Steht Indiens E-Schrott-Abfallwirtschaft ein Boom bevor?

Davon geht eine Studie von Frost & Sullivan aus: Das Interesse an einer sachgerechten Entsorgung im Land hat sich verstärkt. Als Grund wird eine neue Verordnung genannt. Die Branchenunternehmen würden dadurch Auftrieb erhalten.

So ist eines der Ziele der „E-Waste Management Rules 2016“, die Rücknahme von Elektroabfall schrittweise, im siebten Jahr bereits auf 70 Prozent zu steigern. Mit dem 1. Oktober dieses Jahres ist die Verantwortung für das Management von E-Schrott auf die Inverkehrbringer übertragen worden: Hersteller und Händler sowie Sammelstellen, Refurbished-Anbieter und Wiederaufbereiter von gebrauchten Geräten. Die Anwendung der Vorschriften bezieht außerdem öffentliche Institutionen und Gesundheitseinrichtungen (mit einem Umsatz von mehr als einer Million Indischer Rupien) in die Gruppe der Großverbraucher ein.

Erweiterte Herstellerhaftung

Die Richtlinien für eine erweiterte Herstellerhaftung (Extended Producer Responsibility, EPR) überantwortet den Herstellern von elektrischen und elektronischen Geräten die Abfallentsorgung bei Lebensdauerende. Hersteller von elektronischen Produkten, die die EPR bis Ende 2016 nicht umgesetzt haben, dürfen ihre Produkte künftig nicht mehr kommerziell vermarkten. Die erweiterte Herstellerhaftung verpflichtet die Hersteller zudem, 30 Prozent des in den ersten zwei Jahren erzeugten Abfalls zurückzunehmen. Im siebten Jahr muss die Rücknahme- beziehungsweise Sammelquote auf 70 Prozent angestiegen sein. „Das jährliche Aufkommen von E-Schrott in Indien wird in 2017 voraussichtlich bei mehr als zwei Millionen Tonnen liegen, wobei das Volumen des E-Schrotts bei einer durchschnittlichen, jährlichen Wachstumsrate von 21 Prozent in den Jahren 2015 bis 2020 ansteigen soll”, erklärt Kshitij Nilkanth, Program Manager der Frost & Sullivan Energy & Environment Practice. „Mehr als 70 Prozent des E-Schrotts wird durch staatliche, öffentliche und private Industrien generiert, während die Haushalte und die verarbeitenden Indus­trien auf jeweils 15 Prozent kommen.”

Der sogenannte organisierte Sektor ist für lediglich vier bis fünf Prozent des gesamten E-Schrott-Verwaltungsmarktes verantwortlich; der kolossale Anteil von 95 Prozent fällt damit auf den unorganisierten Sektor. Dieses Verhältnis wird sich laut Frost & Sullivan mit den neuen Regelungen ändern: Sowohl Hersteller als auch Großverbraucher werden für die ordnungsgemäße Handhabung und systematische Entsorgung von E-Schrott verantwortlich gemacht. „Die meisten Unternehmen im Bereich E-Schrott-Management sind in den zehn indischen Bundesstaaten aktiv, in denen der Großteil von E-Schrott erzeugt wird”, fügt Nilkanth hinzu. „Die Einführung der Rechtsvorschriften von 2016 wird Unternehmen in den Fokus nehmen und neue Möglichkeiten in anderen Bundesstaaten und Tier-2-Städten eröffnen.” Das steigende Volumen von E-Schrott werde dafür sorgen, dass der E-Schrott-Management-Markt neue Unternehmen anzieht beziehungsweise solche, die im E-Schrott-Management ein angrenzendes Geschäftsfeld sehen. Die Schlüsselaufgabe werde sein, Möglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette auszumachen und Strategien zu formulieren, mit deren Hilfe die aktuelle Situation ausgeschöpft werden kann.

www.frost.com

Foto: EU-R Archiv

(EUR1216S29)

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