MBA: Neues Abluftkonzept soll Energieverbrauch senken

Mittels biologischer Stabilisierung im Rottetunnel lässt sich der spezifische Energiebedarf um etwa ein Viertel auf 60 Kilowattstunden pro Tonne verringern, so die Ergebnisse eines Forschungsprojekts. 

Die Behandlung der Abluft in mechanisch-biologischen Müllverbrennungsanlagen (MBA) ist energieaufwändig. Forscher des Instituts für Aufbereitung und Recycling der RWTH Aachen und des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart haben ein Gemeinschaftsprojekt gestartet, das den Energieeinsatz in diesen Anlagen untersucht und dabei Energiesparkonzepte insbesondere für die biologische Prozessführung und die anschließende Abluftbehandlung entwickelt.

Wie Projektleiter Erdogan Coskun dazu gegenüber dem BINE Informationsdient erklärte, schließen MBA-Prozesse immer eine biologische Behandlungsstufe unter aeroben Bedingungen ein, die als Intensiv- und/oder Nachrotte gestaltet ist. Pro Tonne behandelten Abfalls entstehe ein Abluftstrom von bis zu 8.000 Kubikmetern, der unter anderem mit flüchtigen organischen Kohlenstoffverbindungen beladen sei. Diese Abluft müsse gesammelt und gereinigt werden, um Emissions-Grenzwerte einhalten zu können. Die Reinigung der Abluft erfolge über Biofilter, Wäscher sowie regenerative thermische Oxidationsanlagen (RTO). Da RTO jedoch nicht für die Abluft aus MBA konzipiert seien, sei deren Einsatz in MBA nur mit erheblichem Energieaufwand möglich. Pro Tonne behandeltem Abfall würden etwa 100 Kilowattstunden benötigt, wovon circa 65 Prozent auf das Konto der Abluftbehandlung gingen. Der erhöhte Energieverbrauch in der Abluftbehandlung sei auf den Stützgaseinsatz (zum Beispiel Erdgas, Biogas) bei der RTO zurückzuführen.

Der praktische Teil des Forschungsprojekts findet den weiteren Angaben nach in der MBA des Landkreises Aurich in Großefehn, Niedersachsen statt, die folglich als Versuchsanlage dient. In der MBA beträgt der spezifische Energieaufwand für die Behandlung des Hausmülls etwa 80 Kilowattstunden pro Tonne. Allein zwei Drittel davon macht dabei der Stützgasbedarf der RTO aus. Die Forscher wollen entlang der gesamten Prozesskette – von der mechanischen über die biologische Abfallbehandlung bis hin zur Abluftreinigung – den spezifischen Energiebedarf um etwa ein Viertel auf 60 Kilowattstunden pro Tonne verringern. Übertragen auf alle MBA in Deutschland, würde das ein Energieeinsparpotenzial von mehr als 100 Gigawattstunden ergeben. In Deutschland verwerten 45 MBA jährlich rund fünf Millionen Tonnen gemischte Siedlungsabfälle. Aktuell sind EU-weit 330 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 33 Millionen Tonnen pro Jahr in Betrieb. Erwartet wird, dass bis zum Ende dieses Jahrzehnts etwa 440 Anlagen entstehen und dann bis zu 46 Millionen Jahrestonnen bearbeiten.

www.iar.rwth-aachen.de

Foto: Reinhard Weikert / abfallbild.de

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