Schrottmarktbericht Dezember 2014: Nicht gut und nicht schlecht

Als nicht gut, aber auch nicht schlecht beschrieb der Handel seine Geschäftslage im November. Durch die Entwicklung im internationalen Stahl- und Schrottmarkt hatten die Marktteilnehmer mit Preisrückgängen gerechnet. Diese lagen im Berichtsmonat bei durchschnittlich 15 Euro pro Tonne. Je nach Region und Einflussfaktoren waren die Abschläge und das Schrottangebot unterschiedlich. Die Verbraucher in Ostdeutschland senkten die Preise je nach Werk und Sorte um 15 bis 17,50 Euro pro Tonne.

Die norddeutschen Stahlhersteller konnten von den schlechten Absatzmöglichkeiten der Lieferanten in Drittländer profitieren und die Preise mit 17 bis 20 Euro pro Tonne deutlicher zurücknehmen. Der Westen befindet sich schrottabsatztechnisch gesehen nach wie vor in einer schwierigen Lage. Seit Juni ist die Produktion an der Ruhr gedrosselt; nicht alle technischen Probleme sind überwunden, und durch den günstigen Erzpreis reduzierten die Hüttenwerke den Schrottverbrauch. In der Folge sind Neuschrotte zum Teil nur schwer absetzbar. Die süd- und südwestdeutschen Verbraucher konnten von dem Minderbedarf in Italien profitieren und daher die Preise deutlicher zurücknehmen als die Kollegen im übrigen Deutschland. Der Verbraucher in Süddeutschland reduzierte die Preise je nach Sorte um 20 Euro und mehr pro Tonne, wobei der Zulauf an Altschrott in diesem Jahr zum Ende der 49. Kalenderwoche gestoppt wird. Am Monatsanfang lagen beispielsweise die Abschläge des großen Schrottabnehmers im Südwesten Deutschlands bei 15 Euro pro Tonne, erhöhten sich jedoch bei späteren Vertragsabschlüssen bis zum Redaktionsschluss auf bis zu 25 Euro pro Tonne.

Die Auslastung der Stahlwerke ist unverändert hoch, und laut Informationen aus Handelskreisen lagen die Bestellmengen der Werke sogar über denen des Vormonats. Einige Abnehmer kauften im Hinblick auf den geringeren Bedarf zum Jahreswechsel zudem monatsübergreifend ein. Dazu wurden sie möglicherweise durch den Handel ermuntert, da viele Schrottanbieter angesichts des schwierigen Marktumfeldes ihre Lager geräumt haben. Hinzu kam, dass Händler wegen der schleppenden Absatzmöglichkeiten in Drittländer versuchten, ihre Ware im Inland zu verkaufen und dadurch das Angebot im Markt insgesamt entsprechend hoch war. Der Handel beklagte sich über manche Werke, die gekaufte Mengen nicht abnehmen und im Nachhinein Liefertermine verschieben, die sich zum Teil bis Januar hinziehen. Dieses Verhalten zeigt, dass der Lieferantenkredit mal wieder gerne in Anspruch genommen wird, gilt er doch als günstigste Maßnahme, sich Liquidität auf Kosten des „Kreditgebers“ zu verschaffen. Ein weiterer Grund für das gezeigte Einkaufsverhalten sind wohl auch Befürchtungen, im kommenden Monat nicht ausreichend versorgt zu werden. Die Nachfrage nach bestimmten Altschrotten war teilweise größer als das Angebot. Die reduzierten Einkaufspreise lassen die Sammelleistung sinken, was sich negativ auf das Vormaterial für die Aggregate auswirkt.

Nachbarländer

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Bei einem stark verminderten Importbedarf senkten italienische Verbraucher ihre Einkaufspreise um 15 bis 20 Euro pro Tonne. Ein nochmaliger Ofendefekt beim bisher größten italienischen Schrottverbraucher am 2. November ließ den Bedarf einbrechen. Zeitweise sollen bis zu 700 mit Schrott beladene Waggons auf ihre Entladung gewartet haben. Erst seit der 46. Kalenderwoche ist die Produktion mit dem zweiten kleineren Elektroofen wieder angelaufen. Der Schaden hat die ohnehin sehr angespannte Lage in Italien zusätzlich belastet. Die produzierenden Werke hatten keine Probleme, sich weitgehend über die inländischen Lieferanten einzudecken, und konnten ihnen gegenüber die Preise deutlicher senken. Für die Nachbarmärkte in den Niederlanden, Frankreich und insbesondere Luxemburg wurde ebenfalls ein normaler Bedarf gemeldet. In den Niederlanden gingen die Schrottpreise je nach Verbraucher um bis zu 15 Euro pro Tonne zurück.

Positiv ist zu vermerken, dass der in Schwierigkeiten geratene Stahlhersteller Nedstaal seit dem 1. November mit der niederländischen Andus group einen Investor gefunden hat und weiter produziert. In Frankreich senkten die Verbraucher die Preise um etwas über 15 Euro, pro Tonne, und der Bedarf des Luxemburger Stahlherstellers entsprach dem in den beiden vorhergehenden Monaten, wobei hier ebenfalls die Preisreduzierung bei 15 Euro pro Tonne gelegen hat. In Österreich fiel der Preis für Neu- und schweren Altschrott um 20 Euro pro Tonne, alle anderen Sorten wurden mit einem Abschlag von 25 Euro pro Tonne eingekauft. In der Schweiz deckten die Verbraucher ihren verminderten Importbedarf aufgrund hoher Bestände je nach Sorte mit Abschlägen von 15 bis 22 Euro pro Tonne ein; der Preisrückgang für die inländischen Lieferanten betrug 25 Schweizer Franken pro Tonne. Tschechische und polnische Schrottanbieter mussten ebenfalls Reduzierungen in Höhe von 15 Euro pro Tonne akzeptieren.

Teure Bestände  

Das für den europäischen Schrotthandel wichtigste Abnehmerland Türkei befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Chinesische Stahlimporte setzen die Preise unter Druck, und die traditionellen Abnehmerländer für türkischen Stahl zeigen eine verhaltene Nachfrage. Deshalb haben die Exporteure das Problem, dass neben den ausgesprochen eingeschränkten Absatzmöglichkeiten für Schrott auch der Preis für die Standard­exportsorte HMS 1/2 (80:20) CFR Türkei seit Anfang Oktober um 40 bis 50 US-Dollar pro Tonne gefallen ist. Hinzu kommt, dass türkische Verbraucher derzeit nur bei den Anbietern mit dem günstigsten Gebot kaufen, ganz gleich wo diese ihren Sitz haben. Dabei stehen zwar die Europäer im Fokus, aber die Bestellmengen im November sind gegenüber Oktober deutlich rückläufig. Einige Exporteure verfügen im Moment wegen des Preisverfalls über teure Bestände, und müssen sich darauf beschränken, ihre Verluste zu begrenzen.

Gießereimarkt

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Nichts Neues gibt es zur unterschiedlichen Beschäftigungslage in der Gießereiindustrie. Je nach Sorte reduzierten die Gießereien, die an keinen Index gebunden sind, die Preise von 8 bis 15 Euro pro Tonne. Zunehmend macht sich die schwächer werdende Konjunktur bemerkbar, sodass Hersteller, die zum Beispiel für den internationalen Landmaschinenbau produzieren oder deren Russlandgeschäft weggebrochen ist, wirtschaftlich unter Druck geraten. Bei bestimmten Gießereischrottsorten gibt es ein Überangebot mit deutlicheren als den vorerwähnten Preisreduzierungen. Im Gegensatz dazu sind die Roheisenpreise trotz des gesunkenen Erzpreises relativ stabil geblieben. Durch das bisher fehlende Angebot aus der Ukraine haben es die Anbieter aus Brasilien und Russland relativ einfach, die Preise stabil zu halten, zumal der schwache Euro hinreichend Unterstützung bietet.

Aussichten

Der Handel sieht den Abwärtstrend bei den Schrottpreisen als noch nicht gestoppt an, da die Erzpreise wegen der hohen Erzverfügbarkeit noch länger günstig bleiben dürften und eine Wende der schwierigen Absatzlage für Fertigstähle nicht in Sicht ist. Die Elektrostahlwerke nutzen traditionell die Weihnachtszeit und das Neujahrsfest für Betriebsstillstände, die nach Ort und Dauer noch nicht umfassend bekannt sind. Durch die spezielle Situation, die der Jahreswechsel in der nördlichen Hemisphäre mit sich bringt, rechnet der Handel für Dezember und Januar eher nicht mit größeren Preisbewegungen. Der Schrottbedarf wird zwangsläufig geringer sein als im November; damit einhergehend sinkt das Schrottaufkommen in Industrie und Gewerbe und folglich die Sammelleistung. Das Wetter könnte selbstverständlich alle Erwartungen über den Haufen werfen, denn Abnehmer und Lieferanten hat es in Nordamerika bereits durch den plötzlichen heftigen Wintereinbruch erwischt.

Redaktionsschluss 20.11.2014 BG-J/bvse
(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR1214S32)