Platzt die US-Schiefergasblase?

„Saudi-Amerika“ war scheinbar gestern: Medienberichten in den USA zufolge könnten die Quellen schon bald versiegen und das Kapital aus der Industrie abfließen.

Demnach sei das Fördermaximum für Schiefergas bereits überschritten worden. Auch würden keine großen Vorkommen mehr entdeckt. Investoren würden sich zurückziehen und die Anzahl der neuen Bohrungen sei auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten angelangt. „Leider hinterlässt die geplatzte Schiefergasblase in den USA eine Spur von Umweltzerstörung. Europa darf nicht den gleichen Fehler machen“, kommentierte Jurrien Westerhof, Geschäftsführer von Erneuerbare Energie Österreich, gegenüber APA-OTS die Berichte von US-Wirtschaftszeitungen.

Verluste statt Gewinne

Und erläuterte den Hintergrund: Nach der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende und der Kreditblase 2008 waren viele Investoren auf der Suche nach neuen Gewinnmöglichkeiten und wurden bei Schiefergas und Fracking fündig. Durch die Versprechungen von großen Renditen und durch billige Kredite wurde schnell viel Kapital angelockt. Die Folge war eine rasche Zunahme der Anzahl der Bohrungen und der Gasförderung. Die hieraus entstandene Überproduktion führte aber schnell zu sehr niedrigen Gaspreisen, wodurch die Unternehmen Verluste statt Gewinne machen. In den letzten Jahren waren das durchschnittlich 110 Milliarden US-Dollar jährlich. Hinzu kommt laut Westerhof, dass die geschätzten Reserven und die tatsächlich förderbare Gasmenge meist weit auseinander klaffen; bereits nach einigen Monaten fällt die Gasproduktion aus einer neuen Bohrung stark zurück. Anfänglich war dieser Rückfall noch mit neuen Bohrungen zu kompensieren. Da aber keine neuen Vorkommen entdeckt werden, geht mittlerweile auch die Gesamtproduktion zurück.

Folgen für die europäische Energiepolitik

Das Ergebnis dieser Entwicklungen wird, so Westerhof, wahrscheinlich sein, dass die US-Schiefergasproduktion in den kommenden Jahren weiter zusammenbricht und die Energiepreise wieder anziehen werden. Mangels Gas werden die USA wieder vermehrt auf Steinkohle setzen, und nicht – wie vor einigen Jahren immer wieder angekündigt – zum Energieexporteur werden. Das wird voraussichtlich zu einem Anstieg der Kohlepreise auch in Europa führen, was dem Einsatz erneuerbarer Energien entgegenkommt.

Das Platzen der Blase hat nach Ansicht von Westerhof aber auch Folgen für die europäische Energiepolitik. Gerade in Europa hätte die Industrie in den vergangenen Jahren immer wieder auf die niedrigeren Energiepreise in den USA hingewiesen, und sogar mit Abwanderung gedroht, falls die EU keine Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten setze. Unter anderem seien eine Verlangsamung des Ausbaus erneuerbarer Energien oder gratis CO2-Zertifikate verlangt worden. Die noch amtierende EU-Kommission zeigte sich offen für die Forderungen, was zu einem sehr unambitionierten Vorschlag für die 2030-Ziele für CO2-Emissionen, erneuerbare Energien und Energieeffizienz geführt hätte.

Ende der Goldgräberstimmung

Mit dem Platzen der Schiefergasblase und dem erwarteten Anstieg der US-Energiekosten fällt für Westerhof das zentrale Argument hinter der Forderung der Industrie nach einer, wie er sich ausdrückt „lascheren Energie- und Klimapolitik“ weg: „Zu lange haben zu viele Menschen sich durch die Goldgräberstimmung rund um Schiefergas Sand in die Augen streuen lassen, aber wie viele Blasen vorher, ist jetzt auch diese Blase geplatzt.“ Es sei traurig, dass die Amerikaner für diesen Irrtum mit verwüsteten Landschaften und verschmutztem Grundwasser bezahlten. Lehre für die EU sollte sein, diesen Fehler nicht zu kopieren und den einzigen zukunftsfähigen Weg einzuschlagen: hin zu hundert Prozent erneuerbare Energien.

Quelle: APA-OTS

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