Die Rohstoffqualität wird immer wichtiger

Als der Weltrecyclingverband Bureau of International Recycling (BIR) in Paris tagte, mussten die Delegierten der Fachsparte Papier aber auch einige schlechte Nachrichten verkraften.

Das Konjunkturbarometer tendiere in vielen Teilen der Welt nach unten, charakterisierte  Fachspartenpräsident Reinhold Schmidt (Recycling Karla Schmidt) das aktuelle Geschäftsumfeld. Überkapazitäten in der Papierindustrie, Forderungen nach höherer Faserqualität, sinkende Margen der Altpapieraufbereiter und die weltweite Verschuldungssituation mit ihren Unwägbarkeiten beeinflussen nach seiner Darstellung das Geschäftsklima. Verschärft werde dieser Mix durch Überregulierungen im Recyclingsektor und zunehmende protektionistische Maßnahmen.

Aber auch Energie- und Logistikkosten werden laut Schmidt die Branche zusätzlich belasten.  Im- und exportierende Branchenunternehmen sollten – sofern sie den Seeweg für den Warentransport wählen – der neuen „Green Fuel Regulation“ Aufmerksamkeit schenken, so sein Rat. Die ab Januar 2015 geltende Regelung bedeutet, dass Schiffe ihre Emissionen deutlich reduzieren müssen, wenn sie sogenannte „Sulfur Emission Control Areas (SECA)“ durchqueren. Infolge der dafür notwendigen Maßnahmen rechnet Schmidt mit Steigerungen in den Containerraten.

China senkt die Altpapiereinfuhren

Viele gute Nachrichten gab es nicht während der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Paris. (Foto: Brigitte Weber)

Viele gute Nachrichten gab es nicht während der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Paris. (Foto: Brigitte Weber)

Ranjit Baxi (J&H Sales International, Großbritannien), Ehrenpräsident der BIR-Fachsparte Papier, hob in seinem Bericht hervor, dass die Rohstoffqualität immer wichtiger wird und das zentrale Schlüsselthema bleibt, wenn es darum geht, über die Lieferregion (zum Beispiel Europa oder die USA) zu entscheiden. In Anbetracht des sich abschwächenden Wachstums in der internationalen Papier- und Kartonproduktion von zehn auf drei Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre legten die Papierhersteller in ihrer Beschaffungspolitik den Fokus auf sinkende Produktionskosten und eine verbesserte Leistungsfähigkeit der Produktion.

Laut Baxi hat die Volksrepublik China in den ersten acht Monaten 2014 rund 18,6 Millionen Tonnen Altpapier eingeführt, sechs Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2013 (19,8 Millionen Tonnen). Dabei importierte das Land beispielsweise fast 9,8 Millionen Tonnen (minus zwei Prozent) aus Amerika, rund drei Millionen Tonnen (minus 17 Prozent) aus Asien und 5,1 Millionen Tonnen (minus sechs Prozent) aus Europa. Nach den angestellten Hochrechnungen wird die chinesische Altpapier-Importmenge in diesem Jahr etwa drei Millionen Tonnen (oder zwölf Prozent) niedriger ausfallen als im Jahr 2013 (31,65 Millionen Tonnen) und insgesamt rund 27,96 Millionen Tonnen betragen.

Innerhalb Europas bevorzugt die Industrie des bevölkerungsreichsten Lands der Erde schon seit längerem Altpapier aus Großbritannien, denn die von dort bezogene Menge stieg zwischen Januar und Ende August 2014 gegenüber  dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 8,24 Prozent auf etwa 2,26 Millionen Tonnen. Zweitwichtigster europäischer Lieferant sind die Niederlande, die in den acht Monaten 804.139 Tonnen (minus 21,86 Prozent) nach China exportierten, gefolgt von Italien mit 609.508 Tonnen (minus 1,87 Prozent). Nach der von Baxi vorgelegten Statistik lieferte Deutschland 188.564 Tonnen in die Volksrepublik China, fast 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Aus Norwegen importierte das Land 24.140 Tonnen (minus 32,63 Prozent)

Der Marktkenner erwartet, dass die Altpapiererfassung in China aufgrund des gestiegenen Umweltbewusstseins zunehmen wird. Ab Jahresende sollen auch die behördlichen Kontrollen verstärkt werden, unter anderem um die Altpapiersammlung zu unterstützen und zu verbessern. Parallel hierzu wird derzeit eine nationale Altpapier-Sortenliste vorbereitet, um die Sortierung und Klassifizierung der gesammelten Abfallströme zu erleichtern. Wie Ranjit Baxi mitteilte, ist sie noch im Entwurfsstadium und wird von einem chinesischen Recyclingverband erarbeitet. Ziel ist es, den Altpapiereinsatz für die chinesischen Fabriken so komfortabel wie möglich zu gestalten. In einer zweiten Phase ist von chinesischer Seite geplant, die Altpapier-Sortenliste an die in Europa gültige (DIN EN 643) anzugleichen.

Der europäische Altpapiermarkt

Die während der Sitzung der BIR-Fachsparte Papier vorgetragenen Zusammenfassungen der Marktsituation auf Basis des vierteljährlichen BIR-Berichts spiegelten im Großen und Ganzen die geschilderte Wirtschaftslage wider.

Westeuropa

In Frankreich zeigte der Markt in der zweiten Oktoberhälfte Zeichen der Erholung, zumal sich die Fasernachfrage verbesserte. Obwohl die Altpapiervorräte der Hersteller stiegen, blieb im Hinblick auf die niedrigeren Sorten der Bedarf konstant. Allerdings sank das Sammelniveau im Drucksektor. Wie es hieß, blieb in Frankreich der Wettbewerb um die Faserbeschaffung intensiv. In Deutschland sind die Altpapierlager den Angaben zufolge gut gefüllt, vor allem mit braunen Sorten. Die Preise änderten sich nicht, obwohl es aufgrund der starken Nachfrage bei mittleren und holzfreien Qualitäten zu leichten Preiserhöhungen kam. Die Exportmärkte in Osteuropa erwiesen sich bei einer relativ guten Nachfrage als stabil, während die Ordervolumen der Kartonhersteller in West- und Südeuropa leicht zurückgegangen sind.

Osteuropa

Die Situation ist von schrumpfenden Sammelmengen geprägt. In Tschechien spiegelte die erfasste Altpapiermenge beispielsweise den um 2,5 Prozent gesunkenen Papierkonsum wider. Dies hatte zur Folge, dass die Hersteller keine Lagerbestände aufgebaut haben und sich das Altpapier problemlos verkaufen lässt. Allerdings wird das Geschäft als unstabil angesehen. Innerhalb des Landes sank der Altpapierverbrauch – trotz einer höheren Papierproduktion – um neun Prozent; der Faserexport nahm dagegen um 2,5 Prozent zu.

Infolge des nahenden Winters geht man auch in der Türkei von sinkenden Sammelraten aus. Ende September verursachte eine geringe Nachfragebelebung Preiserhöhungen im Umfang von zehn Prozent. Den Angaben zufolge verfügen die türkischen Papierfabriken über Vorräte für drei Wochen.

Südeuropa

In Teilen Südeuropas waren laut dem BIR-Bericht die erfassten Altpapiermengen sehr niedrig, aber die Preise blieben im Wesentlichen konstant. Es war daher für die Branche eine Überraschung, dass die Abnehmer in Spanien die Preise für braune Sorten um zehn Euro je Tonne kürzten als Reaktion auf die gedrosselte Produktion der Hersteller, deren Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten wegen der neuen nationalen Energieregelung beeinträchtigt ist. In Italien, wo die negative Wirtschaftsentwicklung für das geringere Sammelvolumen verantwortlich gemacht wird, ließen weniger Papier- und Kartonimporte im August vermuten, dass die Auftragsbücher der italienischen Papierfabriken einigermaßen gefüllt waren.

Nordeuropa

Eine Ausnahme bilden die skandinavischen Staaten. So wächst in Schweden die Altpapiererfassung und die Nachfrage nach Kaufhausware wird als solide bezeichnet. Obwohl die Exporte südschwedischer Ware nach Polen und Deutschland steigen, hat das im Land wegen des höheren Aufkommens keine negativen Auswirkungen. In Finnland ist die Marktlage vergleichbar. Nachdem Stora Enso angekündigt hat, dass die neue Kartonproduktion in Varkaus als Rohstoff Kaufhausware nutzen wird, gehen Schätzungen von einem jährlich Altpapierverbrauch der Anlage in der Größenordnung von wahrscheinlich 100.000 Tonnen aus.

Brigitte Weber

Foto: O. Kürth

(EUR1214S16)