Schrottmarktbericht Januar 2015: Knappes Angebot

Der Handel meldete gegenüber dem Vormonat bei einem dezembertypischen Bedarf weitgehend unveränderte Preise. Aus Marktkreisen wurde berichtet, dass einige Verbraucher gerne mehr Altschrott gekauft hätten, als angeboten wurde. Im Berichtsmonat Dezember zeigte sich somit deutlich die Angebotslücke des seit Monaten von der Schrottwirtschaft beklagten, rückläufigen Aufkommens an guten Altschrottqualitäten. Der suboptimale Auslastungsgrad vieler Aufbereitungsaggregate ist daher auch auf ein geringeres Sammelaufkommen zurückzuführen. In der Folge wird der Wettbewerb um das Vormaterial sehr intensiv geführt.

Nachbarländer

Die italienischen Schrottverbraucher hatten für Dezember unveränderte Preise ins Auge gefasst, da über den Jahreswechsel – mit Ausnahme von zwei Werken – drei bis vier Wochen die Produktion stillsteht. Das Stahlwerk in Cremona hatte wegen der technisch bedingten zeitweisen Produktionsausfälle im Oktober und November einen Nachholbedarf bei der Schrottbeschaffung. Mit dem Abruf von Altverträgen war dieser jedoch nicht zu decken, und so versuchte das Werk sich, am Monatsanfang mit einer Preisanpassung von 5 Euro pro Tonne gegenüber dem Vormonat die fehlenden Mengen, zu beschaffen. Sowohl die in- als auch die ausländischen Lieferanten zeigten eine eher verhaltene Lieferbereitschaft, weil die vom Stahlhersteller einseitig verlängerte Inanspruchnahme der Lieferantenkredite sich ungünstig auf die Geschäftsbeziehungen auswirkte.

Seit Dezember ist die Produktion im Stahlwerk in Terni wieder angelaufen und wird über die Jahreswende nicht unterbrochen. Die Schrottversorgung ist trotz einer schrittweisen Preisanpassung auf das europäische Niveau und darüber hinaus schwierig, weil die vom Werk gesetzten Preisanreize nicht den beabsichtigten Erfolg brachten. Gegenläufig wirken insbesondere die mangelnden Transportmöglichkeiten. So kann der Bahntransport von Deutschland aus ferienbedingt kaum in Betracht gezogen werden, und der Transport per Lkw ist wegen fehlender Rückfrachten stark eingeschränkt. Die Verbraucher in den übrigen Nachbarländern haben ihre Einkaufspreise ebenfalls weitgehend unverändert gelassen. Einzelne ausländische Verbraucher bemängelten ebenfalls das Altschrott­angebot.

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Berechnet auf der Basis der Durchschnittspreise in Euro/Tonne für die Länder Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. (Basisjahr 2001 = 100), Quelle: EUROFER

Normaler Bedarf

Die türkischen Verbraucher hatten ihre just-in-time Belieferungstaktik wohl etwas überreizt und mussten wegen des seit Ende November deutlich gestiegenen Bedarfs auf die Preisvorstellungen der Anbieter eingehen. Seit dem letzten bvse-Schrottmarktbericht haben türkische Werke laut der internationalen Fachpresse rund 950.000 Tonnen Schrott in Drittländern bestellt. Davon stammten lediglich 165.000 Tonnen aus den USA, der Rest verteilte sich auf Lieferanten aus dem Baltikum, dem Vereinigten Königreich und Kontinentaleuropa. Der Preis für die Sorte HMS 1/2 (75:25) aus Kontinentaleuropa erholte sich in diesem Zeitraum um fast 20 US-Dollar pro Tonne CFR Türkei. Die türkischen Betonstahlhersteller haben zwar versucht, eine entsprechende Preisanpassung bei den Fertigstählen vorzunehmen. Sie waren aber nur bedingt erfolgreich.

Gießereimarkt

Traditionell lassen viele Gießereien über den Jahreswechsel drei bis vier Wochen die Produktion ruhen. Zudem nutzen einige Gießereien den Zeitraum, um die zum Teil recht schwierige Auftragslage zu überbrücken. Gießereien, deren Einkaufspreise an keinen Index gebunden sind, haben die Preise je nach Sorte und Region um 2 bis 5 Euro pro Tonne gesenkt, andere haben sie unverändert gelassen. Die Roheisenpreise sind immer noch relativ stabil, weil der schwache Euro Preissenkungen in US-Dollar zum Nachteil der Käufer weitgehend absorbiert hat.

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Deutschland, Basisjahr 2010 = 100, Quelle: Statistisches Bundesamt/Destatis

Aussichten

Wie in jedem Jahr ist es zum Jahreswechsel schwierig vorherzusagen, inwieweit ein Lagerbestandsaufbau beim Handel stattgefunden hat. Angesichts der generell angespannten Finanzlage der Schrottwirtschaft dürfte er nicht üppig ausgefallen sein. Die Auslastung der Werke soll zumindest im Januar und Februar gut sein, sodass mit einem entsprechenden Schrottbedarf zu rechnen ist. Viele Schrotthändler sehen Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht und rechnen mit stabilen Preisen; andere schätzen die Schrottnachfrage höher ein als das Angebot und stellen sich leicht steigende Preise vor. Sie orientieren sich bei ihrer Einschätzung an der aktuellen Preisentwicklung im Tiefseemarkt. Alle Überlegungen sind jedoch theoretischer Natur und blenden sowohl die geopolitischen Wirrnisse als auch die Währungsturbulenzen zum Beispiel in Russland und der Türkei aus. Fakt ist, dass der Erzpreis von Januar bis Dezember um über 70 US-Dollar pro Tonne gesunken ist. Der Ölpreis hat das niedrigste Niveau seit fünf Jahren erreicht, und die chinesische Wirtschaft kann das angestrebte Wachstum nicht mehr erreichen.

Die Stahlnachfrage ist im Gegensatz zum Angebot gesunken, wodurch die Hersteller versuchen, ihre Produktion in Drittländern günstig zu verkaufen. Die Vielzahl an weltweiten Antidumpingmaßnahmen ist eine eindeutige Antwort der Betroffenen. Für den deutschen Schrotthandel dürfte sich mengenmäßig gegenüber dem Vorjahr wenig verändert haben. Insgesamt wird die Lage jedoch sehr unterschiedlich eingeschätzt; und zwar je nachdem, welche Größe ein Unternehmen hat und in welcher Region es tätig ist. Der eine oder andere hat sicherlich durch eine Änderung im Geschäftsverhalten seine Umsatzrendite gegenüber dem Vorjahr verbessern können. Als zunehmend belastend und kostentreibend werden genehmigungsrechtliche Vorgaben empfunden. Viel Geld und viel Zeit muss in die zum Teil nicht nachvollziehbaren behördlichen Vorgaben gesteckt werden. Geld und Zeit, die bedauerlicherweise im operativen Geschäft nicht mehr zur Verfügung stehen.

Redaktionsschluss 17.12.2014 BG-J/bvse

(Alle Angaben/Zahlen ohne Gewähr)

Foto: O. Kürth

(EUR0115S32)