Südafrikas Wirtschaft baut auf Recycling

Durch private Initiativen wächst im Land ein beachtlicher Potenzialmarkt heran. Die Industrie hat einen zunehmenden Bedarf an qualitativen Sekundärrohstoffen. (Foto: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de)

Südafrika erlebt einen Wandel im Umgang mit Ressourcen: Die Aufbereitung und Wiederverwertung von Siedlungs-, Industrie-, Gewerbeabfällen und damit Recycling ist zu einem wichtigen Thema geworden. Und das ohne viel Zutun seitens des Staates mit gesetzlichen Richtlinien und Vorschriften etc. Es sind vor allem die Initiativen von privaten Unternehmen im Land, die etwas bewegen. In Südafrika wächst ein beachtlicher Markt mit Potenzen für Recyclinglösungen heran, der internationalen Technologielieferanten und Dienstleistern gute Geschäftschancen bietet.

Benötigt werden insbesondere effiziente Abfalltrenn- und Abholsysteme, die in Südafrika weitläufig fehlen und das Problem der „Entsorgung“ auf wilden Halden beseitigen. 36 Prozent der Bevölkerung sind bis heute an keine Müllabfuhr angeschlossen. In den Kommunen mit Anschluss steht den Haushalten meistens nur eine Tonne zur Verfügung, in der alles gesammelt wird, um auf den zahlreichen Deponien des Landes abgelagert zu werden. Einer letzten Erhebung von 2011 zufolge gelangten damals 91 Prozent des Gesamtabfalls (108 Millionen Tonnen) dorthin. Und die Deponierung ist immer noch sehr günstig: Bei allgemeinen Abfällen liegen die Preise pro Tonne zwischen 100 bis 150 Rand (7 bis 10 Euro) und bei gefährlichen Abfällen zwischen 600 bis 800 Rand.

Abfalltrennung als Dienstleistung

In den letzten Jahren hat sich an dieser Praxis schon Einiges geändert. Unter anderem wegen der steigenden Preise für Neumaterialien und Energie werden wiederverwertbare Materialien stärker nachgefragt, und für Wertstoffe lassen sich durchaus lukrative Preise erzielen. Die Firma D&H Recycling in Johannesburg zum Beispiel trennt als Dienstleistung die Abfälle von Industrieunternehmen vor Ort. Kunden sind sowohl Einzelfirmen als auch die in Südafrika zahlreich bestehenden Industrie- beziehungsweise Büroparks, die auf einem abgeschlossenen Areal oft mehrere hundert Mieter beherbergen.

Die Mitarbeiter von D&H Recycling sortieren die Abfallmengen auf dem Gelände der Kunden nach verschiedenen Wertstoffen. Diese werden wiederum an Recyclingunternehmen wie Nampak verkauft, die Container mit Papier oder Kunststoffen direkt von den Sortierstellen abholen. Zusätzlich bekommt D&H Recycling eine Gebühr von den Kunden selbst, die allerdings deutlich höher wäre, wenn kommunale Entsorger den Abfall unsortiert abholen würden. An 50 Orten sind die Mitarbeiter von D&H Recycling bereits aktiv, darunter in dem durch die WM 2010 bekannten Ellis Park Stadion. Die Sortierung wird, wie in Südafrika üblich, größtenteils von Hand vorgenommen. Die Mitarbeiter werden dazu umfassend theoretisch und praktisch geschult, erklärt Chief Engineer Louis-Philippe Hentcho. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit von 25 Prozent im Land ist es im beiderseitigen Interesse von Regierung und Abfallwirtschaft, die Sortierung möglichst arbeitsintensiv zu halten. Der Absatzmarkt für moderne Sortiermaschinen ist deshalb eher begrenzt.

Neben Waste Management Companies spielen auch informelle Waste Picker eine wichtige Rolle im südafrikanischen Recyclingsystem. Diese sammeln wiederverwertbare Stoffe entweder von Deponien oder aus den Mülltonnen von Haushalten oder Unternehmen. Waste Picker mit großen Handwagen sind mittlerweile ein alltäglicher Anblick in südafrikanischen Großstädten. Über die Zahl der aktiven Waste Picker gibt es keine verlässlichen Angaben. Schätzungen variieren zwischen 90.000 und 160.000. Die gesammelten Materialien gehen häufig in die durch Verbands- und Industrieinitiativen unterstützten Buy Back Center. Dies sind Kleinunternehmen, die Wertstoffe sortieren und weiterverkaufen.

Kunststoffrecycling im Kommen

Die südafrikanische Kunststoffindustrie erreichte 2013 eine Wiederverwertungsrate von 18,6 Prozent. Bei Plastikverpackungen konnten sogar 30,1 Prozent recycelt werden. Ein noch höherer Wert wird vor allem durch die mangelnde Verfügbarkeit von Altmaterial gebremst. Die Firmen verfügen laut einer Umfrage des Branchenverbandes Plastics SA noch über Kapazitätsreserven von 28 Prozent. Der überwiegende Teil des Recyclingmaterials wird von informellen Sammlern geliefert, die oft nicht wissen, welche Stoffe gefragt sind. Zudem sammeln diese Waste Picker nur so viel Material, wie für ein Tageseinkommen erforderlich ist. Sorge bereitet deshalb, dass vermehrt Altkunststoffe nach Asien exportiert werden, wo ein deutlich höherer Preis als am Kap erzielt werden kann.

Das Recyclingvolumen dürfte in den kommenden Jahren aber deutlich zunehmen. Nach den Angaben von Douw Steyn von Plastics SA sollen im Rahmen der Initiative „Zero Plastics to Landfill“ bis 2030 keine Kunststoffe mehr auf den Deponien landen. Das südafrikanische Department of Science and Technology (DST) hält in einer Untersuchung ein Recyclingvolumen von 785.000 Tonnen bis zum Jahr 2022 für möglich. Wenn die Initiative gelingt, wären bis 2030 sogar 1,3 Millionen Tonnen zu schaffen. Mit dem Bevölkerungswachstum legt der Kunststoffkonsum insgesamt zu und sorgt für größere Mengen an wiederverwertbarem Material. Eine besonders hohe Quote ist mit 48,2 Prozent bereits bei PET-Flaschen zu verzeichnen. Der Fachverband PETCO peilt bis 2017 einen Wert von 60 Prozent an. Das Unternehmen Mpact gab im August 2014 bekannt, rund 350 Millionen Rand in den Bau einer Anlage für PET-Recycling in Germiston östlich von Johannesburg investieren zu wollen. Die Kapazität soll 21.000 Tonnen im Jahr betragen.

Mit der prognostizierten Ausweitung des Kunststoffrecyclings dürfte es zunehmend zu Lieferchancen bei den mehr als 230 in der Branche tätigen Unternehmen kommen. Der Markt konzentriert sich stark auf Gauteng (Johannesburg, Pretoria), wo 50 Prozent der Firmen ansässig sind. Während die Sortierung größtenteils manuell erfolgt, gibt es Nachfrage bei den Arbeitsschritten Granulation, Reinigung, Trocknung und Pelletierung. Aufgrund hoher Verunreinigungsgrade benötigt Südafrika moderne Waschanlagen, beschreibt Douw Steyn den Bedarf. Auch energieeffiziente Lösungen sind zunehmend gefragt.
Versorgungsengpässe bei Altpapier

Laut Zahlen der Paper Recycling Association of South Africa wurden im letzten Jahr 62,1 Prozent des wiederverwertbaren Papiers gesammelt, was etwa 1,17 Millionen Tonnen entspricht. Davon werden 1,10 Millionen Tonnen innerhalb Südafrikas in neue Produkte verarbeitet, der Rest geht in den Export. Der Recyclingwert von Papier steigt, da die großen Hersteller wie Mpact, Nampak und Sappi ihre Mühlen verstärkt auf die Nutzung von Altmaterial umstellen. Dadurch gibt es derzeit Versorgungsengpässe. Mpact investiert bis 2017 rund 750 Millionen Rand in die Erweiterung seiner Felixton-Mühle, wobei die von 60.000 auf 215.000 Tonnen pro Jahr erhöhte Kapazität komplett mit Altpapier ausgelastet werden soll. „Um ausreichend wiederverwertbares Material beschaffen zu können, wäre es wichtig, für Aufklärung bei den Herstellern zu sorgen, damit keine derzeit in Südafrika nicht recycelbaren Stoffe wie Wachs oder laminiertes Papier verwendet werden“, führt Ursula Henneberry von Prasa aus. Trotz der derzeit hohen Nachfrage sind die langfristigen Aussichten für Papierrecycling in Südafrika nur moderat. Einem Anstieg des Verbrauchs bei Verpackungen steht ein Rückgang bei Zeitungen und Magazinen gegenüber. Das Recyclingvolumen dürfte deshalb nur leicht zunehmen. Das DST hält in seinen Studien für 2022 eine Menge von etwa 1,4 Millionen Tonnen in Südafrika wiederverwertetem Altpapier für möglich.

Glasverpackungen mit Mehrfachnutzung

Zur Mehrfachnutzung von Glas gründeten die beiden südafrikanischen Flaschenhersteller Nampak und Consol die gemeinsame The Glass Recycling Company (TGRC). Diese finanziert sich aus einer Umlage der Hersteller und Abfüller und betreibt Initiativen zur Sammlung von Altglas. Dazu gehören ein Pfandsystem für bestimmte Flaschen (große Bierflaschen, Branntwein, Soft Drinks), die Einrichtung von Buy Back Centern, das Aufstellen von Glascontainern und Abholdienste bei Großverbrauchern. „In Südafrika werden im Jahr 3,1 Millionen Tonnen an Glasverpackung verbraucht, wovon 2,1 Millionen für eine Mehrfachnutzung geeignet sind“, erläutert Shabeer Jhetam, CEO von TGRC. Der Rückgabeanteil ist insgesamt hoch: „Etwa 80 Prozent des lokal produzierten Biers werden in bereits genutzten Flaschen verkauft.“ Die restlichen etwa eine Million Tonnen sind nicht mehrfach einsetzbar, oder es handelt sich um Bruchglas. Die Experten des DST gehen für 2022 von einem Recyclingvolumen von 576.000 Tonnen aus. Die südafrikanischen Glasrecycler verfügen bereits über modernste Technik, wie optische Sortieranlagen.

Getränkedosen künftig aus Aluminium

Vor Umwälzungen steht der Sektor für Metallverpackungen. Getränkedosen werden in Südafrika bislang noch aus Blech gefertigt. Der Dosenhersteller Nampak BevCan sowie die großen Abfüller wie South African Breweries und Coca-Cola investieren insgesamt über eine Million Rand in die Umstellung auf Aluminium. Einziger Hersteller von Aluminiumblech am Kap ist derzeit Hulamin, der seine Ausgangsstoffe bislang von den Aluminiumschmelzen von BHP Billiton in Richards Bay bezieht. Das Unternehmen rüstet für 300 Millionen Rand seine bestehenden Anlagen auf, um künftig auch Aluminium-Dosen recyceln zu können. Mit 72 Prozent ist die Recyclingrate bei Getränkedosen bereits hoch. Die Sammlung wird von dem Unternehmen Collect-a-Can vorgenommen, welches von Nampak und ArcellorMittal ins Leben gerufen wurde. Langfristig strebt Collect-a-Can eine Quote von hundert Prozent an.

Ausfuhrbeschränkungen für Altmetalle

Mit einem Volumen von 30.000 Tonnen im Jahr halten Getränkedosen jedoch nur einen geringen Anteil im Altmetallmarkt. Der überwiegende Teil kommt aus dem industriellen Bereich. Die südafrikanischen Recycler erlebten zuletzt schlechte Zeiten, da Altmetall in großem Stil nach Asien exportiert wurde. Für die heimischen Unternehmen stand kaum noch bezahlbares und qualitativ ausreichendes Material zur Verfügung. Besonders die Verarbeitung von gebrauchtem Aluminium hatte darunter zu leiden und brach in den letzten sechs Jahren um 64 Prozent ein.Um die heimische Industrie zu schützen, verhängte die südafrikanische Regierung Ausfuhrbeschränkungen. Eine Exportlizenz wird nur noch erteilt, wenn der konkrete Nachweis vorliegt, dass das Material zuvor heimischen Recyclern angeboten wurde, wobei ein Nachlass von 20 Prozent gegenüber dem internationalen Preis gewährt werden muss. Pro Jahr dürften in Südafrika etwa 2,5 Millionen Tonnen Altmetall wiederverwertet werden. Dieser Wert könnte weiter steigen, wenn wie geplant die Wiederverwertung von Elektronikschrott forciert wird. Von den jährlich anfallenden zwei Millionen Tonnen Elektronikschrott landen derzeit nur zwölf Prozent in den Händen von Recyclingfirmen. Bis 2024 soll dieser Wert auf 50 Prozent erhöht werden. Der Verband eWASA betreibt dazu entsprechende Initiativen zur Förderung von Sammelstellen und Aktionstagen.

Die Versorgung mit qualitativem Recyclingmaterial aus Abfallströmen ist vielfach nicht gegeben. Was von den Deponien gesammelt wird, ist häufig kontaminiert. Im Kunststoffbereich gibt es in der Regel nicht verwertbare Ausschüsse von 20 bis 25 Prozent. Haushaltsabfälle werden von den Verbrauchern zumeist nicht getrennt. Hier ist noch einiges an Aufklärung und Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung zu leisten. Die National Waste Strategy sieht vor, dass bis 2016 alle südafrikanischen Großstädte Projekte zu „Separation at Source“ auf den Weg bringen. Dieser Termin dürfte insgesamt nicht zu halten sein. In den wichtigen Metropolen Johannesburg, Kapstadt, Durban und Pretoria sind zwar Pilotprojekte angelaufen, doch mit unterschiedlichem Erfolg. In Kapstadt sicherte sich das Unternehmen WastePlan einen Auftrag für ein Projekt mit 140.000 Haushalten. Den Teilnehmern wird dabei eine Tonne für wiederwertbare Stoffe zur Verfügung gestellt, die WastePlan regelmäßig leeren lässt. Der gesammelte Abfall wird in einer eigenen Waste Recovery Facility in Kraaifontein sortiert und an Recyclingunternehmen verkauft. „Aufgrund umfangreicher Marketingmaßnahmen erreichen wir in Kapstadt eine Beteiligungsquote von 70 bis 90 Prozent“, äußert sich Bertie Lourens, CEO von WastePlan, zum Konzept. In den anderen Städten wird für die Abholung bei den Haushalten dagegen vornehmlich auf kleine Unternehmen oder Kooperativen unter Beteiligung von Waste Pickern gesetzt. Hier fällt die Akzeptanz der Bevölkerung geringer aus. Der Hauptunterschied zwischen den Modellen liegt darin, dass WastePlan in Kapstadt von der Stadtverwaltung einen ausreichenden finanziellen Zuschuss für den Betrieb eines Abholungssystems erhält, während zum Beispiel in Pretoria die Kosten hauptsächlich aus dem Verkauf der gesammelten Wertstoffe gedeckt werden sollen.

Für die Bürger noch Neuland

Nur mit Subventionen durch die Gemeinde ist jedoch der Betrieb von großflächigen Abholsystemen mit professioneller Ausrüstung und Marketingmaßnahmen wirtschaftlich. Ohne zuverlässigen Service und Aufklärungskampagnen lassen sich in Südafrika keine hohen Beteiligungsraten in der Bevölkerung erzielen, da Abfalltrennung für die Bürger oft noch völliges Neuland ist. Mangels entsprechender Kennzeichnung herrscht weitgehend Unwissen, welche Stoffe überhaupt wiederverwertbar sind. Hier will der Einzelhändler Woolworths Abhilfe schaffen und führt, unterstützt von Partnern aus der Recyclingwirtschaft, ein Kennzeichen für wiederverwertbare Verpackungen ein, das sich zum nationalen Standard entwickeln soll. Wenn sich Modelle mit einer Bezuschussung durch die Kommunen durchsetzen, könnte es zahlreiche Aufträge für den Betrieb von Abholsystemen und Wiederverwertungs-Einrichtungen geben. In Kapstadt wird bereits eine Ausdehnung der Abfalltrennung auf das gesamte Stadtgebiet geplant.


 

Webadressen

Department of Environmental Affairs (DEA) www.environment.gov.za
Waste Road Map, Department of Science & Technology www.wasteroadmap.co.za
D&H Recycling dhrecycling@gmail.com
Plastics SA www.plasticsinfo.co.za
PET Recycling Company (Petco) www.petco.co.za
Paper Recycling Association of South Africa www.prasa.co.za
The Glass Recycling Company www.theglassrecyclingcompany.co.za
Collect-a-Can www.collectacan.co.za
Mpact www.mpact.co.za
Nampak www.nampak.com
WastePlan www.wasteplan.co.za
Pikitup www.pikitup.co.za
E-Waste Association of South Africa www.ewasa.org
My Waste South Africa www.mywaste.co.za


Verfasser: Heiko Stumpf
Quelle: Germany Trade & Invest

Foto: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

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