„Und darauf sind wir einfach stolz“

An den Planungen war Erich Sennebogen sen. noch beteiligt. Jetzt sind das Museum, das nach ihm benannt ist, und die neue Sennebogen Akademie in Straubing offiziell eingeweiht worden. Am 22. Mai 2014, vor dem abendlichen Festakt, öffneten sich speziell für die Fachpresse die Pforten zu einem zurück- und vorausblickenden Rundgang.

Das Wetter meint es wohl besonders gut mit dem niederbayerischen Familienunternehmen. Jedenfalls kann sich Erich Sennebogen jun., der gemeinsam mit seinem Bruder Walter der Sennebogen Maschinenfabrik GmbH in zweiter Generation vorsteht, nicht an verregnete, nasskalte Betriebsfeiern im Sommer erinnern. Auch zum 60. Firmenjubiläum vor zwei Jahren konnte der renommierte Hersteller von Materialumschlagmaschinen, Seilbaggern, Multiloadern, Raupen-, Teleskop-, Hafenkranen und Anbaugeräten seine Gäste trockenen Fußes, bei Sonnenschein und warmen Temperaturen begrüßen. Und welch ein Glück: Von dem verheerenden Hochwasser Ende Mai / Anfang Juni 2013 in der Region Straubing wurden die Produktionsstätten knapp verschont. Sennebogen packte mit an beim großen Aufräumen, stellte hierfür spontan und uneigennützig Mitarbeiter und Gerätschaften zur Verfügung und unterstützte durch Spenden Menschen, die in den Fluten Hab und Gut verloren hatten.

Willkommen im Erich Sennebogen Museum! Florian Attenhauser begrüßt die Pressevertreter. Hinter ihm von links: Dr. Andreas Maurer, Walter und Erich Sennebogen, Michael Ibarth

Willkommen im Erich Sennebogen Museum! Florian Attenhauser begrüßt die Pressevertreter. Hinter ihm von links: Dr. Andreas Maurer, Walter und Erich Sennebogen, Michael Ibarth

„Mit dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens wächst die soziale Verantwortung“: Bei Sennebogen ist das keine Leerformel, sondern praktizierte Selbstverständlichkeit. Man hilft sich halt untereinander, einfach gesagt, und auf dem Land ohnehin. Davon zeugen viele Beispiele in der langen Geschichte des Traditionsbetriebs, der sich aus bescheidenen Anfängen vom Hersteller von Mistladern zum Global Player in Sachen Hydrauliktechnologie entwickelt hat und dabei bodenständig-bayerisch geblieben ist. Denn wer seine Wurzeln kennt, wächst in die Zukunft, so Erich Sennebogen sen., der es zudem mit dem Leitsatz hielt: „Der Erste zieht die Anderen mit.“ An seiner Firmenphilosophie halten seine Erben weiter fest.

Chichi braucht es daher nicht, um die Marke Sennebogen zu präsentieren. Anlässlich der Einweihung des Erich Sennebogen Museums, das dem Schaffen und Wirken des im März 2011 verstorbenen Unternehmensgründer und Vater von Erich und Walter Sennebogen gewidmet ist, und der zu Jahresbeginn 2014 eröffneten Sennebogen Akademie wurde am Straubinger Zweitsitz einfach ein Bierzelt mit typischen Bänken und Tischen aufgestellt. Nach dem offiziellen Festakt am Abend des 22. Mai fanden sich dort Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft, internationale Kunden, Händler, Vertriebspartner, Straubinger Bürger und wie immer, wenn Sennebogen feiert, die Mitarbeiter und deren Familien zu einer Barbecue-Party in lockerer und ungezwungener Atmosphäre ein.

Auf Herz und Nieren erproben

Zuvor wurde die Fachpresse empfangen, zu einem Mittagessen, einer Pressekonferenz und einem anschließendem Rundgang eingeladen. Als Geschäftsführer der Sennebogen Akademie GmbH & Co. KG stellten sich Marketing Direktor Michael Ibarth und Dr. Andreas Maurer vor. Florian Attenhauser, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation bei Sennebogen, leitete die Gesprächsrunde im Museum ein.

Das Areal, auf dem das Museum in Form einer Pyramide und die Akademie gebaut wurden, hat eine Fläche von 24.000 Quadratmetern. Es schließt an das Sennebogen-Werk II in Straubing an. Den größten Teil davon beansprucht das Vorführgelände. Produkte aus der Entwicklung können dort in den verschiedensten Applikationen und nach individuellen Vorgaben qualitativ und praxisnah auf Herz und Nieren erprobt werden. Dafür stehen ein Hafengelände mit Schüttguttrichter und 8,0 Metern Höhenunterschied sowie eine Geländefahrstrecke zur Verfügung. Auf dem Schrottplatz mit rund 150 Tonnen Stahlschrott können sich Kunden und Interessenten von der energieeffizienten Leistungsfähigkeit der Sennebogen Umschlagmaschinen samt Anbaugeräten überzeugen. Alle Umschlagsituationen, Sortiervorgänge und Kraneinsätze lassen sich buchstäblich „erfahren“.

sennebogen-ak3Vom ersten Mistlader bis zum Hydraulikbagger

Im Erich Sennebogen Museum dokumentieren acht historische Maschinen – vom ersten Mistlader bis zum Hydraulikbagger – die Produktentwicklung im Hause Sennebogen in den vergangenen sechs Jahrzehnten. An den Firmenschriftzügen und Farben von Blau über Orange und Gelb zum heutigen Grün können die Besucher die Identitätsfindung des Unternehmens nachvollziehen. Die Maschinen selber waren, bevor sie ins Museum kamen, noch teilweise im Einsatz – zumeist in Niederbayern. Einige Besitzer wollten sich zunächst nicht von ihnen trennen beziehungsweise an Sennebogen zurückverkaufen. Alle Maschinen funktionierten trotz ihres hohen Alters immer noch. Äußerlich waren sie aber in einem schlechten Zustand. Die Azubis von Sennebogen haben die Maschinen dann originalgetreu restauriert und dabei, wie Erich Sennebogen jun. betont, Enormes geleistet. Der Ausstellungsbereich zeichnet den Werdegang der Gründerpersönlichkeit Erich Sennebogen sen. seit 1952 nach. Zu sehen sind Fotostrecken und Vitrinen mit allerlei Achsen, Getrieben und vielen weiteren technischen Geräten. Die Auswahl der Exponate führt dabei die Spartenlösungen vor Augen, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Auch wie sich die Arbeits- und Produktionsbedingungen bei Sennebogen verändert haben, wird anschaulich erzählt – mit Originaldokumenten und authentischen Arbeitsplatzportraits. So hat natürlich der alte Schreibtisch des Seniors den Weg ins Museum gefunden.

Rechenschieber, Formel- und Berechnungsbuch

Mit den Worten von Michael Ibarth verkörpert das Museum Inhalte, die wichtig für die Kunden, Service- und Vertriebspartner des Maschinenherstellers sind: „Die Marke Sennebogen wird greifbar, erklärbar, erlebbar gemacht.“ Und Erich Sennebogen jun. führte in seinem Vortrag aus: „Sennebogen hat seine Wurzeln in Bayern, es produziert bis heute ausschließlich in Bayern. Wir sind verwurzelt in unserer Region, halten fest an traditionellen Werten, an stabilen unternehmenspolitischen Entscheidungen, wie sie schon von unserem Vater getragen wurden und von uns fortgeführt werden.“

Es sei, so Erich Sennebogen jun. weiter, ein Glück, ein Familienunternehmer zu sein und eine erfolgreiche Geschichte zu haben. Dieses Glück gelte es, für die nächsten Generationen zu bewahren: „Unser Vater hat von null auf begonnen. 1931 geboren, hat er acht Jahre die Volksschule besucht und dann eine Schlosserlehre absolviert. Danach war er bei einem Landmaschinenhändler beschäftigt und hat anschließend bei einem Landmaschinenhersteller gearbeitet. Dort hat er gelernt, wie man Getriebe und Achsen baut. Mit diesem Wissen hat er mit gerade mal 21 Jahren seine eigene Firma gegründet. Alles, was er damals hatte, war ein Formel- und Berechnungsbuch und einen Rechenschieber. Damit konstruierte unser Vater die ersten eigenen Geräte, Getriebe, Achsen. Ein phänomenaler Werdegang. Als Unternehmer alles investiert in die Zukunft des Unternehmens. Und darauf sind wir einfach stolz. Wir wollen unsere Philosophie sichtbar machen. Dabei ist es uns wichtig zu zeigen, dass wir in die Zukunft denken und nicht von heute auf morgen. Wir investieren in die Zukunft und in die nächsten Generationen.“

sennebogen-ak4Was die Pyramide symbolisiert

Die Pyramidenform des Museums ist Entwürfen des Vaters nachempfunden. Die erste Skizze stammt aus dem Jahr 1994. Damals stellte sich Erich Sennebogen sen. noch ein Gebäude in Form eines Zeltes vor. Daraus wurde schließlich eine Pyramide. Viele Wandelemente sind hier aus Holz. Unter der Dachkonstruktion mit grüner Glaskuppel sind die historischen Maschinen kreisrund mit aufgerichteten Auslegern gruppiert. Die Schwenkarme sind dabei – gleichsam einem Punkt im Himmel zulaufend – auf die Spitze der Pyramide gerichtet. Symbolisiert wird damit und gemäß der Maxime des Firmengründers, sich Ziele zu stecken und diese konsequent zu verfolgen.
Gedacht ist das Museum auch als Event- und Tagungslocation. In der Mitte der 700 Quadratmeter großen Pyramide wurde extra eine Veranstaltungsfläche mit Bühne und Bestuhlungsbereich, Licht- und Tontechnik sowie Sprecherkabine (für Simultanübersetzungen) geschaffen, die bis zu 350 Gästen Platz bietet. Firmen, Verbände, Organisationen, Künstler, Privatpersonen können das Erich Sennebogen Museum für jeden Anlass buchen.

Die tragenden Säulen jedes Unternehmens

Architektonisch verbunden mit dem Museum ist die neue Sennebogen Akademie. In dem Gebäudekomplex in Holzständerbauweise sind Schulungs- und zwei Tagungsräume für jeweils 60 Personen sowie die Büros der Marketing-Mitarbeiter untergebracht. Im rückwärtigen Bereich befinden sich drei Hallen – das Maschinen-Trainingszentrum. Dort stehen aktuelle Produkte zu Ausbildungszwecken. Bei der Konzeption wurde auf eine positive Energiebilanz geachtet: Die Wärme- und Klimaversorgung erfolgt durch mehrere Wärmepumpen, angetrieben mit Solarstrom. Die maximale Leistung der Photovoltaikmodule auf dem Pyramidendach beträgt 72 Kilowatt. Den Angaben zufolge produziert das Gebäude an sonnigen Tagen mehr Energie, als es selbst verbraucht.

Sennebogen setzt mit der Akademie auf qualifizierte Fachkräfte als tragende Säulen jedes Unternehmens. Das zielgruppengerechte Aus- und Fortbildungsangebot für interne Mitarbeiter, Sennebogen-Händler und Vertriebspartner umfasst technische Schulungen in Theorie und Praxis. Investiert wird damit in die Nachwuchsförderung.

Walter Sennebogen und Erich Sennebogen jun.

Walter Sennebogen und Erich Sennebogen jun.

„Wissenstransfer ist heute wichtiger denn je“

„Das Thema Ausbildung ist bei uns schon von Anfang an groß geschrieben worden“, erläuterte Walter Sennebogen auf der Pressekonferenz. „Wir haben über all die sechs Jahrzehnte seit Bestehen immer sehr viele Lehrlinge ausgebildet und daraus auch unsere Mitarbeiter gezogen. Derzeit haben wir 60 Azubis in elf Ausbildungsgruppen. Damit sind wir weit über der Ausbildungsquote. In diesem Jahr werden wir erstmals ein Duales Studium der Fachrichtung Mechatronik begleiten.“

Geplant sind Praxisseminare und Fachexkursionen sowie die Betreuung von Projekt- und Diplomarbeiten. Walter Sennebogen weiter: „Wir kooperieren eng mit den technischen Hochschulen in Regensburg, Deggendorf, Landshut, München sowie mit dem Wissenschaftszentrum in Straubing, das ein Ableger der TU München ist. Wir werden hier noch mehr unternehmen, das Interesse für Menschen in der Region für technische Berufe zu fördern. Denn Wissens­transfer ist heute wichtiger denn je. Die Technik und die Anforderungen der Wirtschaft ändern sich permanent, werden immer komplexer; und nur wer am Ball bleibt und sich fortbildet, kann mit dieser Entwicklung Schritt halten.“

In der Sennebogen-Gruppe sind heute etwa 1.200 Fachkräfte beschäftigt. Und dem Unternehmen geht es nicht allein darum, gute Produkte zu produzieren: Der weltweite Wettbewerb verlange mehr als hochwertige Maschinen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis beim Kauf. Die Maschinenverfügbarkeit, ein schneller, zuverlässiger Service und kompetente Ansprechpartner, die im Bedarfsfall in kürzester Zeit vor Ort sind, seien die entscheidenden Kriterien, um weltweit nicht nur wettbewerbsfähig, sondern erstklassig im Kran- und Umschlagsgeschäft zu agieren. Ausschlaggebendes Qualitätskriterium ist für Sennebogen die Kompetenz der eigenen Mitarbeiter und des Servicepersonals beim Händler. Die technischen Produktschulungen sollen den Teilnehmern einen tiefen, umfassenden Einblick in die Technik der Sennebogen Maschinen vermitteln.

sennebogen-ak6Dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Wie Dr. Andreas Maurer informierte, ist die Akademie gegenwärtig zu 60 Prozent ausgelastet. Im Maschinen-Trainingszentrum lassen sich nahezu alle Servicesituationen nachstellen und praxisnah üben. Bis zu einer Kapazität von 5.000 Trainingsmanntagen jährlich sollen derart Servicetechniker, Monteure und Wartungspersonal an den Sennebogen-Maschinen geschult und weitergebildet werden. Ziel ist es, dem Kunden zu helfen, seine Maschine noch besser einzusetzen, Stillstand- und Ausfallzeiten zu minimieren und etwaige Probleme schon frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Zukünftig sollen Themen wie intelligenter Maschinenservice und telemetrische Überwachung weiter vorangetrieben werden. Ansporn ist dabei die langfristige, vorbeugende Wartung und optimale, kompetente Beratung, um Kunden rundum zufriedenstellend bedienen zu können.

Die Akademie versteht sich als aktives Mittel, um dem fortschreitenden Fachkräftemangel ein Stück weit selbst entgegenzuwirken und den Wissenstransfer innerhalb des Unternehmens zwischen Jung und Alt zu fördern und zu intensivieren. Junge Mitarbeiter können in speziellen Kursen und Trainings ihr fachspezifisches Wissen vertiefen und sich mit der Marke Sennebogen und den Produkten identifizieren. Dr. Andreas Maurer ist davon überzeugt, dass Deutschland seine wirtschaftliche Spitzenposition nur durch technische Expertise behaupten kann. Bei der Nachwuchsförderung arbeitet Sennebogen mit dem Verein Technik für Kinder, eine Initiative in der Region Straubing, zusammen. Zehn- bis Siebzehnjährigen, die sich für Technik interessieren, steht ein extra Technikhaus offen.

www.sennebogen.de

(EUR0714S17)
Foto: Sennebogen (1x), Marc Szombathy (5x)