Trend zum „Single Stream Recycling“ treibt Investitionen an

Eine wachsende Anzahl an Kommunen und Städten in den USA setzt auf eine vereinfachte Abfalltrennung: Beim „Single Stream Recycling“ werden sämtliche Wertstoffe in einer gemeinsamen Tonne gesammelt und erst in den Recycling­höfen getrennt. Marktexperten erwarten eine stärkere Nachfrage nach Maschinen und Anlagen.

Wie in den beiden Vorjahren fielen in den USA 2012 landesweit rund 250 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an. Ausgehend von einer eher geringen Basis, so die Environmental Protection Agency (EPA) weiter, flossen zwischen 2000 und 2011 stetig mehr Abfälle in den Werkstoffkreislauf zurück. Im Jahr 2012 fiel die Recyclingquote (inklusive Kompostierung) gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte auf 34,5 Prozent. Im Vergleich dazu betrug die Recyclingquote in Deutschland 47,0 Prozent.

Marktexperten gehen davon aus, dass die Recyclingquote 2013 wieder leicht gestiegen ist – und erwarten mittelfristig eine Fortsetzung dieses Trends. Zwar existiert in den USA kein nationales Gesetz zu Deponierungs- oder Verwertungsquoten. Doch legen Großstädte und Kommunen sowie diverse Industrieunternehmen in Eigeninitiativen verstärkt „zero waste“-Programme auf. Bei den angestrebten Deponierungsquoten von nahe null Prozent nimmt das Recycling zumeist eine zentrale Rolle ein. In der US-Gesellschaft wächst das Bewusstsein für eine nachhaltige und dabei vereinfachte Abfallverwertung. Zu den Vorreitern zählen einige Städte in Kalifornien, unter anderem San Francisco und Los Angeles. Überhaupt setzen immer mehr Kommunen dabei auf das „Single Stream Recycling“: Sämtliche Wertstoffe werden in einer gemeinsamen Tonne gesammelt und erst in den Recyclinghöfen getrennt.

Der Modernisierungsbedarf ist hoch

Zum Jahreswechsel 2013/14 waren den Angaben von Governmental Advisory Associates zufolge etwa 240 der 570 Recyclinganlagen des Landes auf diese Art der Materialrückgewinnung ausgelegt. Tendenz steigend. So rüstete beispielsweise die Stadt Brookhaven (New York) Ende 2013 für sieben Millionen US-Dollar ihr Recyclingsystem auf „Single Stream“ um. Baltimore County eröffnete im November 2013 für 23 Millionen US-Dollar eine neue Recyclinganlage. 13 Millionen US-Dollar davon wurden in Ausrüstungen investiert, die auf das Single-Stream-Recycling hin ausgelegt sind.

Im Zuge dieser Entwicklung wächst der Bedarf an einer Infrastruktur (von der Abfallerfassung über die Sortierung, Zerkleinerung und Weiterverwertung), die an diesem Sammelsystem effizient ausgerichtet ist. Zahlreiche Kommunen planen dazu, automatisierte Müllentsorgungsfahrzeuge in ihre Flotten aufzunehmen. Und bedeutende nationale Abfallentsorgungsunternehmen wie die Waste Management, Inc. investieren ebenfalls in Single Stream-Recyclinganlagen. Das ISRI – Institute of Scrap Recycling Industries rechnet damit, dass die Investitionen der Recyclingbranche in Maschinen und Ausrüstungen anziehen werden. Zwischen 2014 und 2016 werden sich die Ausgaben auf 9,5 Milliarden US-Dollar belaufen. In der Fünf-Jahres-Periode 2006 bis 2011 lagen die Investitionen bei insgesamt neun Milliarden US-Dollar. Zahlreiche Recyclinganlagen im Land sind technisch veraltet. Der Modernisierungsbedarf ist sehr hoch. Nicht nur im Rahmen der Umstellung auf das Single-Stream-Recycling stehen Großinvestitionen an. Mülldeponieanlagen in zahlreichen Kommunen des Landes haben ihre Kapazitätsgrenzen nahezu erreicht. Um die teilweise ambitionierten „zero waste“-Ziele zu erfüllen, steigt der Bedarf an neuen Anlagen. Im Rahmen eines Private-Public-Partnership-Projektes haben zum Beispiel New York City und Sims Metal Management Ende 2013 eine 110 Millionen US-Dollar schwere Materialrückgewinnungsanlage in Betrieb genommen. Der Neubau entsprechender Anlagen rechnet sich zunehmend. Nach Angaben von Standard & Poor‘s (S&P) hat sich in den vergangenen Jahren die Anzahl der Mülldeponien – vor allem im Nordosten der USA – reduziert. Dies hat zu einem Anstieg der Transportaufkommen und der zu überwindenden Entfernungen für die Müllfahrzeuge geführt.

Wiederaufbereitung von Kunststoffen soll anziehen

Um die geringen Recyclingquoten bei Kunststoffen (8,8 Prozent bei Siedlungsabfällen 2012) zu erhöhen, werden diverse Programme aufgelegt.In zahlreichen Bundesstaaten und Kommunen setzen sich bereits Pfandsysteme für Getränkeverpackungen durch. In elf Bundesstaaten (unter anderem in Kalifornien und New York) sind Rücknahmesysteme für Pfandflaschen gesetzlich implementiert. Diese wurden in den vergangen Jahren teilweise ausgeweitet. So nahmen New York und Connecticut 2009 Flaschenwasser in ihre Programme mit auf.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Entwicklung konnten bei PET-Flaschen Fortschritte verzeichnet werden. Wie die National Association for PET Container Resources mitteilt, stieg die Recyclingquote 2012 um 1,5 Prozentpunkte und lag erstmals über der 30-Prozent-Marke. Exakt waren es 30,8 Prozent. Dem Verband zufolge ist das Wachstum auch auf den wachsenden Zugang der Bevölkerung zu „Single-Stream“-Programmen zurückzuführen.

Für eine künftig steigende Kunststoff-Recyclingquote sprechen zudem die Ambitionen der führenden Unternehmen auf dem Markt für nicht-alkoholische Getränke: Coca-Cola plant, bis 2020 alle PET-Flaschen zu 100 Prozent aus Rohstoffen auf pflanzlicher Basis anzubieten. Pepsi-Cola hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Im Jahr 2012 wurden die ersten Flaschen auf den US-Markt eingeführt, die komplett aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen.

Industrie will Deponierungsquoten senken

Zum Recycling bei Industrieabfällen liegen keine offiziellen Daten vor. Die Deponierungsquote dürfte hier deutlich höher sein als bei Siedlungsabfällen, schätzen Experten. Allerdings setzt sich eine wachsende Anzahl an Unternehmen aus diversen Branchen Nachhaltigkeitsziele. Teil der Pläne ist oftmals eine minimale Deponierungsquote. Der Reifenhersteller Bridgestone Americas 2013 beispielsweise hat zwei seiner US-Produktionsstätten so umgerüstet, dass keine Abfälle auf Deponien anfallen. Den „zero waste“-Status erreichte auch Flugzeugbauer Boeing in seinem Werk in North Charleston, South Carolina.

Aus der Automobilindustrie erzielen unter anderem General Motors und Honda eine sehr niedrige Deponierungsquote. Ford plant bis 2016, die Menge an Abfallstoffen, die bei der Produktion pro Fahrzeug entstehen, gegenüber dem Vergleichsjahr 2011 um 40 Prozent zu reduzieren. Stark steigende Recyclingquoten sind bei Elektroschrott zu verzeichnen. Wie die amerikanische Umweltschutzagentur EPA mitteilt, wurden 2012 von den 3,4 Millionen Tonnen an ausrangierten Computern, Monitoren, TV-Geräten und Mobiltelefonen 29,2 Prozent recycelt. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Zuwachs von 4,3 Prozentpunkten. Die Quote dürfte laut Marktexperten weiter anziehen – vorwiegend aufgrund bundesstaatlicher Gesetze, die die Rücknahme und Entsorgung von Elektronikschrott betreffen. Im Zuge dessen sind zumeist die Anbieter von elektronischen Geräten verpflichtet, eigene Rücknahme- und Entsorgungssysteme einzurichten.


Internetadressen

Environmental Protection Agency / EPA (Statistiken zum Recycling),
www.epa.gov/osw/nonhaz/municipal/msw99.htm
Institute of Scrap Recycling Industries (ISRI), www.isri.org
National Association for PET Container Resources, www.napcor.com
Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA), www.ahk-usa.com


Verfasser: Christian Janetzke
Quelle: Germany Trade & Invest

(EUR0914S38)

Foto: Huguette Roe | Dreamstime.com