Deutlich unter dem EU-Mittel: Griechenlands Entsorgungswirtschaft

Über 80 Prozent der griechischen Siedlungsabfälle landen auf vielfach unkontrollierten Deponien und solchen, deren Betriebszeit längst abgelaufen ist. Dem EU-Mitglied drohen hohe Strafgelder seitens Brüssel. 69 unkontrollierte aktive Deponien wurden schon gezählt, und Lösungen des Problems lassen noch auf sich warten.

Laut Eurostat fielen 2012 in Griechenland 503 Kilogramm Siedlungsabfälle pro Kopf an. Damit liegt das Land über dem Durchschnitt der Europäischen Union (EU-28) von 487 Kilogramm. Deutlich unter dem Mittel (EU-28: 41,3 Prozent) blieb der Recyclinganteil mit 17 Prozent zurück. 82 Prozent des griechischen Abfalls landeten auf Deponien (EU-28: 32,8 Prozent) und lediglich 1,6 Prozent wurden kompostiert. Nach der EU-Direktive 2008/98/EC müssen bis 2020 alle Mitgliedstaaten 50 Prozent der Siedlungsabfälle und 70 Prozent der Bau- und Abbruchabfälle wiederverwerten.

Insgesamt erzeugte Griechenland 2012 nach Eurostat-Angaben 72,3 Millionen Tonnen Abfälle. Das entspricht 2,9 Prozent des gesamten Aufkommens in der Europäischen Union. Den Löwenanteil haben mit 88 Prozent die mineralischen und verfestigten Abfälle (63,8 Millionen Tonnen). Es folgen mit 7,6 Prozent die gemischten und gewöhnlichen Abfälle (5,55 Millionen Tonnen) und die wieder verwertbaren Abfälle mit 2,7 Prozent (2,0 Millionen Tonnen). Chemische und medizinische Abfälle, Geräte, tierische und pflanzliche Abfälle sowie gewöhnliche Schlämme weisen nur geringe Anteile von unter einem Prozent auf.Die Daten der Griechischen Recyclinggesellschaft, die auf den Jahresberichten der einzelnen Recyclingsysteme basieren, zeichnen allerdings ein etwas anderes Bild der Entsorgungswirtschaft im Land. Danach ist der Anteil der wieder verwerteten Abfälle in einigen Kategorien beeindruckend hoch. So liegt zum Beispiel die Recyclingquote von Elektro- und Elektronikgeräten bei 98 Prozent, von Papier bei fast 84 Prozent und von Fahrzeugen bei 87 Prozent. Nachholbedarf besteht jedoch bei Aluminium, Glas, Kunststoff, Batterien und Akkumulatoren. Bioabfälle werden wenig kompostiert.

Unter Nutzung aller relevanten Technologien

Gegenwärtig laufen internationale Ausschreibungen für landesweit elf integrierte Abfallmanagementprojekte. Vorgesehen ist hier, gemäß den Umweltzielen sowohl der europäischen als auch der nationalen Gesetzgebung, die Nutzung aller relevanten Technologien. Für die Realisierung der Projekte nach dem Public-Private-Partnership-Prinzip (PPP) für 27 Jahre meldeten sich die größten griechischen Baufirmen als Konsortien gemeinsam mit griechischen Umwelt- oder Abfallmanagement-Unternehmen. Die Vorhaben sind für Westmakedonien, für Ostmakedonien und Thrakien, den Peloponnes, die Bezirke Ilia sowie Achaia in Westgriechenland, den Bezirk Serres in Zentralmakedonien, die Insel Korfu und Attika (vier Anlagen) ausgeschrieben. Der Anbieter mit dem wirtschaftlich günstigsten Angebot erhält den Zuschlag unter der Voraussetzung, dass auch die Umweltziele eingehalten werden. Die Kofinanzierungen aus öffentlicher Hand (40 bis 60 Prozent) sollen, je nach Projekt, über die Programme des Nationalen Strategischen Rahmenplans (jetzt: Partnerschaftsvertrag), das Programm der öffentlichen Investitionen, den Jessica-Fonds oder über die Europäische Investitionsbank laufen. Verzögerungen bei der Realisierung der Projekte zielen unter anderem auf die Nutzung von EU-Mitteln der neuen Förderperiode 2014 bis 2020 in Höhe von 500 Millionen Euro.

Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro

Insgesamt sind im Rahmen des sogenannten EU-Partnerschaftsprogramms im Förderzeitraum 2014 bis 2020 Projekte in Höhe von drei Milliarden Euro für die Abfall- und Wasserwirtschaft vorgesehen, so das Griechische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimawandel. Allein die Vorhaben in Attika haben ein Budget von 1,2 Milliarden Euro für Infrastruktur, Betrieb und Instandhaltung. Sie sollen 1.200 Arbeitsplätze während der Bauphase und 1.000 Arbeitsplätze in der Betriebszeit schaffen. Den Zuschlag für das Projekt auf dem Peloponnes erhielt das führende griechische Bauunternehmen Terna Energeiaki. Die 110 Millionen Euro teure Anlage soll 2015 den Probebetrieb aufnehmen. Die Anlage im Bezirk Ilia (Baukosten: 38 Millionen Euro) wird ein Konsortium aus den Unternehmen J&P Avax, Mesogeios und AAGIS bauen und betreiben. Das Konsortium von Archirodon, Intrakat und Envitec erhielt den Zuschlag für das Projekt im Bezirk Serres (Baukosten: 25,4 Millionen Euro). Auftragnehmer der Anlage in Westmakedonien ist das Unternehmen Ilektor, Tochtergesellschaft des Marktführers im Bausektor Aktor. Baukosten: 46 Millionen Euro. Für die übrigen Vorhaben stehen die Auftragnehmer noch nicht fest. Große Verzögerungen gab es bei den vier Projekten im Bezirk Attika (Athen), da neue Entscheidungsträger nach den Gemeinde- und Kommunalwahlen die Projekte zunächst auf Eis legten. Jedoch bedarf es einer dringenden Lösung, da laut Experten die Mülldeponie des Bezirks nur noch bis 2015 freie Kapazitäten hat. Zu den größten Problemen der griechischen Entsorgungswirtschaft gehören die unkontrollierten Deponien und solche, deren Betriebszeit längst abgelaufen ist. Dem Land drohen dadurch hohe Strafgelder von Seiten der Europä­ischen Union. 69 unkontrollierte aktive Deponien wurden schon gezählt.

Auf Basis der ERP-Richtlinie

Alle Recyclingsysteme Griechenlands basieren auf der EPR-Richtlinie, die bereits 2001 in nationales Recht umgesetzt wurde. Das Land setzte Ziele auch für die Behandlung von Abfallarten, die nicht unter dieses System fallen, aber von der EU vorgegeben sind – zum Beispiel Autoreifen und Schmierstoffe. Wie die Hellenic Recovery Recycling Corporation mitteilte, lagen die recycelten Verpackungsmengen 2013 in den 153.000 „blauen Tonnen“ mit 442 Tonnen etwa elf Prozent unter der Vorjahresmenge. In diesen Behältern werden alle Abfälle, die wiederverwertet werden können, gesammelt. 241 Organisationen für regionale Selbstverwaltung sind mit der Gesellschaft und deren Recyclingprogrammen verbunden. 1.720 Unternehmen sind nach letztem Stand daran beteiligt.

Das System der „blauen Tonnen“ wird jedoch ab 2015 problematisch werden, da gemäß der EU-Richtlinie 2008/98/EC eine getrennte Sammlung von Papier, Metall, Kunststoffen und Glas in allen Mitgliedstaaten eingeführt werden muss. Für mehr Recycling in Griechenland besteht Bedarf an geeigneter Technologie, die den Erfordernissen der ISO-Normen entspricht, darunter Papier- und Kunststoffpressen. Anreize für Anschaffungen, Anlagen und Maschinen zum Umweltschutz bieten das Investitionsförderungsgesetz, das Zuschüsse und Steuerbefreiungen vorsieht, sowie die Förderprogramme für kleine und mittlere Unternehmen (Handel, Dienstleistungen, Tourismus) im Rahmen des neuen EU-Partnerschaftsvertrags.

Recyclingunternehmen im Land

Die Marktforschungsgesellschaft Hellastat untersuchte 43 Unternehmen, die sich mit dem Recycling von Metallabfällen befassen, und 49 Recycler von nicht metallischen Abfällen. Die erstgenannten Firmen verzeichneten 2012 einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ursachen hierfür waren die nachlassende Industrieproduktion sowie der Preisverfall infolge der sinkenden Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe und der Bauwirtschaft. Die Verarbeiter von nicht metallischen Abfällen verzeichneten ebenfalls einen Umsatzrückgang von 10,5 Prozent. Zu den wichtigsten Recyclingunternehmen im Land zählt SSED Recycling. Das Unternehmen gehört zu 65 Prozent Firmen, die sich verpflichten, ihre Verpackungen zu entsorgen, und zu 35 Prozent Organisationen für die Selbstverwaltung. Die Mehrheit der 1.720 Unternehmen, die an diesem System teilnehmen, kommt aus dem Lebensmittel- und Getränkesektor. SSED verwaltet auch die blauen Tonnen. Keped AE ist im Bereich des Managements von Öl- und Schmierstoffen tätig. Bis Oktober 2013 waren 186 Unternehmen an diesem System beteiligt; das entspricht etwa 90 Prozent des Schmierstoffmarktes. Ebenfalls in der Wiederverwertung von Verpackungen arbeitet Antapodotiki Anakyklosi. An den Annahmestellen können Verbraucher ihre Verpackungen gegen Entgelt zur Wiederverwertung abgeben. Die Supermarktkette AB Vassilopoulos führte ein eigenes System zur Wiederverwertung seiner Private-Label-Produkte in einigen Geschäften ein.

Weitere Recyclinganbieter auf dem griechischen Markt sind Sydesys, ein Recyclingsystem für Akkumulatoren, das 2012 insgesamt 18.959 Tonnen an Material sammelte, AHHE  für das Recycling von Elektro- und Elektronikgeräten, Eco Elastika im Bereich der Weiterverarbeitung von Reifen und Kfz-Zubehör, AFIS für das Recycling von Batterien, Fotokiklosi, das sich auf die Weiterverwertung von Glühbirnen spezialisiert hat, und EDOE, das Altfahrzeuge annimmt.

Quelle: Germany Trade & Invest/Michaela Balis

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