„Recyclingpotenziale dringend erschließen“

Öko-Institut-Studie: Für die Wiederverwertung von Seltenen Erden aus Permanentmagneten von modernen und hocheffizienten Elektromotoren müssen in den kommenden Jahren tragfähige Recyclingkonzepte entwickelt werden.

Noch werden die Motoren von Industrieanwendungen an ihrem Lebensende nicht gesondert gesammelt und entsorgt, das Potenzial zur Rückgewinnung der Seltenen Erden damit nicht gehoben. Dies ergaben eine Befragung von mehreren hundert baden-württembergischen Industrieunternehmen und eine darauf aufbauende Studie des Öko-Instituts.

Die Erhebung des Öko-Instituts mit dem Titel „Untersuchung zu Seltenen Erden: Permanentmagnete im industriellen Einsatz in Baden-Württemberg“ zeigt ein beträchtliches Potenzial für das Recycling Seltener Erden aus dem stark wachsenden industriellen Einsatzbereich der Permanentmagnete auf. So haben europäische Unternehmen im Jahr 2012 bis zu zwei Millionen Elektromotoren mit Permanentmagneten für industrielle Anwendungen hergestellt, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Davon wiederum wird etwa die Hälfte der Magnete, die gut 30 Prozent Seltene Erden enthalten, hierzulande in Industrieanlagen eingesetzt, die andere Hälfte der Motoren entweder direkt oder als Teil von Maschinen und Anlagen ins Ausland exportiert.

Infrastruktur bis spätestens 2030

Ein Fünftel der Gesamtförderung an Seltenen Erden wird aktuell für die Herstellung der Hochleistungsmagnete insbesondere in kleinen Motoren eingesetzt, etwa in Festplatten oder optischen Laufwerken von Unterhaltungselektronik. Zukünftig sollen insbesondere Einsatzgebiete von Elektromotoren für Fahrzeuge, für getriebelose Windkraftanlagen sowie zu einem bedeutenden Teil für Elek­tromotoren und -generatoren in der Industrie stark wachsen. Fast die gesamte Förderung des Seltene-Erden-Elements Dysprosium beispielsweise wird auf die Fertigung der Magneten verwendet. Dies macht sich auch in hohen Preisanstiegen bemerkbar: Dysprosium hat sich von 150 US-Dollar pro Kilogramm im Jahr 2009 auf 660 US-Dollar in 2013 verteuert.

Bislang gibt es für den zunehmend ansteigenden Stock an Elektromotoren mit Permanentmagneten keine ausreichende Sammlung und Wiederverwertung. So landen die Dauermagnete nach spätestens 30 Jahren im Stahl- oder Kupferschrott oder werden sogar über den Hausmüll entsorgt. Damit gehen der Industrie in Deutschland schon heute 35 bis 40 Tonnen Neodym-Eisen-Bor-Magnete verloren. Dieses Potenzial muss nach Ansicht der Autoren der Studie dringend erschlossen werden.

Dr. Matthias Buchert, Öko-Institut: „Spätestens wenn im Jahr 2030 rund 100 Tonnen Neodym-Magnete entsorgt werden, muss die Infrastruktur für die Sammlung, Trennung und das Recycling für Magnetschrotte stehen. Der Abbau von Seltenen Erden mit Schwerpunkt in China wirkt sich vielfach negativ auf die Umwelt aus. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen führen beispielsweise der Abbau in den Lagerstätten, die fast alle radioaktive Begleitstoffe enthalten, zu hohen Umweltschäden und zu Erkrankungen von Arbeitern und Anwohnern.“

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(EUR0914S29)