Herausforderungen zwingen zum Handeln

Die mittelständische Schrottwirtschaft müsse eine aktivere Rolle übernehmen, hieß es beim 11. Forum Schrott, das der bvse-Fachverband Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling am 10. November in Wolfsburg veranstaltete.

Der Sekundärrohstoff Schrott bewege sich als internationale Handelsware in einem Marktumfeld, das trotz scheinbar zunehmender Transparenz nach wie vor schwierig und schwer durchschaubar sei. „Die Marktteilnehmer müssen sehr flexibel, anpassungsfähig und innovationsbereit sein, wenn sie den Herausforderungen der Branche im internationalen Marktgefüge begegnen wollen“, hob der Fachverbandsvorsitzende Sebastian Will zu Beginn des Unternehmergesprächs während der Veranstaltung hervor.

Sebastian Will: Die Marktteilnehmer müssen sehr flexibel, anpassungsfähig und innovationsbereit sein, wenn sie den Herausforderungen begegnen wollen (Foto: bvse)

Sebastian Will: Die Marktteilnehmer müssen sehr flexibel, anpassungsfähig und innovationsbereit sein, wenn sie den Herausforderungen begegnen wollen (Foto: bvse)

Nicht zuletzt im Hinblick auf die von der EU angestrebte Kreislaufwirtschaft und deren Fokus auf die Betrachtung der Lebenszyklen von Produkten müsse die Branche ihre Situation neu überdenken. „Für eine zukunftsorientierte Schrottwirtschaft wird es nicht ausreichen, durch qualifizierte Dienstleistungen wie Sammeln, Lagern und Weiterverkaufen im Markt zu bestehen“, erläuterte Will. „Stattdessen wird es notwendig sein, die originäre Wertschöpfung aus dem Aufbereitungsprozess zu beziehen.“ Diese Ansicht vertritt auch George Bond, Direktor für Geschäftsentwicklung bei dem Technikanbieter Sicon GmbH. Die Branche müsse frühzeitig reagieren und zum Konzeptpartner der Schrottverbraucher werden, hob er hervor. Der große Vorsprung der Schrottunternehmen liege in der hohen Materialexpertise sowie ihrer Innovationskraft. Dass sowohl der Dienstleistungsbereich als auch die Schrottqualität eine Neuausrichtung erfahren sollten, betonte auch der Geschäftsführer der Metallverwertungsgesellschaft mbH, Manfred Leber. Seiner Meinung nach ließen sich auf diese Weise die Margen steigern. Auch müsse die Wertschöpfung in der Branche bleiben.

Anleitung zur Verbesserung der Wertschöpfung

Nach den Worten von George Bond wäre die europäische Schrottwirtschaft in der Lage, die Rentabilität der Stahlindustrie in der EU jährlich um 27 Milliarden Euro zu verbessern. EU-weit habe der Schrottsektor im Jahr 2015 rund 91 Millionen Tonnen Schrott gesammelt und verarbeitet, so der Experte mit langjähriger Erfahrung in diesem Metier. Allerdings habe diese Menge auch ungefähr 11,6 Millionen Tonnen NE-Metalle enthalten, was die Stahlproduzenten jährlich mit Kosten im Umfang von 2,6 Milliarden Euro belaste.

George Bond: Die Branche muss frühzeitig reagieren und zum Konzeptpartner der Stahlerzeuger werden (Foto: bvse=

George Bond: Die Branche muss frühzeitig reagieren und zum Konzeptpartner der Stahlerzeuger werden (Foto: bvse)

Um für beide Seiten die Wertschöpfung zu erhöhen, schlägt der Fachmann die Verbesserung der Schrottqualität vor. Durch die Steigerung des Fe-Anteils im Schrott auf 98 Prozent sei es möglich, die Produktivität wie auch die Ausbringungsmenge bei der Stahlherstellung um 13 Prozent anzuheben. Zudem gestalte sich der Schmelzvorgang wesentlich kostengünstiger als beim Schrott mit einem Fe-Anteil von 85 Prozent. Darüber hinaus gab George Bond den Rat, auch die Schrottdichte nach oben zu schrauben sowie den Kupferanteil zu senken, um den neuen Stahlqualitäten aus der Elektrolichtbogenofen-Produktion entgegenzukommen. Das Wissen um das noch brachliegende Wertschöpfungspotenzial im Sekundärrohstoff Schrott bietet laut Bond Vorteile – nicht nur für die Schrottwirtschaft, sondern auch für ihre Kunden.

Olga Yakymchuk: 2016 gibt es positive Zeichen für den Schrottmarkt (Foto: bvse)

Olga Yakymchuk: 2016 gibt es positive Zeichen für den Schrottmarkt (Foto: bvse)

Bessere Aussichten

Wie Olga Yakymchuk, Senior-Analystin der Fachpublikation „Metal Expert“, erläuterte, sind in diesem Jahr im Hinblick auf den Schrottmarkt positive Zeichen zu erkennen. So soll der Schrottverbrauch in der Türkei der Prognose zufolge 2016 um sechs Prozent steigen.

Brigitte Weber

Foto: TU Bergakademie, © Steffen Dudczig

(EUR1216S26)