Schrottmarktbericht November 2014: Ernüchterung im Käufermarkt

Von der spürbar positiven Stimmung im Schrottmarkt von Juli bis September ist im Berichtsmonat Okto-ber nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Die deutschen Schrottverbraucher haben ihre Einkaufspreise um durchschnittlich 15 Euro pro Tonne gesenkt, wobei die Abschläge je nach Werk und Sorte bei 12,50 bis 18 Euro pro Tonne lagen. Nach wie vor ist das Neuschrottangebot größer als die Nachfrage, sodass in diesem Segment die Preise stärker unter Druck standen, während für Schredderschrott der geringste Abschlag hingenommen werden musste.

Obwohl die Schrottnachfrage höher war als im Vormonat, beklagte der Handel eine zum Teil schleppende Abnahme. Unvorhergesehene technische Probleme oder routinemäßige Wartungsarbeiten begrenzten den vereinbarten Lieferumfang. Möglicherweise haben einige Verbraucher zudem über Bedarf bestellt. Der Handel erwartet dadurch im kommenden Monat relativ hohe Nachlaufmengen, verbunden mit einem dann geringeren Zukaufbedarf. Bescheiden ist nach wie vor der Schrottverbrauch in der Westregion. So hat zum Beispiel einer der Verbraucher seit drei Monaten wegen einer Zustellung und einer Anlagenmodernisierung keinen Zukaufbedarf, und die noch im Oktober für den kommenden Monat ausgeschriebenen Mengen sind als homöopathisch zu bezeichnen. Trotz der wiederaufgenommenen Produktion wird wahrscheinlich im November überwiegend Kreislaufmaterial eingesetzt und der Zukauf daher eingeschränkt bleiben. Ein weiterer West-Verbraucher hat seit Juli einen um ein Drittel geringeren Schrottbedarf als üblich. Die in der internationalen Presse gemeldeten Überseeexporte von Qualitätsschrotten aus Deutschland können daher sicherlich die Angebotslage etwas entschärfen.

Nachbarländer

Zum Monatsanfang senkten die italienischen Schrottverbraucher die Einkaufspreise für Importschrotte über alle Sorten um 20 Euro pro Tonne. Die Preise für die inländischen Lieferanten wurden schrittweise ebenfalls um 20 Euro pro Tonne gesenkt; dennoch konzentrierten die italienischen Händler ihre wegen der fehlenden Absatzmöglichkeiten insbesondere in Mittel- und Süditalien angebotenen Schrottmengen auf die Region Oberitalien. Aufregung verursachte ein Unfall bei dem wichtigsten Schrottverbraucher dieser Region, der einen Produktionsstillstand zur Folge hatte. Das Werk stornierte die bestellten Mengen. Da anfangs das Ausmaß des Schadens und die Dauer der Instandsetzung nicht abzusehen waren, boten viele inländische Lieferanten die vermeintlich frei gewordenen Mengen anderen Schrottverbrauchern an. Die wiederum waren zur Annahme mit einem Abschlag von nochmals 10 Euro pro Tonne bereit. Damit sank der Verkaufspreise für die inländischen Lieferanten seit Ende September um 30 Euro pro Tonne. Die Aussichten für den italienischen Schrott- und Stahlmarkt scheinen ungünstig zu sein. Das Stahlwerk in Verona wird – wie aus Werkskreisen verlautete – drei Monate Instandhaltungsarbeiten vornehmen und ein anderer Hersteller hat sich aus Kostengründen entschieden, einen Teil seiner Produktion in sein kürzlich modernisiertes deutsches Werk zu verlagern. Im polnischen Inlandsmarkt gingen die Schrottpreise im Berichtsmonat um 15 bis 18 Euro zurück. Da der Wettbewerb der polnischen Schrotthändler untereinander sehr intensiv geführt wird und die Zahlungsmoral der polnischen Abnehmer stark zu wünschen übrig lässt, bestand eine hohe Lieferbereitschaft in den ostdeutschen Markt zu dem im Oktober üblichen Abschlag von 15 Euro pro Tonne. In der Schweiz haben die Verbraucher die Preise für ausländische Lieferanten bei normalem Bedarf um 14 bis 18 Euro pro Tonne zurückgenommen. Eine gegenüber den Vormonaten erhöhte Nachfrage wurde aus Spanien gemeldet, da sich dort die Exportmöglichkeiten für Langprodukte etwas verbessert haben. Trotz des durchschnittlichen Abschlags von 15 Euro pro Tonne lag das Preisniveau in Spanien höher als in Deutschland. In den übrigen europäischen Nachbarländern konnten die Verbraucher ebenfalls einen Abschlag von durchschnittlich 15 Euro pro Tonne durchsetzen, wobei es unterschiedlich hohe Abschläge bei den einzelnen Sorten gab.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Keine Impulse vom türkischen Schrottmarkt

Die türkischen Schrottimportpreise sind von Mitte September bis Mitte Oktober deutlich um rund 40 bis 50 US-Dollar pro Tonne gefallen. Etwas abgefedert wurde der Rückgang für die europäischen Lieferanten lediglich durch den schwachen Euro im Vergleich zum US-Dollar. Die türkischen Langstahlproduzenten stehen wie alle anderen Stahlhersteller unter einem erheblichen Wettbewerbsdruck, weil chinesische Stahlwerke ihre Überproduktion zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt anbieten. Besonders betroffen davon sind die Türkei und der Nahe Osten, wo die Absatzmöglichkeiten bereits durch die Unruheherde in der Region eingeschränkt sind. Insbesondere die aus China angebotenen Knüppel haben dazu geführt, dass es für türkische Hersteller günstiger sein kann, chinesische Knüppel zu kaufen, statt das Vormaterial selbst auf Basis von Schrott im Elektroofen zu erzeugen und dann zu walzen. Die weltweit günstigen Erzpreise, die CFR China bei rund 80 US-Dollar pro Tonne liegen, ermöglichen es zudem den integrierten Werken, Baustähle günstiger herzustellen als es die Elek­trostahlwerke können, was den Druck zusätzlich erhöht.

Die Erzpreise sind auf dem Weltmarkt seit Januar von etwa 130 auf circa 80 US-Dollar pro Tonne gefallen. Dagegen steht der Schrottpreis international erst seit September verstärkt unter Druck, weil bis dahin das relativ hohe Schrottpreisniveau Angebot und Nachfrage ausgleichen konnte. Die relativ schnelle Preisanpassung ist den türkischen Verbrauchern dadurch gelungen, dass sie immer nur bei den Exporteuren gekauft haben, die gerade am günstigsten angeboten haben. Ob der Schrott bei einem Preis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) mit einem Niveau von 320 bis 330 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei bereits gegen die chinesischen Knüppel konkurrieren kann, bleibt abzuwarten.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Gießereimarkt

Im Oktober konnten die an keinen Preisindex gebundenen Gießereien ihren Schrottbedarf je nach Sorte und Produzent mit einem Abschlag von 5 bis 15 Euro pro Tonne decken. Händler meldeten bei den meisten Gießereien eine geringere Zukaufmenge als im Vormonat. Die Auslastung der Gießereien hat sich unter anderem durch die nachlassende Produktion bei den Automobilzulieferern und die ausbleibenden Aufträge wegen der Ukraine-/Russlandkrise negativ verändert und den Wettbewerbsdruck auf die in- und ausländischen Produzenten erhöht. Der nachlassende Schrottbedarf führt zu einem gewissen Angebots-überhang bei bestimmten gießereifähigen Schrotten. Ein Zeichen für die Marktabschwächung sind zum Beispiel die Lieferzeiten für schwere Nutzfahrzeuge, die bei einem der großen Hersteller von sechs Monaten auf nur noch sechs Wochen gesunken sind. Die Roheisenpreise sind durch die Produktionsausfälle in der Ukraine relativ stabil geblieben, obwohl die Erzpreise wie oben erwähnt niedrig sind. Da ein großer Teil des Roheisenbedarfs durch Importe gedeckt werden muss, bei denen die Rechnungserstellung in der Regel auf Dollarbasis erfolgt, verteuert der schwache Euro die Einfuhr des Roheisens.

Aussichten

In Handelskreisen wird für November wegen des schwachen Exportgeschäfts mit nochmals rückläufigen Preisen von 5 bis 10 Euro pro Tonne gerechnet. Aufgrund des Preisdrucks muss die Branche ihre dringend notwendigen Anpassungsprozesse zügiger vorantreiben. Eine Verbesserung der Margen kann nur durch ein diszipliniertes Einkaufsverhalten und ein kostenbewusstes Handeln aller Beteiligten erreicht werden.

Redaktionsschluss 22.10.2014 BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR1114S30)