Das Even-Heat-Verfahren

Wiener Spital desinfiziert infektiösen Abfall mit spezieller Mikrowellentechnologie. 

Bisher wurden infektiöse Abfälle mitsamt ihrem Behältnis, einer 60-Liter-Mülltonne, verbrannt. Das Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien richtete eine Stabsstelle für Umweltkoordination und Abfallmanagement ein und wurde dafür gemäß der EMAS (Eco-Management and Audit Scheme)-Richtlinie zertifiziert. Teil des Programms sind zwei Medister-Geräte der österreichischen Meteka GmbH, mit denen der Klinikabfall innerhalb von nur 45 Minuten desinfiziert und dann zusammen mit dem ungefährlichen medizinischen Abfall entsorgt werden kann.

Früher wurde der potenziell infektiöse Abfall der Kategorie I und II des Kaiser-Franz-Josef-Spitals per Gefahrenguttransport abgeholt. Dadurch, dass die Mülltonnen aus Sicherheitsgründen gleich mitverbrannt wurden, waren die Entsorgungskosten sehr hoch. Um dies zu vermeiden, wurde zunächst ein Medister 160 der Firma Meteka angeschafft. Damit konnte allerdings nur eine Abteilung umgestellt werden. Nachdem sich das Verfahren bewährt hatte, besorgte die Stabsstelle noch ein zweites Gerät, mit dem nun weitere Bereiche arbeiten können. In den verschiedenen Abteilungen fallen vor allem Abfälle an, die mit gefährlichen, krankheitsauslösenden Erregern behaftet sind.

Höchstmögliche Sicherheit

Der potenziell gefährliche Abfall wird auf jeder Station in sogenannten Meditainern gesammelt. Dabei handelt es sich um stichfeste Behälter, die ex­tra für die Entsorgung und Desinfektion des Abfalls in den Medister-Geräten entwickelt wurden. Die Hausaufsicht holt den gesammelten Abfall der jeweiligen Stationsbereiche täglich ab, was durch den einfachen Austausch der Meditainer, die zudem mit einem verriegelbaren Deckel verschlossen werden können, schnell und sicher zu bewerkstelligen ist. Dadurch kann der Kontakt des Personals mit dem kontaminierten Material vermieden und höchstmögliche Sicherheit für die Angestellten und nicht zuletzt für die Patienten gewährleistet werden. Die Hausaufsicht transportiert die Behälter ins eigens eingerichtete Entsorgungszentrum, wo sie zur Dekontamination des Abfalls einfach und sicher in den Medister gestellt werden. Bisher geschieht der Transport noch per Lkw; in Zukunft werden die potenziell infektiösen Abfälle dann per Tunnelsystem zur Sammelstelle gebracht. Nach der Behandlung im Medister kann der Abfall zusammen mit dem Restmüll entsorgt werden.

Schnell, energiesparend, ohne Chemikalien

In den Meditainer-Behältern sind Müllsäcke eingehängt, die mit dem kontaminierten Abfall befüllt und nach dem Desinfektionszyklus entsorgt werden können. Die Behälter selbst können bis zu tausend Mal wieder verwendet werden. Mittels eines thermischen Verfahrens, basierend auf Mikrowellentechnologie, wird direkt im zuvor befeuchteten Abfall Wärme erzeugt. Die Desinfektionstemperatur von 97 bis 100 Grad Celsius wird für 25 Minuten konstant gehalten. Durch dieses Even-Heat genannte Verfahren können die Infektionserreger schnell und sicher unschädlich gemacht werden. Und das auch bei einer inhomogenen Zusammensetzung des Abfalls.

Das Even-Heat-Verfahren benötigt nur geringe Mengen an Energie sowie Wasser und keinerlei Chemikalien oder externe Dampfzufuhr. Zudem gelangen während des Vorgangs keine Emissionen in die Luft, wie es bei der Verbrennung des kontaminierten Abfalls der Fall war. Da die Geräte auch im Stand-By-Zustand im Vergleich zu anderen Methoden sehr energiesparend sind, das Abfallvolumen durch die Erhitzung um 30 Prozent reduziert wird und die Entsorgung über Sondermüll sowie ein Gefahrenguttransport überflüssig wird, ergibt sich gegenüber anderen Lösungen laut der Stabsstelle eine enorme Kostenersparnis für das Spital.

www.meteka.com

(EUR0814S38)

Der potentiell infektiöse Abfall des Wiener Spitals wird auf den einzelnen Stationen gesammelt, ins Entsorgungszentrum transportiert, dort desinfiziert und dem Restmüll zugefügt – Foto: Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien