Handelsdrehscheibe im Osten

In Litauen ist mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Maschinen und Anlagen zu rechnen. Prognosen zufolge werden die Investitionen 2014 um 9,0 Prozent höher ausfallen. Im Jahr 2015 soll es sogar einen Anstieg um 9,8 Prozent geben. Ein Großteil der importieren Ausrüstungen geht als Reexport zumeist in die GUS-Staaten. (Foto: ehuth  / pixelio.de (Vilnius – Blick über die Neris)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Litauens könnte 2014 um 3,3 Prozent und 2015 um 3,7 Prozent steigen. Im Jahr 2013 haben laut einer Erhebung des nationalen Statistikamtes 49 Prozent aller Industrieunternehmen ihre Investitionen erhöht und nur 33 Prozent diese Mittel verringert. Daneben gaben 15 Prozent der Betriebe einen gleich hohen Investitionsstand an. Nur drei Prozent der Befragten haben gemeldet, keine Investitionen zu tätigen. Von den investierenden Industrieunternehmen haben 31 Prozent im Jahr 2013 in erster Linie alte Ausrüstungen ausgetauscht (2012: 30 %). Ferner gaben 25 Prozent an, ihre Kapazitäten ausgeweitet zu haben (2012: 22 %). Weitere 22 Prozent der investierenden Betriebe haben eine Automatisierung, Mechanisierung oder sonstige Modernisierung bestehender Produktionsanlagen vorgenommen (2012: 21 %).

Nicht nur die führenden Indus­triebranchen, auch die Bauwirtschaft und der Logistiksektor sind wichtige Abnehmer von Maschinen und Anlagen im Land. Litauen hat nach wie vor eine starke industrielle Basis, und 2012 hat das verarbeitende Gewerbe gemäß neuesten verfügbaren Zahlen 20,8 Prozent zur landesweiten Wertschöpfung beigetragen. Weitere 13,0 Prozent hat der Logistiksektor erwirtschaftet, dazu entfielen 6,0 Prozent auf das Baugewerbe. Innerhalb der einzelnen Industriezweige war die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie mit einem Anteil von 4,6 Prozent an der litauischen Wertschöpfung führend, gefolgt von der Chemieindustrie (2,3 %), der Petrochemie (2,2 %), der Holz- Papier- und Druckindustrie (2,1 %), der Kunststoff- und Gummiverarbeitung (1,8 %) sowie der Textil-, Leder- und Bekleidungsindustrie (1,6 %).

Erfreuliche Entwicklung eines kleinen Marktes

Wichtige Abnehmerbranchen von Maschinen und Anlagen in Litauen entwickelten sich zuletzt erfreulich. Im ersten Quartal 2014 war der Umsatz in der Kfz-Industrie preisbereinigt um 43,8 Prozent höher als vor Jahresfrist. Kräftige Anstiege konnten auch die Textil- (+21,5 %), Elektronik- (+19,8 %), Möbel- (+17,5 %), Papier- (+15,0 %), Elektro- (+13,6 %), Holz- (+10,2 %) und Nahrungsmittelindustrie (+8,3 %) verbuchen. Allerdings gab es im ersten Quartal 2014 Umsatzrückgänge in der sehr bedeutenden Chemieindustrie (-1,3 %) und der Petrochemie (-40,9 %), ferner in der Metallbearbeitung (-46,7 %) und bei der Fertigung von Fahrzeugen, außer Kfz (-23,4 %). Die bedeutende Raffinerie des Orlen-Konzerns stammt noch aus der Sowjetzeit und müsste modernisieren, um Erdöl verarbeiten zu können, das nicht aus Russland kommt. Auch die beiden in der Chemiebranche führenden Düngerhersteller Achema und Lifosa werden mittelfristig zusätzlich in die Erneuerung ihrer Anlagen investieren müssen. Trotz der guten Aussichten ist Litauen mit drei Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von 34,6 Milliarden Euro auch bei Maschinen und Anlagen als kleiner Markt einzuschätzen. Die Erzeugung der inländischen Branche ist relativ gering und die weitaus höheren Importe von Maschinen und Anlagen werden zum nennenswerten Teil reexportiert. Für 2013 kann das litauische Marktvolumen von Maschinen und Anlagen in grober Annäherung auf etwa 420 Millionen Euro geschätzt werden. Dieser Berechnung liegen der von Eurostat auf 77 Millionen Euro bezifferte Importüberschuss und die vom litauischen Statistikamt ausgewiesene inländische Produktion von 344 Millionen Euro zugrunde. Doch sind beide Kategorien nicht exakt deckungsgleich. Zudem handelt es sich teilweise noch um vorläufige Angaben.

Die Branche ist stark gewachsen

Der Maschinen- und Anlagenbau zählt in Litauen zu den weniger bedeutenden Industriezweigen. Viele Branchenbetriebe sind auch in anderen Sparten der Metallindustrie oder im Logistikgewerbe tätig. Selbst die größeren Unternehmen hatten 2012 in der Regel Umsätze von unter 30 Millionen Euro. Statistischen Angaben zufolge haben die litauischen Hersteller von Maschinen und Anlagen 2013 eine Gesamtproduktion von 344,2 Millionen Euro erzielt. Das entspricht 1,9 Prozent der Erzeugung des gesamten verarbeitenden Gewerbes. Die in der Wartung und Reparatur von Maschinen oder Anlagen tätigen Betriebe kamen 2013 auf einen etwas höheren Betrag von zusammen 363,1 Millionen Euro. Dieser kommt einem Anteil von 2,0 Prozent an der landesweiten Produktion gleich. Im Jahr 2012 waren in Litauen in der Fertigung von Maschinen und Anlagen 5.482 Menschen und mit deren Wartung 7.389 Personen beschäftigt.

Ungeachtet der eher geringen gesamtwirtschaftlichen Bedeutung ist die Branche in dem südbaltischen Land in den letzten Jahren stark gewachsen. Preisbereinigt erhöhte sich die Produktion der Maschinen- und Anlagenbauer 2013 um 19,6 Prozent. Bereits 2012 (+6,7 %), 2011 (+24,7 %) und 2010 (+14,2 %) hatte es jeweils eine starke Ausweitung gegeben, die den Kriseneinbruch von 2009 (-29,6 %) mehr als kompensiert hat. In der Wartung beziehungsweise Reparatur von Maschinen und Anlagen gab es ebenfalls in den letzten Jahren reale Wachstumsraten von 7,5 Prozent (2013), 32,1 Prozent (2012) und 9,4 Prozent (2010). Dem steht jedoch eine leichte Abnahme 2011 (-0,1 %) und ein stärkerer Rückgang 2009 (-9,7 %) gegenüber.

Importe größtenteils aus Deutschland

Die litauischen Importe von Maschinen und Ausrüstungen erhöhten sich 2013 nach ersten Berechnungen um 17,0 Prozent auf 607,7 Millionen Euro. Dabei sind die Lieferungen aus Deutschland überdurchschnittlich stark um 23,6 Prozent auf 162,7 Millionen Euro gestiegen. Der deutsche Anteil an den litauischen Importen von Maschinen und Anlagen hat letztes Jahr nochmals leicht auf 26,8 Prozent zugelegt (2012: 25,3 %). Mit einigem Abstand folgten Lieferanten aus Italien, die 2013 zusammen einen Importanteil von 15,2 Prozent hatten. Andere klassische Herkunftsländer für Maschinen und Anlagen haben letztes Jahr weniger nach Litauen verkauft. Hierzu zählen Schweden mit einem Einfuhranteil von 4,0 Prozent (2012: 5,9 %), Polen (3,7 statt 5,2 % im Vorjahr) oder die Niederlande (3,8 % gegenüber 9,5 % im Jahr 2012). Litauen hat im regionalen Handel eine Funktion als Drehscheibe: Vor allem in die GUS-Staaten werden Maschinen und Anlagen exportiert. Diese Ausfuhren weiteten sich 2013 leicht um 0,7 Prozent auf 530,5 Millionen Euro aus. In erheblichem Umfang zählen hierzu zuvor aus dem Westen eingeführte Ausrüstungen. Die EU hatte 2013 bei den Importen von Maschinen und Anlagen einen Anteil von 90,0 Prozent, bei den entsprechenden Exporten jedoch nur von 10,1 Prozent. Nach Deutschland gingen lediglich 0,8 Prozent aller litauischen Maschinenausfuhren. Für Einfuhrfragen ist die litauische Zollverwaltung (Lietuvos Respublikos muitine) zuständig. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien. In Litauen ist dafür die Abteilung für Standardisierung im Umweltministerium (www.lsd.lt) verantwortlich. Ein Überblick über Institutionen, die für unterschiedliche Zertifizierungen zugelassen sind, findet sich beim Nationalen Akkreditierungsbüro, das beim Wirtschaftsministerium angesiedelt ist (www.nab.lt).

Verfasser: Torsten Pauly
Quelle: Germany Trade & Invest

Foto: ehuth  / pixelio.de (Vilnius – Blick über die Neris)

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