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Optimierungsmöglichkeiten von Schrottplätzen

In Anbetracht der aktuell herausfordernden Geschäftslage sollten die Unternehmen der Schrottbranche an allen Stellschrauben drehen, um die Kosten zu drücken. Das empfahl Prof. Dr.-Ing. Uwe Görisch beim bvse-Branchenforum Schrott.

Das Geschäftsklima im vierten Quartal 2014 brachte für die Schrottbranche einige Turbulenzen mit sich, denn der ifo-Konjunkturtest für die gewerbliche Wirtschaft war im Oktober abgerutscht. Keineswegs besser präsentierte sich der Geschäftsklimaindex des Verbandes Deutscher Metallhändler e. V. (VDM), der sich eingetrübt hatte und gegenüber dem vorhergehenden Quartal um 2,7 auf 94,2 Punkte gefallen war, was seit Beginn der Erhebung im Jahr 2013 einen Tiefststand bedeutete. Den Angaben zufolge deckte sich dieses Ergebnis mit den allgemeinen Daten und Konjunkturprognosen führender Wirtschaftsforschungsinstitute. Im Gegensatz zu den Erwartungen hatte sich der Aufschwung nicht fortgesetzt. Dies hatte laut Görisch mehrere Gründe, darunter den Ukraine-Konflikt, die schwache Konjunktur im Euroraum, die stockende Expansion in den Schwellenländern, die Verminderung des Eisenerzpreises sowie Verschlechterungen durch einsetzende und geplante Verstaatlichungen in der deutschen Abfallwirtschaft. Für die Unternehmen im Metallsektor bedeutete das einen Mengenrückgang von zehn bis fünfzehn Prozent und verringerte ihre Spielräume beim Ein- und Verkauf. Gleichzeitig reduzierte sich der Rohertrag, während die Kosten pro Tonne stiegen, was sich auch auf das Ergebnis vor Steuern negativ auswirkte.

In seinem Vortrag über „Genehmigungsrechtliche und betriebswirtschaftliche Optimierungsmöglichkeiten von Schrottplätzen“ skizzierte der Leiter des Büros für Abfallwirtschaft in Karlsruhe, wie Betriebe der Metallrecyclingbranche durch Verbesserungsmaßnahmen ihre wirtschaftliche Lage günstiger gestalten könnten.

Wareneinkauf

In diesem Zusammenhang rät der Experte, das Servicespektrum im Hinblick auf die Materialbeschaffung zu erweitern. Seiner Ansicht nach hätte es positive Auswirkungen, wenn ein Recyclingunternehmen beispielsweise für Entfallstellen der Metallbe- und -verarbeitung auch die Entsorgung anderer Abfälle übernimmt sowie zusätzliche Dienstleistungen wie unter anderem das Abfallmanagement durch das eigene Personal anbietet. Weitere Potenziale ließen sich laut Görisch erschließen, wenn die Aktivitäten auf angrenzende Bereiche wie etwa metallhaltige Schlämme, Krätzen, Schlacken und Stäube ausgedehnt werden. Die Beteiligung an Sammelsystemen (zum Beispiel für Lithium-Ionen-Batterien) trägt ebenfalls dazu bei, die Palette der Dienstleistungen zu ergänzen. Für Materiallieferanten wie fahrende Händler sollte ein Schrottplatzbetreiber eine schnelle und angenehme Abwicklung des Verkaufs sicherstellen. Dazu gehören unter anderem genügend Platz für die Fahrzeuge, kurze Wege zu den Entladepunkten, die Trennung von Auszahlungsstelle und Warteraum sowie einige Annehmlichkeiten für die Wartenden wie warme und kalte Getränke, Snacks, Zeitungen und Zeitschriften.

Last but not least gilt es, einen wirkungsvollen Einbruch- und Diebstahlschutz zu installieren, um dem Materialschwund entgegenzuwirken. Dabei sollte sich der Unternehmer auf das Know-how und die Erfahrung von Fachfirmen und Spezialisten stützen. So werden im Rahmen der SIPAM (Sicherheitspartnerschaft gegen Metalldiebstahl) Erfahrungen bei der Erprobung neuer Abwehrsysteme ausgetauscht. Zudem soll ein Frühwarnsystem etabliert werden, das es in Zusammenarbeit mit den Behörden ermöglicht, schneller und präziser Diebstähle verfolgen zu können. Kooperationen mit Metallverwertern tragen ferner zur vereinfachten Detektion von Diebesgut bei.

Maßnahmen zur Kostenentschärfung

Zur Entschärfung der Kostensituation sind ebenfalls verschiedene Maßnahmen geeignet. Die Bandbreite umfasst die Prüfung der Personalstärke, die Reduzierung der Raum-, Fahrzeug- und Maschinenkosten sowie die Senkung der Ausgaben für die Instandhaltung, um nur einige Aspekte zu nennen. Anhaltspunkte für die „Raumkosten schonende Planung und Errichtung“ eines Schrottplatzes gibt laut Uwe Görisch die Richtlinie 4085 des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

Wenn es darum geht, die Funktionstüchtigkeit von Einrichtungen (wie Waage, Kompressoren, Alarmanlage, Transformator, Rolltore, Heizung, Klimaanlage, Lüftung, Radioaktivitätsmessgeräte, Abscheider und Sedimentationsanlage) zu erhalten, so rät der Fachmann, Wartungsverträge auszuschreiben, abzuschließen und nachzuhalten. Außerdem ließen sich die Stromkosten begrenzen, indem der Schrottplatzbetreiber beispielsweise die Stromlieferung ausschreibt, die Platzbeleuchtung umstellt oder ein Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001 einführt.

Ein weiterer Kostenfaktor sind Beiträge zur Berufsgenossenschaft, wobei das Minimieren von Arbeitsunfällen aufgrund von Schulungen durch die Berufsgenossenschaft oder Spezialfachkräfte, Sicherheitskleidung und Sicherheitskennzeichnungen die Ausgaben sinken lässt. Sparen kann ein Betrieb auch bei Versicherungen, zum Beispiel indem er bei neuen Verträgen einen günstigeren Anbieter wählt.

Wenn es um die betriebseigenen Fahrzeuge geht, lassen sich die Ausgaben ebenfalls senken. Neben der Nachkalkulation des Fuhrparks und der Entfallstellen können auch der genossenschaftliche Dieseleinkauf und die Bevorratung in 30.000 Liter fassenden Tanks zu Kostenvorteilen führen. Das Drosseln des Kraftstoffverbrauchs ist in der Regel durch Optimierungen am Fahrzeug (Dachspoiler, Windabweiser, Gewicht, Reifendruck) sowie entsprechende Fahrerschulungen zu erreichen, zumal die Fahrerleistung eine Ersparnis von bis zu zehn Prozent realisieren kann. Allerdings sollten sowohl die Fahrzeuge als auch die Umschlaggeräte nicht zu alt sein. Komplettwartungsverträge sorgen auch hier für Effizienz. Aggregate wie Scheren, Schredder oder Pressen sollten nach dem Rat des Experten einer Nachkalkulation (Miete und Fullservice) unterzogen werden. Zudem empfiehlt er zu prüfen, ob die vorhandene Anzahl an Umschlaggeräten (Bagger und Stapler) notwendig ist und der Einsatz von Elektrobaggern Vorteile bringen kann.

Förderprogramme

Der Fachmann schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis auf verschiedene Förderprogramme, die für Unternehmen der Metallrecyclingbranche interessant sein können. Im Rahmen des Förderprogramms „De-minimis“, das vom Bundesamt für Güterverkehr als Bewilligungsbehörde im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) angeboten wird, können sich Unternehmen des Güterkraftverkehrs mit schweren Nutzfahrzeugen fördern lassen. Voraussetzung: Sie müssen bestimmte Maßnahmen zur Sicherheit oder zum Schutz der Umwelt durchführen. Mit den Maßnahmen darf vor Beginn des Bewilligungszeitraumes in der Förderperiode 2015 (1. Januar bis 31. Dezember 2015) noch nicht begonnen worden sein. Die konkreten Regelungen sind der entsprechenden Förderrichtlinie „De-minimis“ beziehungsweise den Ausführungen zur jeweiligen Förderperiode zu entnehmen. „Die Unternehmen müssen zum Zeitpunkt der Antragstellung Güterkraftverkehr im Sinne des § 1 Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) betreiben und Eigentümer oder Halter mindestens eines in der Bundesrepublik Deutschland zugelassenen, ausschließlich für den Güterkraftverkehr bestimmten schweren Nutzfahrzeuges (mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mindestens 12 Tonnen) sein“, heißt es auf der Homepage des Bundesamtes für Güterverkehr.

Der sogenannte „Eff-Check“ ist ein Projekt des Effizienznetzes Rheinland-Pfalz und wird umgesetzt durch das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) und die Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinlandpfalz mbH (SAM). Dabei werden Kosteneinspar- sowie Umweltpotenziale für rheinland-pfälzische Unternehmen ermittelt. Das Projekt hat eine ökonomisch und ökologisch effizientere Unternehmensführung und Produktion zum Ziel.

Weitere Förderprogramme und Finanzhilfen des Bundes, der Länder und der EU sind im Internet zu finden unter der Adresse http://foerderdatenbank.de.

Brigitte Weber

Foto: EU-R Archiv

(EUR0115S20)