China wird den Markt weiter kontrollieren

Im Mittelpunkt der Fachspartensitzung Edelstahl und Speziallegierungen auf der BIR-Herbsttagung in Paris stand der Einfluss Asiens auf den globalen Edelstahlmarkt. Dieser lässt sich, einfach gesagt, als „groß“ beschreiben.

Wie Bharat Mandloi (Cronimet ABCOM, Singapur) hierzu erklärte, bestimmt der Kontinent mit einem Anteil von derzeit über 70 Prozent den Markt. Mit einem Anteil von 30 Prozent nimmt dabei China eine führende Stellung im Bereich Edelstahlschrott ein. Verglichen mit dem Welt-Durchschnitt beträgt der Marktanteil diesbezüglich sogar mehr als 50 Prozent. Die Volksrepublik hat in diesem Zusammenhang vor allem an Nickel-Roheisen Bedarf.

Nickelmarkt: Unterversorgung droht

Indien ist in den letzten zwei Jahren zum wichtigsten Käufer von Edelstahlschrott geworden. Und die Aufbereitung und Verarbeitung funktioniert laut Mandsloi nach dem „Hand-in-den-Mund-Prinzip“: Die Schredderbetriebe im Land produzieren nicht auf Halde. Was an Material reinkommt, findet auch Abnehmer. Gegenwärtig, so André Reinders (Nicrinox FZE, Arabische Emirate) ergänzend, liegen die Preise, die indische Käufer pro Tonne Edelstahl zahlen, um die 100 US-Dollar höher als in Europa. Der Referent zeigte sich beindruckt, wie schnell es China gelungen sei, sich an die Spitze im Edelstahlmarkt zu setzen. Der Aufstieg Chinas in diesen Markt sei geradezu phänomenal. „Aufgrund der Exportsteuer von 40 Prozent glaubten wir immer, China wäre ein Netto-Exporteur von Edelstahlschrott. Doch das ist nicht der Fall“, kommentierte Reinders die Entwicklung. Mittel- und langfristig hat für ihn jedoch Indien die Nase vorn: „Das Land hat das größte Wachstumspotenzial im Edelstahl-Bereich. Schon heute beträgt der Pro-Kopf-und-Jahr-Verbrauch 1,2 Kilogramm. In der Volksrepublik sind es zehn Kilogramm.“ China werde den Markt allerdings weiterhin kontrollieren.

Tobias Kämmer von KMR Stainless, Niederlande berichtete anschließend, dass die Volksrepublik in diesem Jahr 22.5 Millionen Tonnen an Rohedelstahl produzieren wird. Und damit etwas mehr als die Hälfte der angestrebten 43,6 Millionen Tonnen. Indonesiens Erz-Ausfuhrverbot hat dabei den Nickelpreis in die Höhe getrieben. Sollte das Ausfuhrverbot anhalten, droht in den kommenden Jahren eine Unterversorgung auf dem Nickelmarkt. Zum Nachteil Chinas, das bislang, so Kämmer, von der „Ära des billigen Nickels“ profitiert hatte. Die Bedeutung von Edelstahl werde in jedem Fall zunehmen. Zum führenden Importeur von Edelstahlschrott haben sich auch die USA entwickelt. Aufgrund einer wachsenden Nachfrage im Land ist zu erwarten, dass die Kapazitäten erweitert werden. In den ersten Monaten 2014 war das Schrottvolumen um 200 Prozent höher als in der Vorjahresperiode.

Der BIR-Fachausschuss Edelstahl & Speziallegierungen wählte auf seiner Tagung Joost van Kleef, Commercial Manager von KMR Stainless, zum neuen Vorsitzenden. Joost van Kleef löste Mark Sellier, OneSteel Recycling, ab, der das Komitee in den letzten zwei Jahren als Interimsvorsitzender geleitet hatte.

Foto: EU-R Archiv

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