Schrottmarktbericht Oktober 2014: Ohne Schwung

Der Schrottmarkt im September, den einige wenige Marktteilnehmer schon im Vormonat versucht hatten festzureden, präsentierte sich gleich zu Beginn der Septemberverkäufe entgegengesetzt zu diesen Vorhersagen.

Einige Werke nahmen daher die Vertragsverhandlungen relativ entspannt auf, da sie sich zum Teil bereits im August mit Mengen über den Monatsbedarf hinaus eingedeckt hatten und auf Altverträge zurückgreifen konnten. Insgesamt schätzt der Handel die Bestellmengen der Werke jedoch als gut ein, obwohl die Ruhrwerke, die keinen beziehungsweise einen verminderten Bedarf hatten, außen vor waren. Die vom Handel angebotenen Mengen flossen ab, obwohl laut Aussagen vieler Marktteilnehmer dem Markt jeglicher Schwung fehlte. Die Abnehmer zahlten für die im September bestellten Mengen weitgehend unveränderte Preise. Leichte Anpassungen nach oben und nach unten, abhängig von der Sorte und den Abnehmern, führten letztendlich zu einem relativ einheitlichen Einkaufpreisniveau der Verbraucher. Die Nachfrage der Werke nach Scherenschrott lag über dem, was der Handel anbieten konnte, und das knappe Vormaterial sorgte beim Shredderschrott für festere Preise. Die im Markt vorhandenen Mengen an Blechabfällen übersteigen allerdings wie schon in den Vormonaten die Nachfrage.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Nachbarländer

Marktteilnehmer bezeichneten das Geschehen auf dem italienischen Markt im September als ruhig. Die inländischen Lieferanten konnten in der ersten Septemberwoche 5 Euro pro Tonne mehr erzielen, mussten aber bis zum Redaktionsschluss Abzüge von 10 Euro pro Tonne hinnehmen. Die deutschen Importeure erhielten ebenfalls je nach Ausgangsbasis im Vormonat 5 bis 10 Euro pro Tonne mehr bei normaler Nachfrage. Abschwächungstendenzen waren für die Importeure im Verlauf des Monats spürbar, weil die Situation der italienischen Produzenten nach wie vor schwierig ist. Insbesondere müssen Betonstahlhersteller ihre Produktionszeiten der veränderten Auftragslage anpassen. Von Werken nochmals verlängerte Zahlungsziele, die in Italien – freundlich ausgedrückt – sowieso schon recht großzügig gehandhabt werden, stießen auf wenig Gegenliebe. In der Schweiz und in Österreich zahlten die Abnehmer um rund 10 Euro pro Tonne höhere Preise als im August. Da sie ferienbedingt im Vormonat keine Preisveränderungen vorgenommen hatten, hatten sie Nachholbedarf. Der Zulauf zu den Lagern wurde als hoch beschrieben. In Polen haben die Stahlwerke wegen einer hohen inländischen Stahlnachfrage die Preise um 9 bis 10 Euro pro Tonne angehoben, sodass die deutschen Verbraucher ihre Einkaufspreise entsprechend anpassen mussten, um Material generieren zu können. Für tschechischen Schrott war der Aufpreis mit bis zu 3 Euro pro Tonne geringer, um das deutsche Inlandspreisniveau zu erreichen. In Frankreich und Luxemburg lagen die Preise bei unverändert bis zu 3 Euro pro Tonne höher als im Vormonat. Die zunehmend von Verbrauchern methodisch vorgenommenen Abschläge führen jedoch letztendlich zu Preisreduzierungen.

Verhaltene türkische Schrottimporte

Mit Zukäufen in Europa hielten sich die türkischen Kunden im September zurück. Laut internationalen Presseberichten bestellten sie bis Redaktionsschluss rund 210.000 Tonnen Schrott in West- und Nordeuropa sowie etwa 200.000 Tonnen in den USA. Die Preiserholung von 5 Euro am Monatsanfang hatte nicht lange Bestand, und der Preis FOB Rotterdam für die Sorte HMS 1/2 (80:20) ist im Verlauf des Monats um rund 10 Euro pro Tonne gesunken. Die türkischen Stahlwerke drangen auf weitere Preisnachlässe, wobei die europäischen Lieferanten ihr preisliches Entgegenkommen bisher noch gut über den schwachen Euro kompensieren konnten. Laut Informationen aus Marktkreisen verfügen einige US-Ostküstenexporteure über hohe Bestände. Der Schrottverbrauch in den USA ist leicht rückläufig, und in den traditionellen Abnehmerländern wie der Türkei und Saudi-Arabien entspricht die Nachfrage nicht den Erwartungen. Die US-Exporteure zeigten sich daher noch flexibler als die europäischen Mitbewerber, sodass seitens der Schrottangebote zusätzlicher Preisdruck entstehen könnte. Den werden die türkischen Stahlerzeuger zu nutzen wissen, da ihnen die äußerst günstigen Stahlangebote aus China, die in Nordafrika, im Nahen Osten und selbst in der Türkei die Märkte belasten, große Probleme bereiten. Um sich diesem „Wettbewerb“ zu stellen, sind die türkischen Stahlhersteller gezwungen, weitere Preiszugeständnisse zu machen, und dabei werden sie ihre Schrott-Einstandskosten im Auge behalten.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereimarkt

Am Lagebild des Gießereimarktes hat sich wenig geändert, obwohl das Ende der Ferienzeit zu erhöhten Bestellmengen beim Schrotthandel geführt hat. Die Auslastung ist immer noch je nach Produktionsprogramm der Gießereien uneinheitlich. Während diejenigen, die Vorprodukte für die Automobilindustrie fertigen, recht entspannt sind, treten einige Hersteller, die für den Maschinenbau produzieren, auf die Bremse. Sie haben entweder schon Kurzarbeit eingeführt oder haben dies angekündigt. Gießereien, deren Einkaufspreise an keinen Index gebunden sind, kauften zu weitgehend unveränderten Preisen beziehungsweise passten ihre Einkaufspreise dem Augustniveau an.

Viele Händler weisen verstärkt auf die fehlende Differenz zwischen dem Preis für Stahlneu- und für Kupolofenschrott hin, weil die Aufbereitung zum gießereifähigen Material kostenmäßig kaum noch darstellbar ist. Der Preis für manganarmes russisches Roheisen ist im September unter anderem wegen des schwächeren Euro um 12 Euro pro Tonne gestiegen. Die russischen Lieferanten sind weiter bemüht, die Preise zu erhöhen; allerdings ist dies den Abnehmern wegen der niedrigen und immer noch sinkenden Erzpreise schwer zu vermitteln. Sie sehen das aktuelle Preisniveau als zu hoch an, obwohl die lieferfähige Menge durch den Ausfall der ukrainischen Lieferanten begrenzt ist.

Aussichten

Für Oktober gehen die meisten der befragten Marktteilnehmer von unveränderten bis leicht schwächeren Preisen aus, die sich im Bereich von 2,50 bis 10 Euro pro Tonne bewegen könnten. Sie halten die Preissignale, die aus dem Exportmarkt kommen, für Vorboten der Preisentwicklung im kommenden Monat. Der Stahlmarkt steht zudem unter einem erheblichen Preisdruck. Dies ist zum einen auf die Überproduktion in Europa und zum anderen auf die chinesischen Stahlbilligangebote zurückzuführen. Im Moment scheinen sowohl steigende Stahl- als auch steigende Schrottpreise nicht zu realisieren sein. Dennoch sieht die Ratingagentur Moody’s in ihrer Stahlmarktprognose für die kommenden zwölf bis 18 Monate den europäischen Stahlmarkt als stabil an, und erwartet verbesserte Gewinnmöglichkeiten für einige Produzenten in diesem und im kommenden Jahr. Nach der Vorhersage ist auf alle Fälle mit keiner Marktverschlechterung zu rechnen.

Redaktionsschluss 19.09.2014, BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

(EUR1014S26)