Schrottmarktbericht – Fester Markt

Im Berichtsmonat Dezember kauften die Schrottverbraucher die den individuellen Feiertagsregelungen oder Instandsetzungsarbeiten angepassten Mengen. Durch die im Dezember traditionell gedämpfte Lieferbereitschaft des Handels konnten sich nicht alle Werke mit den gewünschten Mengen eindecken, zumal die Preisvorstellungen des Handels teilweise nicht deckungsgleich mit denen der Abnehmer waren.

Die von den Verbrauchern bezahlten Einkaufspreise reichten je nach Werk und Abschlusszeitpunkt von unverändert bis zu zehn Euro pro Tonne mehr als im Vormonat. Als Abwehrpreise waren wohl die von einem süddeutschen Werk angebotenen Abschläge bei bestimmten Sorten zu verstehen. Der niedrige Wasserstand einiger Flüsse verhinderte in den vergangenen Monaten die pünktliche Auslieferung von vereinbarten Vertragsmengen. Im Südwesten bestehen betroffene Werke vor allem für den kommenden Monat auf der Auslieferung der rückständigen Mengen.

Der im Laufe des Monats steigenden Euphorie des Schrotthandels haben die Werke über ihr Einkaufsverhalten versucht entgegenzuwirken. Denn am Monatsanfang hatten Teile des Handels wegen der guten Auftragslage der Werke mit höheren Preisaufschlägen gerechnet. Als sich die nicht abzeichneten, beschränkten sich einige Anbieter auf die Auslieferung von Kontaktmengen und konzentrierten sich auf die ohnehin während des gesamten Jahres vernachlässigte Bestandspflege. Allerdings klagte der Schrotthandel bundesweit über einen gegenüber den Vormonaten erschreckend niedrigen Zulauf an Altschrottmengen.

Auf den Zukauf vom Handel wird sich der schon im Dezember spürbar steigende Schrottverbrauch von Werken im Westen positiv auswirken. Bei einem Verbraucher ist die seit September andauernde Hochofenzustellung wahrscheinlich Anfang Januar abgeschlossen. Die während dieser Zeit auf die Hälfte des sonst üblichen Bedarfs gesunkene Zukaufmenge an Schrott wird ab dem kommenden Monat schrittweise das normale Niveau erreichen. Letztendlich werden die Hochofenzustellungen deutscher Werke die Rohstahlproduktion in diesem Jahr um über eine Million Tonnen gegenüber dem Vorjahr vermindern. Zudem bestätigt die letzte Ausschreibung eines weiteren Werks im Westen aufgrund der Höhe des Zukaufbedarfs, dass der Schrottanteil an der Produktion in den integrierten Hüttenwerken gestiegen ist.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Nachbarländer

Wie in jedem Jahr gibt es in Italien Stahlwerke, die wegen ihrer vertraglichen Verpflichtungen noch nicht verbrauchte Strommengen im Dezember verbrauchen müssen, da ansonsten Strafzahlungen drohen. Die Schrottnachfrage in Deutschland war daher erfreulich hoch, obwohl der Absatz von Betonstahl zu wünschen übrig lässt. Ab dem 16. Dezember ruht der Güterbahnverkehr zwischen Deutschland und Italien, und der Lkw-Transport wird mangels Rückfrachten eingeschränkt sein. Verkaufte Mengen können zum Teil erst im Januar ausgeliefert werden. Die nachfragenden italienischen Verbraucher zahlten unveränderte Preise oder passten bei denjenigen die Preise an, die im vergangenen Monat sehr früh ihre Mengen verkauft hatten. Der Verbraucher in Luxemburg befand sich auch im Dezember in starker Konkurrenz zu den Tiefseelagern und versuchte, sich trotz eines ferienbedingt geringeren Bedarfs, zusätzliche Mengen zu beschaffen. Er erhöhte seine Einkaufspreise um rund fünf Euro pro Tonne, und scheint gekaufte Mengen erst im Januar abrufen zu wollen. Je nach Verbraucher lagen die Preise belgischer und französischer Verbraucher um fünf bis sieben Euro pro Tonne höher als im Vormonat. Aus Polen und Tschechien wurden deutliche Preiserhöhungen von rund 20 Euro gegenüber dem Vormonat gemeldet. Bei Licht betrachtet, fallen die Erhöhungen jedoch wegen gewisser Währungseffekte sowie gegenüber dem Vormonat angepassten Preisen geringer aus. Höhere Preise gegenüber dem Vormonat von drei bis acht Euro pro Tonne, abhängig vom Abnehmer und der Sorte, wurden aus der Schweiz gemeldet.

Gießereien

Die Nachfrage der Gießereien war je nach Produktionsprogramm rege. Bei Abnehmern, deren Einkaufspreise an keinen Index gebunden sind, lagen die vereinbarten Preise abhängig vom Verbraucher und der zugekauften Sorte bei null bis zehn Euro pro Tonne. In der Summe dürften die Gießereien im November und Dezember rund 20 bis 25 Euro höhere Preise pro Tonne bezahlt haben. Die Händler schätzten die Nachfrage der für die Automobil- und Windkraftindustrie produzierenden Gießereien als erfreulich gut ein. Einige Hersteller meldeten bereits Bedarf für Januar an, während andere Gießereien weiter unter Druck stehen.

Türkei

Die türkischen Verbraucher konzentrierten sich mit ihren bisherigen Dezemberzukäufen zur Lieferung im Januar auf den europäischen Markt. Dabei ist es ihnen gelungen, das Preisniveau seit dem bvse-Novembermarktbericht bis zur 49. Kalenderwoche relativ stabil zu halten. Belgische, niederländische, französische und deutsche Exporteure mussten wegen der gleichzeitig guten Schrottnachfrage der heimischen Werke sowie dem vergleichsweise hohen innereuropäischen Preisniveau um die angebotenen Mengen konkurrieren. Seit der 50. Kalenderwoche haben die türkischen Werke ihre Einkaufspreise deutlich angehoben. Gleichzeitig steigen die Schrottpreise weltweit wegen der zunehmenden Nachfrage. Da die chinesischen Hersteller aufgrund inländischer Besonderheiten Preiserhöhungen durchsetzen können, durch die ihre Baustähle für ausländische Interessenten nicht mehr wettbewerbsfähig sind, bieten sie kaum noch Mengen in den Exportmärkten an. Davon profitieren die internationalen Mitbewerber, unter anderem auch türkische Produzenten.  Die bisher veröffentlichten Zukaufmengen türkischer Werke lassen den Schluss zu, dass sie erst ein Drittel ihres Januarbedarfs über den Tiefseemarkt eingedeckt haben. Für die europäischen Schrottexporteure bietet der starke US-Dollar gegenüber dem Euro einen gewissen Spielraum bei den Vertragsverhandlungen. Allerdings sind die Frachtkosten recht deutlich angestiegen und könnten den Währungsvorteil schnell wett machen. Die Freude über die Markterholung wird von den nicht einschätzbaren Folgen der zunehmenden politischen Risiken im Nahen Osten und in der Türkei gedämpft. Das Unbehagen wächst bei allen Marktteilnehmern.

Hohe Erwartungen

Der Schrotthandel schließt unter den gegenwärtigen Umständen Preissenkungen im Januar aus. Alles deutet darauf hin, dass die Schrottnachfrage der Verbraucher zumindest im ersten Quartal 2017 robust bleiben wird. Inwieweit sich Angebot und Nachfrage decken, darüber wagt kaum jemand eine Aussage, denn die vielen Unwägbarkeiten verhindern es, halbwegs brauchbare Prognosen abgeben zu können. Die am 16. Dezember 2016 veröffentlichte Konjunkturprognose des ifo Instituts bestätigt die Einschätzung des Handels. Die Analysten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um 1,5 Prozent zulegen kann. Der schon im letzten Quartal dieses Jahres zu spürende wirtschaftliche Schwung dürfte zumindest im ersten Quartal des kommenden Jahres anhalten.

Für die Schrottwirtschaft geht ein schwieriges Jahr mit einem enorm hohen Wettbewerbsdruck zu Ende. Nicht für alle Schrotthändler ist das abgelaufene Jahr zufriedenstellend verlaufen. Diejenigen, die ein konsequentes Kostenmanagement eingeführt haben, mussten zum Teil Umsatzeinbußen hinnehmen, weil Mitbewerber die wirtschaftlich notwendigen Kalkulationsgrundlagen für die Preisgestaltung außer Acht lassen und den Entfallstellen Margen-vernichtende Preise zahlen. Die wiederum haben sich in den vergangenen Jahren an diese Geschäftspraxis gewöhnt, und sie versuchen ihre wirtschaftlichen Probleme auf Kosten des Schrotthandels zu lösen.

Redaktionsschluss 16.12.2016, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: pixabay

(EUR0117S26)

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