Schrottmarktbericht August 2014: Enger Schrottmarkt

Weitgehend unveränderte Preise bei ferien- und betriebsbedingt angepasster, aber guter Nachfrage meldete der Handel für den Berichtsmonat Juli.

Zu Beginn der Vertragsverhandlungen liebäugelten einige Verbraucher mit leichten Preisreduzierungen, die sich angesichts eines regional zum Teil festen Schrottangebotes jedoch nicht durchsetzen ließen. Der Schrotteingang bei den Altschrotten blieb weiter hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere die Sorte E3 wird gesucht. Hinzu kam, dass einzelne Händler noch Altverträge einzudecken hatten und die Exportmöglichkeiten in die Türkei im Juli wider Erwarten auf einem relativ hohen Niveau stabil blieben. Zudem gab es Verbraucher, die sich nicht im gewünschten Umfang mit bestimmten Qualitäten eindecken konnten und daraufhin Sonderpartien zur prompten Lieferung kauften. Alle Ereignisse zusammen genommen führten bei vielen Händlern ab der 29. Kalenderwoche zu einer verminderten Lieferbereitschaft und schürten die Preissteigerungsphantasien für die Zeit nach den Ferien, wenn alle Verbraucher wieder mit einem normalen Schrottbedarf in den Markt kommen.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer

Die Stimmung in Italien bezeichneten Händler, bezogen auf die Absatzmöglichkeiten für die Fertigstähle, als gedrückt. Dennoch waren die Schrottbestellungen nach Aussagen deutscher Händler zufriedenstellend. Obwohl die Werke zum Teil die im Juli und August üblichen Werksferien von drei auf vier und zum Teil auf bis sechs Wochen ausdehnen wollen, besteht weiter Kaufinteresse. Während am Monatsanfang unveränderte Preise die Vertragsgrundlage bildeten, erhöhten die italienischen Abnehmer im Laufe des Monats die Preise leicht, obwohl der Schrottzufluss aus dem Inland bemerkenswert hoch war. In den deutschen Nachbarländern waren die Einkaufspreise der Werke ebenfalls weitgehend unverändert.

Einzelne Werke wollten für den Bestandsaufbau offensichtlich gerne mehr kaufen, kamen jedoch trotz Sondermaßnahmen nicht zum Erfolg. Ostdeutschen Verbrauchern ist es zwar gelungen, polnische Mengen zu generieren. Dies scheint aber nur durch entsprechend hohe Kaufangebote möglich gewesen zu sein. Selbst in Griechenland beklagten Anbieter und Nachfrager eine geringe Schrottverfügbarkeit.

Drittlandmarkt

Im Berichtsmonat Juli stabilisierte die Nachfrage der türkischen Verbraucher den europäischen Markt. Die türkischen Werke pokerten lange um den optimalen Zeitpunkt für ihre Zukäufe. Auch sie stehen wie alle anderen Hersteller unter einem enormen Margendruck. Jede Schrottpreissteigerung ist wegen des scharfen internationalen Wettbewerbs nur schwer an die Kunden weiterzureichen. Außerdem belasten die politischen Querelen in den Nachbarländern die Absatzmöglichkeiten insbesondere im Irak. Laut offiziellen Pressemeldungen kauften türkische Verbraucher bis Redaktionsschluss rund 220.000 bis 250.000 Tonnen Schrott auf dem europäischen Kontinent und mussten bei den letzten Bestellungen die Preise um rund fünf US-Dollar pro Tonne anheben, was wegen des schwächer tendierenden Euro etwa fünf Euro pro Tonne ausmachte. Mit einem Bedarf auf Juli-Niveau wird im kommenden Monat gerechnet.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereimarkt

Als ruhig bezeichnete der Handel das Geschehen rund um den Gießereischrottabsatz. Ferienbedingt war der Bedarf gering, und die Abnahme erfolgte bei an keinen Index gebundenen Gießereien zu weitgehend unveränderten Preisen. Genau wie beim Schrottentfall, der stark von der Kapazitätsauslastung der jeweiligen Branchen abhängt, ist der Schrottbedarf der Gießereien je nach Produktionsprogramm sehr unterschiedlich. Während die einen über volle Auftragsbücher verfügen, versuchen andere mit verlängerten Werksferien und Kurzarbeit den Mangel an Bestellungen aufzufangen. Der schwächer tendierende Euro verteuert die Roheisenimporte, was sich wegen des auch im kommenden Monat noch geringen Bedarfs kaum auswirken dürfte.

Aussichten

Für August erwartet der Handel unveränderte bis steigende Preise. Der Schrottbedarf der Werke dürfte wegen der noch bei einigen Werken anstehenden Werksferien geringer sein als im Juli. Nicht vorhersagbar ist das tatsächliche Ausmaß, in dem sowohl der Schrottentfall als auch die Nachfrage durch die ferien- und betriebsbedingten Stillstände rückläufig sein wird. Inwieweit spekulativ Mengen vom Handel zurückgehalten werden, ist nur schwer einzuschätzen angesichts der knappen liquiden Mittel, die weiten Teilen der Schrottwirtschaft zur Verfügung stehen.

Einige Marktteilnehmer sind sehr euphorisch, was die Preisentwicklung im nächsten beziehungsweise übernächsten Monat betrifft. Andere erwarten eine flach verlaufende Entwicklung, weil der Langstahlmarkt keine Anzeichen einer nachhaltigen Preisbelebung erkennen lässt. Außerdem sind die jeweiligen Branchen in Deutschland, wie oben erwähnt, sehr unterschiedlich beschäftigt. Während die Automobilindustrie positiv in die Zukunft blickt, wartet der Maschinenbau auf Aufträge. Dennoch geht Eurofer, die europäische Vereinigung der Stahlwerke, für das dritte Quartal 2014 und für das kommende Jahr von einem ansteigenden Stahlverbrauch aus. Wenn jedoch die erhöhte Nachfrage von erhöhten Importen absorbiert wird, bleiben die Margen unter Druck, und auch die Schrottpreise werden keine davon losgelöste Entwicklung nehmen.
Redaktionsschluss 21.07.2014, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR0814S28)