Wolframmarkt bleibt problematisch

Die Deutsche Rohstoffagentur rechnet mit einem weltweiten Angebotsdefizit im Jahr 2017. Exportbeschränkungen seitens Chinas tragen zu einer bedenklichen Verknappung des kritischen Elements bei. (Foto: Lisa Spreckelmeyer  / pixelio.de)

Trotz zunehmendem Recycling und dem Aufbau von neuen Bergwerken und Aufbereitungskapazitäten, unter anderem in Vietnam, Australien, Großbritannien und Spanien, wird weiterhin eine hohe Angebotskonzentration auf China bestehen bleiben, auch wenn sich die Länderkonzentration der Bergwerksförderung deutlich hin zu einer breiteren Verteilung verändern wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Wolfram zählt seit dem Jahr 2010 zu den 14 von der Europäischen Union als kritisch eingestuften mineralischen Rohstoffen. Das Element aus der Gruppe der Übergangsmetalle weist gegenwärtig eine hohe Angebotskonzentration und ein erhöhtes Länderrisiko für die Bergwerksförderung sowie dem wichtigsten Zwischenprodukt Ammoniumparawolframat (APT) auf. Dies ist als Hinweis auf potenzielle Preis- und Lieferrisiken zu werten. Wichtige Anwendungsbereiche von Wolfram sind Hartmetallwerkzeuge, Stahl- und Superlegierungen, Halbzeug (zum Beispiel Glühdrähte, Elek­trodenmaterial) und Chemikalien.

Recycling lässt sich nur schätzen

Für das weltweite Wolframangebot spielt Recycling eine bedeutende Rolle. Allerdings, so die Studie, gibt es keine verlässlichen Daten über das Aufkommen an Schrotten, die das Element enthalten. Die International Tungsten Industry Association (ITIA) schätzte 2009, dass 30 bis 40 Prozent der gesamten Wolframversorgung auf Recycling basiert. Etwa zehn Prozent stammten dabei aus Produktionsabfällen („direct scrap“ oder Prozessschrott), 20 bis 30 Prozent aus Altschrotten. Ähnlich hoch sind der von der UNEP (2011) auf 25 bis 50 Prozent geschätzte Sekundäranteil an der gesamten Metallproduktion (Recycled Content, RC) und die auf zehn bis 25 Prozent geschätzte Recyclingrate von Schrott aus Altprodukten (End-of-Life-Recycling Rate). Zusätzlich zur Bergwerksförderung standen dem Markt 2011 zwischen 24.000 und 32.000 Tonnen Wolfram aus Schrotten zur Verfügung.

Mit über 80 Prozent der globalen Bergwerksförderung ist China der weltweit wichtigste Wolframproduzent. Neben der Erhebung von Exportzöllen hält China weiterhin an Exportquoten auf Wolframzwischenprodukte fest. Der Export von Wolframerz und -konzentrat ist gänzlich verboten. Begründet werden die Exportbeschränkungen mit dem Schutz von Ressourcen und Umwelt. Dies führt dazu, dass eine sichere Versorgung mit Wolfram auch in naher Zukunft nicht gewährleistet ist.

Nicht nur China erlässt Restriktionen

Im März 2012 haben die EU, die USA und Japan gemeinsam ein Streitbeilegungsverfahren gegen Chinas Exportbeschränkungen, Ausfuhrzölle und den eingeschränkten Zugang für ausländische Firmen zu Wolfram, Molybdän und Seltenen Erden beantragt. Am 26. März 2014 hat die Welthandelsorganisation (WTO) der Klage stattgegeben. Die entsprechenden Exportbeschränkungen verletzten sowohl die WTO-Regeln als auch die mit der WTO-Mitgliedschaft verbundenen Verpflichtungen zur Einhaltung der internationalen Handelsregeln. China konnte dagegen innerhalb von 60 Tagen Einspruch einlegen, über den die Einspruchsbehörde der WTO innerhalb von drei Monaten entscheiden muss.
Neben China haben weitere Länder Exportrestriktionen für Wolframprodukte erlassen, die die Situation verschärfen. So erhebt die Russische Föderation, mit einem Anteil von rund 4,5 Prozent der Weltproduktion das zweitgrößte Bergbauland für Wolframerz, Exportsteuern in Höhe von zehn Prozent auf Wolframkonzentrat sowie Wolframschrott. Außerdem fordern Argentinien und Vietnam eine Ausfuhrsteuer auf Wolframerz in Höhe von zehn beziehungsweise 20 Prozent. Vietnam erhebt zudem eine Ausfuhrsteuer auf wolframhaltige Waren. Die Ukraine und Pakistan besteuern die Ausfuhr von Wolframschrotten mit 15 beziehungsweise 25 Prozent. Sambia, Tansania und Venezuela haben ein Exportverbot für Wolframschrotte verhängt.

Die EU, Japan und die USA sind nach China die größten Märkte für Wolfram. Deutschland ist der weltweit größte Importeur von Wolframpulver (29,2 Prozent der Weltimporte) sowie Wolframabfällen und -schrotten (45,5 Prozent), zweitgrößter Importeur von Wolframkarbiden (17,3 Prozent), drittgrößter Importeur von Wolframaten (17,9 Prozent) sowie Ferrowolfram (12,9 Prozent) und viertgrößter Importeur von Wolframoxiden (14,5 Prozent). Datenbasis: 2011.

Was die Studie betrachtet

Die DERA führt zur Beratung deutscher Unternehmen rohstoffspezifische Detailanalysen durch, die insbesondere die Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie potenzielle Preis- und Lieferrisiken betreffen. Betrachtet werden die aktuelle Versorgungslage sowie Risiken der zukünftigen Versorgung mit Wolfram für den Zeitraum bis 2017. Insgesamt ist der Wolframmarkt als problematisch einzuschätzen. Deutsche Unternehmen, die Wolfram verarbeiten oder auf Wolframprodukte angewiesen sind, sollten den Wolframmarkt intensiv beobachten und geeignete Ausweichstrategien gegen eventuelle Lieferengpässe und Preissteigerungen entwickeln. Indikatoren und ihre Bewertungsskala (Benchmarks) für die Risikobewertung finden sich im Anhang (Indikatoren und Risikobewertung, Glossar) der Studie.

Die Studie „Rohstoffrisikobewertung – Wolfram“ ist über die Homepage der Deutschen Rohstoffagentur abrufbar.

www.deutsche-rohstoffagentur.de

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