Getecha integriert Prozesslösung für niederländischen Recyclingbetrieb

Dreh- und Angelpunkt sind zwei Schneidmühlen des Aschaffenburger Herstellers. Geliefert und installiert wurde zudem Förder-, Entstaubungs- und Verpackungstechnik. 

Das Unternehmen CVB Ecologistics mit Sitz im niederländischen Tilburg ist eine feste Größe in der europäischen Recyclingindustrie und bereitet in seinen zehn Tochterfirmen Papier- und Kunststoffabfälle aus der ganzen Welt auf. Im Jahr 2012 übernahm das CVB-Management einen weiteren Recyclingbetrieb. Mit der Modernisierung und dem Ausbau der bestehenden Anlagen beauftragte CVB Mitte 2013 Getecha.

Um die Effizienz des Betriebs zu steigern, sollte neben der Zuführung des Mahlguts die Weiterleitung des gewonnenen Regenerats in Big Bags sichergestellt sein. Der Auftrag an Getecha und seinen niederländischen Vertriebspartner S-point BV umfasste die Integration von zwei neuen Schneidmühlen in die vorhandene Zerkleinerungstechnik, die Installation von Fördersystemen für die Mühlenbeschickung sowie Entstaubungs- und Verpackungslösungen für das Mahlgut.

Bild aus der Aufbauphase: Die Getecha-Großmühle RS 6015 (grün) mit der fördertechnischen Peripherie (grau). Ebenfalls schon zu sehen: der Zyklonabscheider (grün)

Bild aus der Aufbauphase: Die Getecha-Großmühle RS 6015 (grün) mit der fördertechnischen Peripherie (grau). Ebenfalls schon zu sehen: der Zyklonabscheider (grün)

Das Herzstück: die RS 6015

„Eine zentrale Vorgabe des Kunden war die Erweiterung der Verarbeitungskapazitäten um bis zu 2,8 Tonnen pro Stunde“, berichtet S-point-Firmenchef Gert-Jan Drinkwaard. Er empfahl deshalb den Einsatz der Großmühle RS 6015 als Herzstück der neuen Gesamtanlage. Das Schneidwerkzeug dieser Trichtermühle besteht aus einem 1.500 Millimeter breiten 5-Messer-Rotor (Durchmesser 600 mm) und drei Statormessern (Scherenschnitt). Das Haupteinsatzgebiet der antriebsstarken Maschinen – in Tilburg arbeitet ein 132-Kilowatt-Motor – ist das Zerkleinern großer Kunststoffteile.

Die RS 6015 nimmt es sowohl mit klebrigen Butzen aus Blasformmaschinen und Stanzgitterrollen als auch mit massiven Platten oder ganzen Kraftstofftanks auf. In Tilburg sind es neben Polypropylen-Materialresten aus der kunststoffverarbeitenden Industrie vor allem große Mengen ausgedienter Pflanzstecker aus dem Blumen- und Kräuteranbau, die im Trichter der Großmühle landen. Kisten, Becher und kleinere Klumpen aus Polypropylen sowie Kartonageabfälle werden hier ebenfalls zerkleinert.

Trichter mit Eindrückvorrichtung

Um die RS 6015 optimal auf ihre Aufgabe abzustimmen, wurden verschiedene Anpassungen vorgenommen. „Um einer Brückenbildung im Trichter vorzubeugen und den Durchsatz zu optimieren, erhielt beispielsweise der Trichter eine Eindrückvorrichtung“, erläutert Drinkwaard. „Das ist sinnvoll, wenn großvolumige und leichte, aber expansive Reststoffe zerkleinert werden müssen.“ Außerdem entschied sich das Management von CVB dafür, die RS 6015 mit dem EnergySave-Motorregler von Getecha auszurüsten. Dieser Controller führt dem Motor – ohne Drehmomentverlust – immer nur die tatsächlich benötigte Spannung zu. Dadurch ergibt sich laut Herstellerangaben eine stattliche Energieeinsparung.

Sein Fördertechnik-Know-how konnte Getecha in Tilburg gleich an mehreren Stellen einsetzen: Zum einen galt es, die neuen Mühlen – inzwischen hatte sich CVB entschieden, auch eine zunächst angemietete RS 6009 zu übernehmen – logistisch mit den vorhandenen Zerkleinerungsanlagen zu verknüpfen. Zum anderen sollte die Beschickung der RS 6015 aus zwei Richtungen erfolgen. Frontseitig läuft hier ein Förderband mit 1.100 Millimeter Nutzbreite hinauf zum Trichter und „füttert“ die Maschine mit Materialresten, die in unregelmäßigen Abständen von Gabelstaplern aufgegeben werden. Von der linken Seite her steigt ein weiteres Förderband hinauf zur Mühle. Hierüber erfolgt die kontinuierliche Beschickung des Mühlentrichters mit vorzerkleinertem Material aus einem Shredder. Dabei handelt es sich aber nur etwa um die Hälfte des gesamten zerkleinerten Materials. Die andere Hälfte wird vorher über ein Verteilerband separiert und gelangt über eines der vorhandenen Förderbänder in eine der älteren Mühlen von CVB.

Über das Förderband wird der Trichter beschickt

Über das Förderband wird der Trichter beschickt

Lastabhängige Steuerung

Alle Förderbänder für die Mühlenbeschickung wurden bei Getecha entwickelt und gebaut. Ein wichtiger Faktor der Systemintegration von Alt und Neu war dabei die lastabhängige Steuerung der RS 6015 mit automatischer Regelung aller Förderbänder sowie der Shredderleistung. Sie sorgt für den kontinuierlichen Materialfluss und beugt einer Überlastung der Schneidmühlen vor. Die gesamte Anlage wird über eine zentrale Steuerung von Getecha gefahren, in die die Steuerungen sämtlicher vorhandener Systeme integriert wurden.

Darüber hinaus realisierte Getecha in Tilburg die Absaugtechnik mit Mahlgut- und Abluftentstaubung sowie die Abfüllung des Regenerats in Big Bags. Neben die RS 6015 wurde ein Mitteldruckfördergebläse mit Zyklonabscheider positioniert, das das zerkleinerte Material aus der Mühle in eine von Getecha entwickelte Entstaubungsanlage schickt. Hier werden alle Störteile aus dem Mahlgut separiert – für ein sauberes Regenerat. Nach dem Entstauben erfolgt die automatische Abfüllung des gereinigten Materials in Big Bags. Das Gestell für die Aufnahme von zwei Big Bags stammt ebenfalls von Getecha und verfügt über eine Füllstandskontrolle, über die das Befüllen der beiden Transportsäcke automatisch umgeschaltet wird. Parallel dazu werden die zuvor abgesaugten Feinanteile in einem dritten Big Bag aufgefangen.

Die zweite Getecha-Schneidmühle RS 6009 bei CVB erhielt ebenfalls eine automatische Big Bag-Befüllstation. Ihre Aufgabe besteht vorwiegend in der Zerkleinerung gemischter Abfälle aus PET, PE, ABS und PS. Die gesamte Anlage wurde in einem Zeitraum von etwa zwei Wochen installiert und in Betrieb genommen.

www.getecha.de

(EUR0914S42)

Zweiseitige Beschickung der RS 6015: Frontseitig läuft ein breites Förderband hinauf zum großen Trichter, von der linken Seite her steigt ein etwas schmaleres Förderband hinauf – Fotos: Getecha GmbH