Schrottmarktbericht Juni 2014: Geringe Korrekturen

Die Nachfrage im Berichtsmonat Mai lag nach Einschätzung des Handels trotz der Maifeiertage mindestens auf dem Vormonatsniveau, während es bei den Preisen leichte Korrekturen gab. Am Monatsanfang waren die Schrottverbraucher davon ausgegangen, deutliche Abschläge durchsetzen zu können, wobei sie mit dem Vorhaben bei den Lieferanten auf keine Gegenliebe stießen.

Letztendlich bewegten sich die Einkaufspreise der Werke in der Regel bei unverändert bis zu einem Abschlag von 2 bis 5 Euro pro Tonne. Der Schrottverbrauch im Süden scheint stärker als der Schrottbedarf im Westen oder Norden gewesen zu sein; so führten beispielsweise im Westen technische Probleme zu einem geringeren Zukaufbedarf einzelner Verbraucher. Gute Exportmöglichkeiten sorgten für einen ausgeglichenen Markt, wobei alle Werke ausreichend versorgt wurden. Laut Angaben aus Handels-kreisen ist der Zulauf an Altschrotten durch die nunmehr nachlassenden Frühjahrssammlungen in einzelnen Regionen spürbar rückläufig. Ebenso steht das Neuschrottaufkommen in direktem Zusammenhang zu der recht unterschiedlichen Auslastung der Produzenten. Das Bundeswirtschaftsministerium meldete Mitte Mai, dass sich die deutsche Wirtschaft in einem breit angelegten Aufschwung befindet. Von einer entsprechend euphorischen Stimmung ist die Schrottwirtschaft jedoch weit entfernt. Zwar sind in diesem Jahr die Rohstahlproduktion und der Schrottverbrauch Monat für Monat gestiegen, die Erlössituation hat aber nicht Schritt gehalten.

Nachbarländer

Die Einkaufspreise der Verbraucher aus den Nachbarländern reichten von unverändert bis zu einem Rückgang von 5 Euro pro Tonne. Zufrieden waren die befragten deutschen Händler über die Mai-Nachfrage aus Italien. Hier und da kommt es zu Transportproblemen, weil es häufiger an Rückfrachten für die Lkw-Transporte mangelt. Die Verbraucher in der Schweiz und in Österreich sind bei unveränderten Einkaufspreisen in Raten beliefert worden. Im polnischen und tschechischen Inlandsmarkt erhöhten einzelne Verbraucher ihre Einkaufspreise; dennoch war das Angebot in Richtung Deutschland ausreichend. Im schwedischen Markt gab es leichte Preiserhöhungen.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100) Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100) Quelle: EUROFER

Drittlandmarkt

In diesem Jahr beginnt der Ramadan bereits Ende Juni und endet voraussichtlich mit dem Zuckerfest am 30. Juli. In den vergangenen Jahren haben die türkischen Verbraucher ihre Nachfrage vor Beginn des Fastenmonats verstärkt, um mit den rechtzeitig eintreffenden Ladungen problemlos produzieren zu können. Im Moment versuchen sie, die Schrottpreise nach unten zu drücken, indem sie durch geringe Marktpräsenz die Nervosität bei den potenziellen Anbietern erhöhen. Türkische Stahlwerke haben laut offiziellen Presseberichten seit dem letzten bvse-Schrottmarktbericht rund 36 Ladungen Schrott zu relativ stabilen Preisen auf Dollarbasis gekauft. Über 70 Prozent der gekauften Mengen stammten aus der EU und dem Baltikum und sorgten in Europa für einen ausgeglichenen Markt. Die Liefermöglichkeiten in Länder außerhalb des europäischen Marktes wurden von Exporteuren als eher lustlos beschrieben.

Gießereimarkt

Hier und da meldeten Händler eine erfreuliche Nachfragebelebung bei einigen Gießereien, deren Auslastung im Mai und Juni gestiegen ist. Dennoch gab es bei einzelnen gießereifähigen Schrottsorten Angebotsüberhänge. Bei Verbrauchern mit Abschlüssen auf Basis frei verhandelter Preise waren die Preise überwiegend unverändert. Mehr oder weniger unverändert waren auch die Preise beim Roheisen. Der Umfang der Nachfrage lag auf dem üblichen Niveau.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Aussichten

Beim Blick auf die konkurrierenden Rohstoffe könnten die sinkenden Erzpreise früher oder später die Roheisen- und Schrottpreise mit nach unten ziehen. Der nach wie vor sehr intensiv geführte Kampf um das Vormaterial lässt zudem die strukturellen Probleme der Branche immer deutlicher zu Tage treten. Das vorhandene Schrottaufkommen reicht bei Weitem nicht aus, um die aufgebauten Kapazitäten auszulasten. Wenn weite Teile des Handels trotz der kaum noch vorhersehbaren Marktentwicklung der Umsatzmaximierung den eva-Vorrang vor der eigentlich notwendigen Margenmaximierung einräumen, verschlechtert sich der finanzielle Spielraum zusehends. So manches Entfallstellengeschäft mit Preisbindungen, die sicherlich nicht das Prädikat „betriebswirtschaftlich solide kalkuliert“ bekommen, wirkt sich immer belastender aus. Hinsichtlich der Entwicklung im kommenden Monat sind die Ansichten der Marktteilnehmer geteilt. Während die eine Gruppe aufgrund der guten Nachfrage von stabilen Preisen ausgeht, rechnet die andere in Anbetracht der Rohstoffpreise und der schwierigen Lage auf den Fertigstahlmärkten mit schwächeren Preisen.

Redaktionsschluss 21.05.2014, BG-J/bvse
(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR0614S28)
Foto: O. Kürth