Der Bedarf lässt den Alt­papier­absatz steigen

Es ist kein Geheimnis, dass der globale Bedarf an Verpackungen wächst, nicht zuletzt aufgrund der industriellen Produktion in China und anderen Schwellenländern. Dabei spielt vor allem Altpapier als Rohstoff für die Erzeugung von Verpackungspapieren eine bedeutende Rolle. (Foto: Joujou  / pixelio.de)

Innerhalb des internationalen Sekundärrohstoffmarktes für den Verpackungsbereich hat Papier mit 65 Prozent den größten Anteil, zumal bei Papier und Pappe – weltweit gesehen – auch die höchsten Altpapier-Einsatzquoten zu verzeichnen sind. Nach den Ergebnissen der aktuellen Studie „The Future of Sustainable Packaging to 2018“ des britischen Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Smithers Pira soll der globale Markt für Verpackungen auf Altpapierbasis um fünf Prozent pro Jahr wachsen und 2018 einen Umfang von umgerechnet etwa 103,7 Milliarden Euro annehmen.

Regionale Unterschiede

In Europa liegt die durchschnittliche Altpapier-Recycling­rate bei über 70 Prozent, wobei in einigen Ländern wie Belgien und Österreich den Angaben zufolge Spitzenwerte von fast 90 Prozent erreicht werden. In den USA stieg nach den Informationen der britischen Marktforscher die Altpapiererfassung seit 1990 um 81 Prozent und gipfelte in der aktuellen Recyclingquote von 70 Prozent. In Osteuropa und anderen Teilen der Welt sind solche Quoten noch nicht realisiert, hauptsächlich weil die notwendige Recycling-Infrastruktur fehlt.

Die Nachfrage nach Zellstoff aus Frischfasern und Altpapierstoff für die Papierproduktion nimmt vor allem in Asien rasant zu, denn in China, Indien und anderen Ländern dieses Kontinents leben die Menschen, deren Papierverbrauch pro Kopf am schnellsten steigt. Allein in der Volksrepublik China war seit 2008 eine Wachstumsrate von 6,5 Prozent im Hinblick auf Papierverpackungen zu beobachten; dies ist nach Einschätzung der britischen Marktforscher weltweit einmalig. Diese eigentlich positive Entwicklung hat jedoch auch Nachteile. In ihrer Analyse kommen die Experten von Smithers Pira zu dem Schluss, dass die Nachfrage nach Recyclingpapier das vorhandene Angebot an Altpapierstoff um jährlich 1,5 Millionen Tonnen übertreffen wird. Anscheinend kann diese Lücke in absehbarer Zeit nicht geschlossen werden, denn das britische Unternehmen weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Papierindustrie in den Ländern neue Produktionskapazitäten aufbaut, in denen der Bedarf an Papierverpackungen am größten ist.

Weitere Anwendungen

Als einen der am schnellsten wachsenden Märkte für Papiere auf Altpapierbasis haben die britischen Forscher den Gastronomiebereich identifiziert. Obwohl er aktuell weniger als ein Prozent des Gesamtmarktes für Recyclingpapiere ausmacht, soll in diesem Sektor der Bedarf schneller steigen als im Verpackungsbereich. Wenn sich die Wirtschaftslage verbessere, werde sich auch der FoodService-Markt positiv entwickeln, lautet das Argument. Zusammen mit dem sich verstärkenden Umweltbewusstsein der Verbraucher im Hinblick auf die Abfallsituation treibe dies die Nachfrage nach Recyclingpapier weiter an. Industrieunternehmen beteiligten sich aktiv an diesem Markt, zumal der Druck von Regierungsseite ebenso steige wie der von verschiedenen Umweltorganisationen.Hinzu kommt, dass nach Ansicht von Smithers Pira Papier künftig auch genutzt wird, um den Kunststoff Polystyrol (Styropor) zu ersetzen. Etliche maßgebliche Akteure in der Industrie experimentierten mit Papierverpackungen oder hätten bereits den Wechsel vollzogen, konstatierte das Unternehmen mit Sitz in Leatherhead (Surrey). So verwende die große US-amerikanische Kaffeehauskette Starbucks ausschließlich Papierbecher und beteilige sich an Recyclinginitiativen.

Ein weiteres Beispiel für den Altpapiereinsatz in Verpackungen, die für Lebensmittel geeignet sind, lieferte kürzlich der kanadische Hersteller Cascades. Das Unternehmen brachte unter dem Produktnamen „Respak“ einen recyclingfähigen und kompostierbaren Karton auf den Markt, der zu 50 Prozent aus Altpapier besteht. Nach Herstellerangaben entspricht das neue Produkt den wichtigsten Standards zur Lebensmittelsicherheit, einschließlich jenen der US-amerikanischen Food and Drug Adminis­tration, und verfügt über eine Barriere, die Wasser ebenso abwehrt wie Öl und Fett. „Respak“ ist nach Überzeugung des Anbieters ebenso leistungsfähig und haltbar wie traditionelle mehrfach beschichtete Verpackungen, die sich allerdings nicht recyceln lassen.

Brigitte Weber

(EUR0914S28)