Schrottmarktbericht September 2014: Preise erholen sich in unsicherem Marktumfeld

Die Preiserhöhungen der Verbraucher bewegten sich im Berichtsmonat August – getrieben von den Im-portaktivitäten türkischer Stahlwerke – je nach Sorte und Werk bei durchschnittlich 5 bis 10 Euro pro Tonne.

Der Einkaufspreis für die Altschrotte lag am oberen Ende der Preisspanne, während die Neuschrotte preislich abgestuft zugekauft wurden. Der Bedarf der Werke war ferienbedingt beziehungsweise betriebsbedingt angepasst und recht unterschiedlich; dennoch lag die zugekaufte Gesamtmenge in etwa auf dem Niveau des Vormonats. Um bis zu 10 Euro pro Tonne höhere Preise bezogen auf den Vormonat zahlten die ost- und norddeutschen Werke, wobei vereinzelt höhere Preise erzielt werden konnten. Technische Probleme hemmten im August den Bedarf des Stahlwerks im Südwesten Deutschlands. Die anfänglich angebotenen 10 Euro pro Tonne wurden im Laufe der Verhandlungen zurückgenommen, der Zukauf wurde jedoch fortgesetzt, wenn auch in vermindertem Maße. Im Westen hatte ein Verbraucher im August wegen der Zustellung eines Hochofens von Juli bis Oktober keinen Zukaufbedarf, was nach Meldungen aus informierten Kreisen auch im kommenden Monat der Fall sein wird. Voll ausgelastet sind dagegen die Walzwerke des Verbrauchers, da sie zusätzlich Importmaterial aus Übersee verarbeiten. Vereinbarungsgemäß gehen rund 50 Prozent der im südamerikanischen Tochterunternehmen produzierten Vorprodukte zur Weiterverarbeitung ans Mutterwerk nach Deutschland. Die übrigen Verbraucher mit einem teilweise ebenfalls reduzierten Bedarf erhöhten die Preise um bis zu 10 Euro pro Tonne. Der Absatz für die Sorte E2 gestaltete sich durch den Nachfrageausfall im August im Westen schwierig.

Der Handel hatte den Eindruck, dass die Preisanhebungen im August zum Teil darauf basieren, dass einige Verbraucher ein Versorgungsproblem im September vermeiden wollten und daher über Bedarf einzukaufen versuchten.Eine Vorhersage über die Entwicklung von Angebot und Nachfrage im September ist sehr schwierig, da der Grad der Bevorratung der Werke und deren tatsächlicher Bedarf genauso unbekannt sind wie die Lagerhaltung des Schrotthandels. Liquiditätsprobleme plagen alle Marktbeteiligten; von daher ist von einem begrenzten Lageraufbau auf beiden Seiten auszugehen. Die Auftragslage der Werke scheint zufriedenstellend zu sein, obwohl die Stimmung hinsichtlich der weiteren Entwicklung sehr verhalten ist. Laut Informationen aus Handelskreisen standen die Sorten E8 und E5 ausreichend zur Verfügung, während der Zulauf an E1 und E3 weiterhin schwach und die Nachfrage größer ist als das Angebot. Aus Stahlwerkskreisen war zu erfahren, dass eine ausreichende Schrottversorgung bis mindestens in der ersten Septemberwoche gelungen sei.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer

Die meisten italienischen Werke kommen nach und nach aus den Sommerferien zurück. Wegen des dadurch geringen Bedarfs blieben die Preise unverändert. Lediglich zwei bis drei durchproduzierende Werke zahlten für prompte Lieferungen durchschnittlich 3 Euro pro Tonne mehr. Die relative Preisstabilität in Süddeutschland und das zur Verfügung stehende Schrottinlandsaufkommen unterstützten diese Entwicklung. Für die anstehende Einkaufsperiode wird mit einer Preisanpassung auf das europäische Niveau gerechnet. Einen erfreulich hohen Bedarf hatte der Verbraucher in Luxemburg. Er hob die Beschaffungspreise je nach Sorte um 7,50 bis 10 Euro pro Tonne an. Mit der steigenden Lieferbereitschaft des Schrotthandels erhöhte sich allerdings seine Weigerbereitschaft, wodurch für ihn im Endeffekt die Preiserhöhung moderater ausfallen dürfte. Ferien- und betriebsbedingt war der Verbrauch in der Schweiz ebenfalls reduziert, und die benötigten Importmengen konnten auf Basis unverändert zugekauft werden. Identisch war das Einkaufsverhalten in Österreich. Über Preisanpassungen von 10 Euro pro Tonne freuten sich die polnischen und auch tschechischen Lieferanten. Bis zu 10 Euro pro Tonne mehr zahlten auch die Verbraucher in Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Sondereffekt Türkei

Seit dem bvse-Julimarktbericht haben türkische Werke laut internationalen Meldungen 42 Ladungen beziehungsweise rund 1,4 Millionen Tonnen Schrott überall dort gekauft, wo sie mit den Tiefseeexporteuren einig geworden sind. Üblicherweise werden etwa 20 Ladungen im Monat importiert. Bemerkenswerterweise haben integrierte türkische Werke in Europa Schrott bestellt. Dieses Einkaufsverhalten ist der Tatsache geschuldet, dass die Rohstoffversorgung in Form von Roheisen und Knüppeln aus der Ukraine fragwürdig geworden beziehungsweise unterbrochen ist. Gleichzeitig drängen die russischen Mitbewerber in die entstehenden Lücken, füllen sie und bieten das Material zu höheren Preisen an. Die türkischen Verbraucher haben zur eigenen Versorgungssicherheit umgehend auf Schrott umgestellt. Dabei ist es ihnen gelungen, das Preisniveau trotz der umfangreichen Zukäufe unter Kontrolle zu halten. Die Preissteigerungen lagen innerhalb der vergangenen vier Wochen bei 10 bis 15 US-Dollar pro Tonne, wobei die Frachten leicht angestiegen sind. Genau wie alle anderen europäischen Stahlhersteller stehen auch die türkischen Produzenten unter einem hohen Angebotsdruck, der es ihnen nicht erlaubt, die gewünschten Preiserhöhungen durchzusetzen. Obwohl der weltweite Schrotthandel im Moment von der Ukrainekrise profitiert, drängt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit auf.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereimarkt

Die Gießereien, die frei verhandelte Schrottmengen kaufen, boten Einkaufspreise je nach Sorte von unverändert bis zu 10 Euro pro Tonne an. Nach wie vor hat sich am unterschiedlichen Auslastungsgrad der Gießereien nichts geändert. Ferienbedingt war der August ein eher ruhiger Monat. Allerdings sieht der Schrotthandel die Preise für einige Sorten als nicht mehr kostendeckend an. Die zu schmale Differenz zwischen zum Beispiel Kupolofen- und Abbruchschrottpreisen hat zu einem reduzierten Angebot des Schrotthandels geführt.

Von sinkenden Preisen für Import-Roheisen, mit denen die ein oder andere Gießerei gerechnet hat, ist nicht auszugehen. Einerseits verteuert der nachgebende Euro die Einfuhr und andererseits bemühen sich die russischen Hersteller aufgrund des ausbleibenden Angebots aus der Ukraine, die Preise zu erhöhen. Produzenten, zu deren Auftraggebern Kunden in Russland und der Ukraine gehören, spüren mittlerweile die Auswirkungen des Embargos, wobei teilweise versucht wird, die damit verbundenen Auftragseinbrüche über Kurzarbeit aufzufangen.

Das Problem scheint das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erkannt zu haben, und stellt ab sofort über seine bundeseigene Außenwirtschaftsgesellschaft GTAI online Informationen (www.gtai.de/russland-sanktionen) zu aktuellen Aspekten der EU-Russland-Sanktionen zur Verfügung. Unterstützende Hinweise zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe wurden aufgenommen. Es fehlen dagegen Hinweise, wie der langfristige Verlust der Absatzmärkte zu überwinden ist.

Aussichten

In Handelskreisen werden für den kommenden Monat steigende Preise erwartet. Das Gros der Marktteilnehmer geht davon aus, dass die Preise bezogen auf das Juliniveau im September um 10 bis 15 Euro pro Tonne höher liegen werden, wenn sich ab dem kommenden Monat die Produktion wieder normalisiert. Die hohe Zukaufmenge der türkischen Verbraucher wird sich auf den Septemberschrottmarkt auswirken, sodass Preissenkungen wohl auszuschließen sind.

Die meisten Stahlwerke melden eine zufriedenstellende Auslastung, obwohl der Wettbewerb mit Anbietern aus Drittländern immer härter wird und dadurch Preiserhöhungen kaum durchsetzbar sind. Abgesehen von den nach wie vor zum Teil nicht auskömmlichen Margen könnte der Schrotthandel zufrieden sein. Bei näherer Betrachtung der Fundamentaldaten in den betroffenen Märkten sind jedoch sehr verschiedene Szenarien denkbar, aber die geopolitisch mehr als schwierige Gemengelage verbietet Prognosen.

Redaktionsschluss 22.08.2014, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR0914S30)

Foto: O. Kürth