Finnland: Zurückhaltende Nachfrage nach Maschinen und Anlagen

Als weit entwickelter Industriestandort hat Finnland traditionell einen starken Bedarf an hochwertigen Technologie­gütern. Doch im Zuge der generellen Konjunkturabkühlung verringerten sich die Inlandsumsätze der finnischen Maschinen- und Anlagenbauer 2013 um 8,7 Prozent und die Einfuhren in wichtigen Sparten um 9,6 Prozent. (Foto: Andrea Damm  / pixelio.de)

Noch 2012 registrierte die Branche einen Anstieg um 3,3 Prozent und 2011 sogar um 17,0 Prozent. Insgesamt war das Niveau daher 2013 weit geringer als vor den Krisenrückgängen von 2009 (-29,8 %) und 2010 (-0,9 %). Im Januar und Februar 2014 war der Inlandsumsatz im finnischen Maschinen- und Anlagenbau nochmals um 13,8 beziehungsweise 13,1 Prozent niedriger als vor Jahresfrist. Das Gesamtjahr sollte ebenfalls einen Nachfragerückgang bringen: Die EU-Kommission erwartete im Mai, dass sich die finnischen Ausrüstungsinvestitionen 2014 um 6,3 Prozent gegenüber 2013 verringern werden.

Ein Grund für diese Zurückhaltung sind die Konjunkturaussichten in der Industrie und in der Bauwirtschaft. Die finnischen Bauinvestitionen sollen 2014 um 1,0 Prozent sinken, erwartete der nationale Branchenverband im April. Der Ausstoß der finnischen Industrie war im ersten Quartal 2014 um 5,8 Prozent geringer als in den ersten drei Monaten 2013. Der Gesamtumsatz im verarbeitenden Gewerbe war bereits 2012 leicht (-0,4 %) und 2013 merklich (-4,4 %) gesunken. Doch lagen die Auftragseingänge zumindest in der bedeutenden Metallindustrie im ersten Quartal 2014 um 8,6 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums.

Insgesamt stiegen die Bestellungen im verarbeitenden Gewerbe um 2,8 Prozent, wenngleich es in der Textilindustrie (-9,9 %), der Papierindustrie (-8,3 %) und der Chemiebranche (-2,1 %) weniger Neuaufträge gab. Die Kapazitätsauslastung des verarbeitenden Gewerbes war im März 2014 mit 80,1 Prozent in etwa so hoch wie vor Jahresfrist (80,0 %).

Strukturwandel in der Industrie

Auf die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen wirkt sich darüber hinaus der Strukturwandel stark aus, den die Industrie seit dem Krisenjahr 2009 durchläuft. Gesunken ist vor allem die Bedeutung der Elektronik- und Elektroindustrie, die 2008 noch 4,6 Prozent, aber 2013 lediglich 1,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwirtschaftet hat. Hauptursache hierfür ist der Umsatzeinbruch des einstigen Mobiltelefon-Weltmarktführers Nokia. Ferner haben sich von 2008 bis 2013 die BIP-Anteile der Holz- und Papierindustrie leicht (von 2,4 auf 2,0 %) und von sonstigen Sparten der Metallindustrie stark (von 6,6 auf 4,8 %) reduziert. Insgesamt ging der BIP-Beitrag des verarbeitenden Gewerbes zwischen 2008 und 2013 erheblich von 18,8 auf 12,8 Prozent zurück.

Erstmals seit Jahren hat aber die traditionsreiche Holz- und Papierindustrie im Frühjahr 2014 wieder große Investitionsüberlegungen in Finnland publik gemacht. So hegt die Metsä-Gruppe für die Zellstofffabrik in Äänekoski Ausbaupläne für 1,1 Milliarde Euro. Etwa 160 Millionen Euro will der Konzern UPM in die Zellstoffanlage in Kouvola investieren, und der Wettbewerber Stora Enso plant 110 Millionen Euro für ein Kraftkartonwerk in Varkaus ein. Der Bergbau sollte weiter an Bedeutung gewinnen. Finnland ist reich an Metallen, die durch potenzielle Investoren erforscht werden. Schätzungen haben die Investitionspläne in diesem Sektor 2012 auf bis zu drei Milliarden Euro beziffert.

Perspektiven im Cleantech-Sektor

Generell eröffnet der globale technologische Wandel finnischen Industriebranchen erhebliche Chancen. Weitere neue Projekte gibt es für die in den letzten Jahren schon stark gestiegene Produktion von Biokraftstoffen. Hier forschen finnische Anbieter wie UPM intensiv. Zudem gilt der Cleantech-Sektor als perspektivreich. Nach einer 2012 erschienenen Studie des Naturschutzbundes WWF und der Cleantech Group Finnland könnten sich viele neue Start-up-Firmen erfolgreich etablieren. Darüber hinaus wird den Unternehmen am Forschungs- und Technologiestandort großes Potenzial bei der Entwicklung IKT-gesteuerter Energie- und Produktionsnetze eingeräumt, etwa in der Industrie 4.0 oder bei Smart Grids.

Zuletzt war der Bedarf an Maschinen und Anlagen in Finnland in der Papier- und Holzindustrie, aber auch im Bergbau besonders hoch. Das größte Marktvolumen, gemessen an den neuesten Eurostat-Zahlen zur abgesetzten Produktion, gab es 2012 mit 1,7 Milliarden Euro bei Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen, gefolgt von Hebezeugen und Fördermitteln (1,6 Milliarden Euro), Forst- und Landwirtschaftsmaschinen (1,0 Milliarden Euro) sowie Maschinen für die Papierindustrie (662 Millionen Euro).

An bester Qualität interessiert

Finnlands exportorientierter Maschinen- und Anlagenbau spielt in der landesweiten Wirtschaftsstruktur eine wichtige Rolle und hat auf dem Heimatmarkt in der Regel eine sehr starke Stellung. Allerdings werden viele Maschinenarten nicht im Land hergestellt. Finnische Käufer sind oft an bester ausländischer Qualität interessiert, wobei eine Kooperation mit finnischen Unternehmen einen Vorteil darstellen kann, etwa bei einer gemeinsamen Angebotserstellung für komplexere Ausschreibungen. Unter anderem fertigen bedeutende internationale Firmen wie ABB, Sandvik, Rolls-Royce und Andritz in dem nordischen Land.

Finnische Hersteller sind vor allem bei Ausrüstungen für den Bergbau, die Holz- und Papierindustrie und den Schiffbau im internationalen Vergleich mit führend. Vor allem Kone, Wärtsilä, Metso, Cargotec und Konecranes sind in diesen Sparten tätig. Im Jahr 2012 haben Hersteller von Bau- und Bergbauausrüstungen Anlagen für 2,5 Milliarden Euro auf den Markt gebracht. Weitere 2,4 Milliarden Euro entfielen auf Hebezeuge und Fördermittel. Turbinen und andere Antriebe (außer für Kfz und Flugzeuge) wurden für 2,0 Milliarden Euro, Maschinen zur Papiererzeugung in Höhe von 1,9 Milliarden Euro und Geräte für die Forst- und Landwirtschaft im Wert von 1,0 Milliarden Euro hergestellt.

Deutschland weiterhin wichtigster Lieferant

Finnlands Maschinen- und Anlagenbau verzeichnete 2013 laut ersten Berechnungen einen Umsatzrückgang von 4,6 Prozent. Dabei war das Minus auf dem Inlandsmarkt mit 8,7 Prozent noch größer als im Auslandsgeschäft (-2,9 %). Die großen finnischen Hersteller sind in den aufstrebenden Schwellen- und Transformationsländern allgemein gut vertreten. Hier konnte nur Kone seinen Umsatz im letzten Jahr steigern. 2012 waren im finnischen Maschinen- und Anlagenbau genau 1.543 Unternehmen registriert. Diese erzielten mit 44.022 Mitarbeitern einen Produktionswert von 14,5 Milliarden Euro bei einer Wertschöpfung von 3,8 Milliarden Euro. Damit erzeugten die Maschinen- und Anlagenbauer innerhalb des finnischen verarbeitenden Gewerbes 2012 etwa 13,0 Prozent der Gesamtherstellung. Dazu stellten sie dort 14,2 Prozent aller Arbeitsplätze. Auf die Wartung und Reparatur von Maschinen und Anlagen entfielen 2012 nochmals 5,4 Prozent aller Stellen und 2,6 Prozent der Produktion im verarbeitenden Gewerbe.

Die finnischen Importe von wichtigen Maschinen und Anlagen fielen 2013 um 9,6 Prozent auf ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro. Bereits 2012 hatte es eine leichte Abnahme um 0,8 Prozent gegeben, zuvor allerdings einen kräftigen Anstieg um 26,2 Prozent (2011). Die Einfuhren aus Deutschland sanken 2013 sogar um 8,0 Prozent auf 396 Millionen Euro (2012: +1,1 %). Dennoch war Deutschland 2013 mit einem Importanteil von 23,7 Prozent erneut der wichtigste Lieferant von Maschinen und Anlagen. Bedeutende Anteile hatten auch Wettbewerber aus Schweden (15,1 %) oder Italien (7,0 %). Die stärkste Marktposition besaßen deutsche Hersteller in Finnland bei Kunststoff- und Gummimaschinen, wo sie 2013 etwa 46,2 Prozent aller Importe stellten, sowie bei Textil- und Ledermaschinen (40,0 %), Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (36,5 %), Pumpen und Kompressoren (33,3 %), Holzbearbeitungsmaschinen (28,7 %) und Werkzeugmaschinen (27,7 %).

Verfasser: Torsten Pauly
Quelle: Germany Trade & Invest

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