Überkapazitäten drücken die Preise

Das Geschäft mit Stahlschrott bringe derzeit nicht viel Freude oder Gewinn, erklärte Christian Rubach (TSR Recycling), scheidender Präsident der Fachsparte Eisen und Stahl, während des Treffens im Rahmen der BIR-Herbsttagung in Paris.

In den acht Jahren seiner Amtszeit habe er alles erlebt – von den früheren „Boom“-Jahren über die Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 bis zu Zeiten der Stagnation, so Rubach. Sein Nachfolger im Amt, William Schmiedel (Sims Metal Management, USA), hat sich offenbar auf eine – von den Überkapazitäten in der chinesischen Stahlherstellung verursachten – Konjunkturdelle im Schrottgeschäft eingestellt. In seinem Marktbericht beschrieb er, dass der Eisenerzpreis bis September dieses Jahres auf 77 US-Dollar je Tonne abgerutscht war. Obwohl seitdem wieder eine leichte Preiserholung eingetreten ist, rechnet er in absehbarer Zukunft mit ähnlich niedrigen Preisen. Diese Situation habe eine umfangreiche negative Korrektur auf dem globalen Schrottmarkt bewirkt, konstatierte er, zumal der Elektrolichtbogenofen-Sektor darum kämpfe, mit seinem integrierten Pendant in China und anderswo konkurrieren zu können.

Obwohl sich in der Volksrepublik das Konsumklima abgeschwächt hat, blieb das Produktionslevel konstant, was im September zu chinesischen Rekord-Ausfuhren von 8,5 Millionen Tonnen an Halbzeugen und Fertigprodukten aus Stahl führte, die fast zehn Prozent höher lagen als im August. Laut Schmiedel ließen Berichte vermuten, dass die Exportmengen auch im Oktober und November auf diesem Niveau verharrten. Im Jahresvergleich soll sich das Volumen um 73 Prozent auf 87 Millionen Tonnen erhöhen. In diesem Zusammenhang erwähnte der neue Fachspartenpräsident Maßnahmen von Ländern wie Ägypten, Mexiko und der Türkei gegen China, wobei er eine neue Protektionismus-Welle erwartet.

Nach den Schätzungen verringert sich der chinesische Stahlbedarf in diesem Jahr um mindestens ein Prozent. Dies liegt den Angaben zufolge hauptsächlich an der Verschlechterung im Immobiliensektor; Chinas Anstrengungen, die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen, hätten Investitionen verhindert und den Ausblick auf die chinesischen Geschäfte geschwächt. Wie Schmiedel weiter berichtete, wird das relativ schwache Wachstum des Bruttosozialprodukts wahrscheinlich auch im nächsten Jahr zu beobachten sein. Seiner Prognose zufolge ist zu erwarten, dass die chinesische Regierung ein finanzielles Stimulusprogramm auflegen und die Restriktionen im Immobilienmarkt lockern wird, was die Vorhersage zum Stahlverbrauch erhöhen sollte.

Tom Bird (Mettalis Recycling, Großbritannien) untermauerte die Einschätzung des neugewählten Präsidenten der Fachsparte Eisen und Stahl. Mit Blick auf die enormen Stahlausfuhren der Volksrepublik China konstatierte er, dies habe die europäischen Schrottpreise nach unten gezwungen. Trotzdem sei die Schrottnachfrage noch vorhanden. Nach seinen Informationen liegt das europäische Niveau im Schrotthandel immer noch weit unter den Kapazitäten, wobei die Margen bei einer angespannten Versorgungssituation nach wie vor unter Druck stehen. Laut Bird ist Spanien aufgrund seiner verstärkten Aktivitäten attraktiver geworden, insbesondere für britische Hersteller wegen der zum Pfund Sterling günstigen Preise. Auch das Containergeschäft innerhalb der EU sei in den vorangegangenen Monaten stark gewesen, habe sich in den letzten Wochen aber wieder abgeschwächt. In Italien hätten die Preise in der zweiten Septemberhälfte nachgegeben und seien im Oktober weiter gesunken. Die Lagerbestände der Hersteller reflektierten die schwache Nachfrage nach Fertigprodukten. Der Redner hatte aber auch eine gute Nachricht für die Anwesenden: Seiner Meinung nach ist die Talsohle erreicht. Das vierte Quartal dieses Jahres werde zwar eine Herausforderung sein, meinte er, aber mit dem anhaltenden Bedarf an Stahlschrott und dem kommenden Winter könne die Branche eine leichte Erholung im November und Anfang Dezember erleben.


 

Schrott in Zahlen

Die Volksrepublik China setzte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit 47,5 Millionen Tonnen 9,4 Prozent mehr Stahlschrott ein, teilte Rolf Willeke, Statistik-Beauftragter der Fachsparte Eisen und Stahl, mit. In Japan stieg die zur Rohstahlproduktion genutzte Menge um fünf Prozent auf 18,98 Millionen Tonnen und in der Republik Korea um 2,1 Prozent auf 16,9 Millionen Tonnen. Aber auch in der Europäischen Union (EU-28) legte der Schrottverbrauch zu, wenn auch nicht ganz so stark wie in Asien. Mit dem Einsatz von 47,7 Millionen Tonnen betrug der Anstieg 3,4 Prozent. Als größte Verbraucher erwiesen sich Italien (plus 5,3 Prozent auf 10,8 Millionen Tonnen), Deutschland (plus ein Prozent auf 9,8 Millionen Tonnen), Spanien (plus 2,5 Prozent auf 6,1 Millionen Tonnen) und Frankreich (plus 1,9 Prozent auf 4,1 Millionen Tonnen).

In der ersten Jahreshälfte 2014 war die EU im Schrottbereich der führende Exporteur, denn von Europa aus wurden insgesamt 8,584 Millionen Tonnen – 4,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – versandt. Hauptabnehmer war die Türkei, die 5,19 Millionen Tonnen Schrott (plus 12,3 Prozent) bezog.


 

Brigitte Weber

Foto: Marc Szombathy

(EUR1214S18)