der Wasserrechtsbehörde können Recyclingbaustoffen sogar in Trinkwasserschongebieten oder im Grundwasser-Schwankungsbereich eingesetzt werden.

Vereinfachte Schadstofferkundung

Für Bauherren vereinfacht die Novelle die Schadstofferkundung: War bei praktisch jedem Bauwerk eine Schad-/Störstofferkundung durch einen Spezialisten – der rückbaukundigen Person – erforderlich, so sind nunmehr alle Einfamilienbauten sowie Linienbauten wie Straßen, Zufahrtswege, Abwasserkanäle und Verkehrsflächen von dieser Regelung befreit; erst (Hoch-)Bauten ab einem Baurestmassenanfall von über 750 Tonnen unterliegen der Schad-/Störstofferkundung.

Darüber hinaus können Hausbauer mineralische Baurestmassen wieder vor Ort als Baustoff einsetzen. „Damit hat man praktisch die langjährig gut eingespielte Baurestmassen-Trennverordnung wieder eingeführt: Bei jeder Abbruchbaustelle sind wieder Asphalt, mineralische Baurestmassen, Holz, Kunststoffe, Metalle voneinander zu trennen – und dies ohne Mengenschwelle, das heißt schon bei jedem Badezimmerumbau, wenn dies wirtschaftlich vertretbar ist. Erreicht werden soll damit, dass das Abbruchmaterial möglichst sortenrein zum Recyclingbetrieb gelangt“, erläutert Car.

Keine chemische Analyse unter 750 Tonnen

Bei Abbruchmaterialmengen von weniger als 750 Tonnen sind chemischen Analysen nicht länger erforderlich – es kann alternativ die Schadstofffreiheit festgestellt werden. Sollten die Baurestmassen bautechnisch als Baustoff eingesetzt werden, müssen die bautechnischen Prüfungen zur Erlangung der Leistungserklärung erfolgen: Bautechnisch muss durch eine Prüfanstalt bestätigt werden, dass das Material entspricht. Dann darf es gleich vor Ort eingesetzt werden.

In der Praxis wird sich dies lediglich bei größeren Mengen rentieren und damit die Regelung als solches eher selten zur Anwendung kommen, so der BRV. Dennoch würden sich für den privaten Hausbauer Vorteile ergeben: Ohne Schadstofferkundung und ohne weitergehender Dokumentation können nun Abbruchmaterialien sogar von einem Zweifamilienhaus an einen Recyclingbetrieb geliefert werden.

Grenzwerte praxisgerechter gestaltet

Auch die Grenzwerte wurden praxisgerechter gestaltet: Mehr Recyclingbaustoffe dürfen der besten Umweltqualität U-A zugeordnet werden, und eine Besserstellung für den zweitbesten Bereich U-B ist ebenfalls erreicht worden. Anders als Primärbaustoffe müssen Recyclingbaustoffe bei stationären Aufbereitungsanlagen vor dem Verkauf aber wochenlang gelagert werden.

Bei der „Kleinmengenregelung“ sieht der BRV noch Aufklärungsbedarf. Martin Car: „Der Novellentext verleitet bei Klein- und Mittelbaustellen dazu, Abbruchmassen ungeprüft zu vergraben – zum Schaden des Grundbesitzers“. Sollte eine notwendige bautechnische Untersuchung für dieses Material fehlen, ist jede Tonne mit einem Beitrag von 9,20 Euro (Altlastenbeitrag) an das Finanzamt abzuführen. Dies kann bei einem Einfamilienhausbau, bei dem beispielsweise 400 Tonnen Baurestmassen als Tragschicht für den Zufahrtsweg verwendet werden, rund 4.000 Euro Zusatzkosten bedeuten.“ Eine einfache bautechnische Analyse würde hingegen nicht einmal ein Viertel kosten und Rechtssicherheit bringen.

Foto: O. Kürth

(EUR1216S11)