Kroatien: Der EU-Beitritt wirkt bisher kaum als Wachstumsmotor

Aufgrund restriktiver Kreditkonditionen haben viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) im Land mit Finanzierungsengpässen zu kämpfen. Im Bereich Maschinenhandel zieht die Nachfrage leicht an. Belebende Impulse kommen hier von der Exportindustrie und ihren Zulieferern, vor allem in der Metallbearbeitung. (Foto: Makrodepecher  / pixelio.de (Altstadt von Dubrovnik)

Der Bedarf an Maschinen und Anlagen in Kroatien wird zum größten Teil aus dem Ausland gedeckt. Mit der Wirtschaftskrise von 2008/2009 hat sich der Markt allerdings fast halbiert und erholt sich unter einem erhöhten Wettbewerbsdruck seit dem EU-Beitritt im letzten Jahr, der bisher kaum als Wachstumsmotor wirkt, nur langsam. Als größtes Investitionshemmnis gelten nach wie vor die restriktiven Kreditkonditionen der Banken beziehungsweise die fehlende Kreditfähigkeit vieler Unternehmen.

Die Kreditvergabe an Firmen war den Informationen zufolge Anfang 2014 weiter rückläufig, ebenso wie die Anzahl neuer Leasingverträge in der Kategorie Anlagen, Maschinen und Beförderungsmittel: minus 8,5 Prozent im ersten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahresquartal.

Wenig Akzeptanz für HBOR-Förderprogramme

Von Finanzierungsengpässen ist vor allem der KMU-Sektor betroffen. Die 2012 eingeführten Förderprogramme der kroatischen Entwicklungsbank HBOR sind bei den Geschäftsbanken auf nur wenig Resonanz gestoßen. Sie sehen die zulässigen Zinsmargen zur Risikoabdeckung am Markt durchweg als zu gering an. Ein neues HBOR-Fördermodell soll Abhilfe schaffen, wie es aus Expertenkreisen heißt.

Die größeren Banken bieten inzwischen eine komplette Dienstleistungspalette für KMU bei der Nutzung von EU-Fördermitteln an. Das verspricht, die Akzeptanz zu erhöhen. Eine neue Ausschreibung für KMU-Projekte zur Wettbewerbsstärkung ist für Herbst 2014 angekündigt. Förderfähig sind unter anderem der Erwerb von Maschinen und Anlagen sowie Investitionen in die Produktionsausweitung. Im EU-Finanzrahmen 2014 bis 2020 sind dafür knapp eine Milliarde Euro eingeplant. Für Investitionen in der verarbeitenden Industrie spielen zudem nationale Förderprogramme eine Rolle. Beim kroatischen Wirtschaftsministerium läuft eine Ausschreibung über 132,5 Millionen Kuna (1 Euro = 7,58 Kuna, Stand Juni 2014).

Auch gebrauchte Technik ist gefragt

Am Markt sind wieder mehr Werkzeugmaschinen gefragt. Der Handel beobachtet seit dem EU-Beitritt Kroatiens ein kontinuierliches Nachfragewachstum. Zinsgünstige Finanzierungsangebote seien entscheidend. Sowohl größere Exportunternehmen als auch kleine Metallverarbeiter in den Grenzregionen zu Slowenien und Ungarn, Medjimurje, Varazdin und Zagorje fragen mehr Maschinen nach. Ein Engpassfaktor ist die Knappheit von CNC-Bedienern. Die Zulieferer der Schiffbauindustrie leiden nach wie vor unter dem Kapazitätsabbau in den Großwerften. Zweistellige Zuwachsraten (von niedrigem Niveau aus) verzeichneten 2013 die Importe von Bearbeitungszentren, Dreh- und Schleifmaschinen sowie Werkzeugmaschinen zur spanlosen Metallbearbeitung. Generell ist auch gebrauchte Technik gefragt.

Für Kunststoffmaschinen könnten sich die Absatzperspektiven verbessern, wenn die kräftige Produktions- und Exportbelebung für Kunststoff- und Gummierzeugnisse anhält, wie sie Anfang 2014 zu beobachten war. Derzeit berichten Branchenkreise von einem stagnierenden Markt für neue Anlagen. Bei hoher Kapazitätsauslastung würde aber das Geschäft mit Ersatzteilen gut laufen. Weiterhin gibt es Bedarf an Gebrauchttechnik. Im Rahmen der EU-Strukturhilfen dürften Maßnahmen zur Verbesserung der Produktqualität gefragt sein. Kroatiens größter Kfz-Zulieferer, Ad Plastik, will ein 20-Millionen-Euro-Projekt für die Produktion von Kunststoffteilen mit einer EU-Kofinanzierung umsetzen.

Die kroatische Nahrungsmittelindustrie hatte sich mit größeren Investitionen auf den Beitritt zur Europäischen Union vorbereitet. Hier liegt der Investitionsschwerpunkt in der kontinuierlichen Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit sowie der Ausweitung des Produktionssortiments. So will Kroatiens größter Fleischverarbeiter, PIK Vrbovec, jährlich rund 50 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Anlagen investieren. Im Frühjahr 2014 hat der Lebensmittel- und Großhandelskonzern Atlantic Grupa ein 16-Millionen-Euro-Projekt für Energieriegel in Nova Gradiska gestartet. Wegen des Verlusts von Zollprivilegien im CEFTA-Raum sind allerdings weitere Produktionsverlagerungen kroatischer Nahrungsmittelhersteller dorthin nicht auszuschließen.

Chancen für Investitionen

Allgemein leidet die Nachfrage nach Druck- und Papiertechnik unter der geringen Auslastung der Druckerei- und Verlagskapazitäten. Der Hersteller von Wellpappenverpackungen Dunapack plant allerdings in Zabok eine Kapazitätsausweitung für neun Millionen Euro. Für Holzbearbeitungstechnik haben sich die Absatzperspektiven im Zuge der steigenden Produktion und Exporte der Holz- und Möbelindustrie aufgehellt. Die Nachfrage nach neuen Anlagen geht vor allem von großen, exportorientierten Sägewerken aus. Angelaufen sind Investitionen von insgesamt 200 Millionen Kuna bei Glina und Vrbovsko.

Auch in der Holzindustrie kämpfen KMU mit fehlender Liquidität. Chancen für neue Investitionen bestehen nach wie vor für Fertigprodukte wie Möbel und Parkett, die etwa 30 Prozent des jährlichen Holzangebotes umsetzen. Der Möbelhersteller TVIN baut in Virovitica für 30 Millionen Kuna neue Kapazitäten für die Fertigung von Möbelelementen. In einer Reihe von Unternehmen muss noch in die Anpassung an EU-Normen investiert werden, wie bei der Oberflächenbehandlung von Endprodukten und beim Arbeits- und Brandschutz in Sägewerken. Erheblichen Nachholbedarf gibt es bei Lackiertechnik, der wegen der niedrigen Exportquote aber kaum realisiert werden dürfte.

Bedarf an Textil- und Ledermaschinen entsteht im Zusammenhang mit ausländischen Investitionen in Nordkroatien. Der österreichische Lederhersteller Wollsdorf will bei Varazdin 8,5 Millionen Euro in die Produktion von Auto- und Flugzeugleder stecken. Am gleichen Standort plant auch der italienische Bekleidungshersteller Calzedonia, seine Fertigung auszuweiten. Der Baumaschinenmarkt leidet stark unter der anhaltenden Baukrise. Für Fördertechnik ergeben sich Chancen im Zusammenhang mit Hafeninvestitionen, vor allem beim Ausbau der Containerterminals in Rijeka. Und die Pharmaindustrie investiert ebenfalls noch in neue Anlagen. So auch das zweitgrößte Branchenunternehmen Belupo, das ab 2015 für rund 50 Millionen Euro in Koprivnica ein Werk für Arzneimittel plant. JGL Rijeka investiert 45 Millionen Euro in den Standort Svilno. In der Mineralölsparte wird die Modernisierung der INA-Raffinerien in Rijeka und Sisak immer unwahrscheinlicher.

Die Umsetzung von Projekten in der Wasserwirtschaft mit Kohäsionsfondsmitteln soll schon bald starten. Für die Vorhaben in Vukovar, Cakovec und Zupanja – eine 95-Millionen-Euro-Gesamtinvestion – könnten demnächst die Ausschreibungsrunden beginnen. Im Abfallbereich steht unter anderem der Bau eines regionalen Abfallwirtschaftszentrums in Piskornica (Nordkroatien) an. Im Energiesektor soll bis Jahresende der strategische Partner für den Ausbau des Wärmekraftwerks Plomin feststehen. Partner werden auch für das Wärmekraftwerk in Slavonski Brod gesucht. Die Realisierung von Wasserkraftprojekten verzögert sich wegen Umweltschutzauflagen, planungsrechtlicher Probleme und offener Finanzierungsfragen.

Chinas Maschinenbauer rücken vor

Die kroatische Produktion von Maschinen und Anlagen ist nach dem Zerfall Jugoslawiens stark geschrumpft. In Zadar, einem ehemaligen Zentrum der Werkzeugmaschinenproduktion, gibt es noch immer ein bedeutendes Fachkräftepotenzial. Die Hersteller von Dieselmotoren wie Adriadiesel und 3. Maj MID bekommen den Kapazitätsabbau in den privatisierten Schiffswerften zu spüren. Andererseits gibt es Betriebe in Kroatien, die in die Arbeitsteilung international führender Maschinenbauer eingebunden sind. Einige von ihnen konnten ihre Position stärken. So hat Alstom ein Produktionssegment aus dem Vereinigten Königreich nach Karlovac verlagert. Noch bis 2015 sollen circa 15 Millionen Euro in die dortige Fertigungsoptimierung fließen. Ausgeweitet werden auch die Kapazitäten von Harburg-Freudenberger in Belisce (Maschinen für die Reifenindustrie). Das kroatische Statistikamt hatte 2011 in der Sparte Maschinen- und Anlagenbau 790 Firmen mit durchschnittlich 14 Beschäftigten registriert. Viele stellen als Subunternehmer Teile her. Der Branchenumsatz erreichte knapp 670 Millionen Euro: plus 14,6 Prozent gegenüber 2010.

Kroatiens Einfuhren von wichtigsten Maschinenarten lagen 2013 nominal in etwa auf dem Niveau von 2012 (+1,6 Prozent) und erreichten 391 Millionen Euro. Deutsche Anbieter konnten letztes Jahr mit 25,1 Prozent am Gesamtimport ihre Spitzenposition halten. Wettbewerber aus Italien folgten mit einem Anteil von 14,6 Prozent. An dritter Stelle sind Maschinenbauer aus der Volksrepublik China vorgerückt (12,7 Prozent), die insbesondere bei Fördertechnik zulegt haben. Die Plätze 4 und 5 belegten Österreich mit 7,4 und Slowenien mit 6,3 Prozent.

Verfasserinnen: Erika Anders-Clever, Snjezana Buhin Peharec
Quelle: Germany Trade & Invest

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