Neues DWA-Merkblatt M 388: Mechanisch-Biologische (Rest-)Abfallbehandlung

Das Ziel früherer Abfallbehandlungsanlagen mit MBA-Technologie bestand darin, Restabfälle so zu behandeln, dass sie den Anforderungen der TA Siedlungsabfall zur Deponierung genügten.

Heutzutage sehen die Betreiber solcher Anlagen ihre Aufgabe darin, Wert- und Brennstoffe – auch im Wettbewerb mit Müllverbrennungsanlagen – zu gewinnen. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) hat daher ein neues Merkblatt über „Mechanisch-Biologische (Rest-)Abfallbehandlung“ vorgelegt, das als Handlungsanleitung dienen soll.

Einleitend macht das Kapitel „Stand der MBA-Technologie“ zunächst mit den Unterschieden von MBA, MBS und MPS vertraut: Die Mechanisch-Biologische (Trest-)Abfallbehandlung dient dazu, die deponierbare Materialmenge zu reduzieren; das Verfahren besteht aus einer mechanischen Aufbereitung und einer biologischen Behandlung über eine Rotte (aerob) oder eine Vergärung (anaerob). Die Mechanisch-Biologische Stabilisierung zielt neben der Materialminimierung auf die Erzeugung von Ersatzbrennstoffen durch biologische Trocknung des Abfalls. Auch die Mechanisch-Physikalische Stabilisierung (MPS) führt zur Erzeugung von Ersatzbrennstoffen, wobei besonders die heizwertreichen Bestandteile durch physikalische Verfahren gewonnen werden. Zurzeit sind in Deutschland 45 Anlagen in Betrieb: 29 mit MBA-, 13 mit MBS- und drei mit MPS-Technologie. Jeweilige Grafiken veranschaulichen deren prinzipielle Funktionsweisen und Verfahrensabläufe.

Das nächste Kapitel konzentriert sich auf die Anlagenkomponenten. Im Einzelnen werden die Komponenten der mechanischen und der biologischen Stufen einschließlich Abluftbehandlung, Gasverwertung und Nebeneinrichtungen vorgestellt. Aufgabenstellung und Funktionsweise der Mechanischen Aufbereitung werden ebenso detailliert beschrieben wie die Biologische Behandlung mit Unterpunkten wie Vergärung, Entwässerung, Aerobisierung und Rotteverfahren. Das Merkblatt listet auch die technischen Möglichkeiten zur Abluftbehandlung (Abluftmanagement, Abluftwäsche, Regenerative-Thermische Oxidation und Biofilter) auf, bevor die verschiedenen Anforderungen an die Prozesskontrolle durch Probenentnahme und Analyseverfahren vorgestellt werden.

Der Betriebsorganisation ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Denn der wirtschaftliche Erfolg einer Anlage hängt von vielen Faktoren wie Belegschaftsgröße, notwendigen Schichtbetrieben, Leitungspersonal und den jeweiligen Beauftragten zum Beispiel für Immissions- und Gewässerschutz ab. Die Anlagensicherheit muss gewährleistet, die Störfall-Verordnung bedacht und der Arbeits- und Brandschutz organisiert sein.

Planungs- und Optimierungshinweise

Einen großen Raum räumt das Merkblatt der Betrachtung von Energie- und Stoffströmen ein. Und gibt zu überlegen, welche Abfälle einer MBA zur Behandlung zugeführt werden können, womit der Energiebedarf gedeckt werden kann und welche Betriebsstoffe – vor allem Brauch-, Trink- und Prozesswasser – zum Einsatz kommen und benötigt werden könnten. Selbstredend werden auch die Stoffströme nach der Behandlung genauer analysiert – in einzelne Ersatzbrennstoffe, Metalle, Biogas, Feinfraktion, Abluft und Abwasser.

Mit den betriebswirtschaftlichen Aspekten einer MB-Anlage befassen sich die nächsten vier Seiten. Sie zeigen beispielhafte Massenbilanzen von MBA-, MBS- und MPS-Verfahren. Sie schlüsseln anhand von Tabellen die unterschiedlichen Energiebilanzen der drei Technologien und die dabei zu erwartenden Klimabilanzen auf. Und sie verdeutlichen, wie viele und welche Faktoren zum wirtschaftlichen Erfolg einer Anlage beitragen. Das Papier endet mit wichtigen Planungshinweisen und Tipps für Optimierungsmöglichkeiten.

Das DWA-Merkblatt M 388 zur Mechanisch-Biologischen (Rest)Abfallbehandlung bietet darüber hinaus einen reichhaltigen Anhang mit Quellen und Literaturhinweisen zum Europä­ischen Recht, zum Bundesrecht und zu diversen Technischen Regeln. Es verweist auf andere DWA-Merkblätter, die einzelne Themen weiterführend behandeln. Und es verfügt über ein kleines Glossar zu den häufigsten Begriffen und Definitionen und zu den gebräuchlichsten Symbolen, Abkürzungen und Einheiten.

Ein fundierter Einstieg in die Materie

Alles in allem präsentiert das Papier einen umfassenden Überblick und einen fundierten Einstieg in die Materie der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung. Es bietet sich auch insbesondere als Basislektüre für internationale Projekte an, die bedarfsgerecht für kleinere und/oder noch zu erschließende Entsorgungsgebiete dimensioniert werden sollen. Insofern wird das Merkblatt DWA-M 388 seinem Anspruch gerecht, „Planer, Betreiber und Investoren darin zu unterstützen, auf Basis vorhandener Betriebserfahrungen in Deutschland Potenziale für technische und organisatorische Optimierungen von Anlagen zu identifizieren.“
Man sollte sich über die „Reichweite“ des Merkblattes aber keinen Illusionen hingeben. Hinter Personal-Acquirierung ist in Schwellenländern etwas völlig anderes zu verstehen als gemeinhin in Mitteleuropa. Ebenso bedingt dort die Beschaffung von Abfällen, Wasser und Strom gänzlich anders geartete bürokratische und organisatorische Vorgehensweisen. Die Preise insbesondere für Material unterliegen wechselhaften Weltmarktbedingungen, die vielfach volatil und meist im Steigen begriffen sind. Und welche Rückschläge durch unerwartete Politikwechsel selbst in Ländern mit Zukunftsmärkten zu gewärtigen sind, wissen Investoren in Nordafrika oder der Ukraine am besten. Die raue Realität beginnt da, wo das neue DWA-Merkblatt aufhört. Daran sind seine Autoren aber keineswegs schuld, sondern waren sich dessen sogar bewusst, indem sie ausdrücklich darauf hinwiesen: „Vor der Übertragbarkeit der Konzepte auf andere Länder sind die jeweiligen abfallwirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort zu berücksichtigen.“

Mechanisch-Biologische (Rest-)Abfallbehandlung, DWA-Merkblatt M 388, ISBN 978-3-944328-52-2, Ladenpreis 53,00 Euro, fördernde DWA-Mitglieder 42,40 Euro, zu bestellen über DWA-Shop www.dwa.de/shop

(EUR0714S43)
Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de